07.04.2020 - 17:23 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Herausforderung im "Haus ohne Kinder"

"Es ist schon komisch, wenn es so ruhig ist." In Corona-Zeiten hat auch das Theresia-Gerhardinger-Haus in Neunburg auf eingeschränkten Betrieb umgestellt. Aktuell werden lediglich sieben Kinder betreut, sonst sind es 30 Mal so viel.

In der Coronakrise ist die Arbeit mit den Kindern im Theresia-Gerhardinger-Haus in den Hintergrund gerückt. Das Erzieher-Personal nutzt aber die Gelegenheit, um sich intern weiterzubilden.
von Philipp Mardanow Kontakt Profil

Mit "Grüße aus dem Theresia-Gerhardinger-Haus" hatte Schwester Christine Gindhart, der die Gesamtleitung der Einrichtung obliegt, eine Pressemitteilung überschrieben. "Die momentane Situation fordert auch uns Erzieherinnen und Erzieher im Theresia-Gerhardinger-Haus", informierte Gindhart. Die Nachricht von der Schließung aller Einrichtungen ab Montag, 16. März, hatte das Haus am 13. März erreicht.

Noch am selben Tag hielten Schwester Christine und ihre Stellvertreterin Eveline Stangl eine Art Krisengespräch. Schnell sei klar gewesen, dass den Eltern eine Notgruppe zur Verfügung gestellt wird. Außerdem wurden pädagogische Angebote geplant, um den Kindern die momentane Situation so angenehm und schön wie möglich zu gestalten. "Ein Haus ohne Kinder, das stellt uns alle – Eltern wie Pädagogen – vor eine große Herausforderung", gab die Leiterin zu verstehen.

Auf dem Laufen gehalten werden die Eltern über die neue Kita-App. Per Handy hatten Väter und Mütter einen Zugangscode erhalten. Auf Anfrage von Oberpfalz-Medien teilte Schwester Christine mit, dass die Erziehungsberechtigten und die Kinder über diese Plattform mehrmals wöchentlich aktuelle Informationen wie beispielsweise Elternbriefe erhalten. Aber auch Anregungen und Ideen für die Zeit zu Hause wie Liedtexte oder Bastelvorschläge kommen dabei nicht zu kurz.

Für das Erzieher-Team geht der Arbeitsalltag weiter – vor Ort oder auch zum Teil im Homeoffice. "Wir organisieren kleine Arbeitsgruppen und arbeiten an der Optimierung der Qualität durch interne Fortbildungen", schildert die Einrichtungsleiterin. In den großen Räumlichkeiten des Hauses sei es kein Problem, den wegen des Coronavirus nötigen Sicherheitsabstand einzuhalten, wenn Kollegen pädagogische Filme zeigen und Vorträge zu verschiedenen Themen halten.

Ganz ohne Kinder ist das Haus aber nicht: Sieben Buben und Mädchen aus Kinderkrippe, -garten und Schülerhort sind aktuell in einer Notbetreuung angemeldet. "Ihren Eltern arbeiten alle in systemrelevanten Berufen", erklärt Schwester Christine Gindhart. Üblicherweise sind es 210 Kinder in allen Bereichen, die im Theresia-Gerhardinger-Haus spielen und lernen. Vom Personal seien aktuell etwa zehn Mitarbeiter im Haus, das entspreche etwa die Hälfte der üblichen Stärke. Der Rest sei in Urlaub, baue Überstunden ab oder arbeite im Homeoffice.

Zu tun gibt es für die Mitarbeiter weiterhin genug: Laut Schwester Christine wird die Zeit genutzt, um die Gruppenräume und die Arbeitsmittel auf Vordermann zu bringen. Für eine Bodengrundreinigung seien die Zimmer ausgeräumt worden, es wurden Spielsachen sortiert und ein Bücherverzeichnis angelegt. Im Bereich von Kindergarten und Krippen waren außerdem einige Bauarbeiten zu erledigen. Zur Verbesserung des Brandschutzes seien Wände durchbrochen und sogenannte Bypass-Türen eingesetzt worden. Eine neue Glastür wurde im Eingangsbereich installiert, außerdem waren Fließen-Arbeiten in den Toiletten zu erledigen.

In der Coronakrise bringe sich das Erzieher-Team auch auf dem sozialen Sektor ein. Für das Marienheim wurde Osterdekoration gebastelt und für die Bewohner im Pflegeheim "Refugium" wurden Osternestchen gestaltet. Dabei bekam das Gerhardinger-Haus Unterstützung durch den Blumenpavillion Schindler.

"Wir werden weiterhin hier im Haus die Stellung halten und hoffentlich gut durch diese schwierige Zeit kommen", schreibt die Leiterin zum Abschluss ihrer Presseinfo. Und sie wünscht sich: "Hoffentlich können wir bald wieder gemeinsam mit den Kindern starten."

Das bevorstehende Osterfest ist nicht vergessen: Die Mitarbeiter haben Nestchen gefüllt und Dekoration für die Feiertage gebastelt.
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