30.06.2019 - 15:10 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

"Hussenkrieg"-Ensemble punktet mit geschlossener Darstellung beim Premieren-Publikum

Bei herrlichem Festspielwetter ging die 37. Inszenierung des Burghofspiele über die Bühne. Die Prägung durch Regisseur Cornelius Gohlke ist vielfältig erkennbar.

von Georg LangProfil

Ein begeistertes Publikum quittierte die Premiere der 37. Burgfestspiele am Samstagabend immer wieder mit Szenenapplaus. Regisseur Cornelius Gohlke inszenierte das „Antikriegsstück“ heuer zum zweiten Male und sorgte nicht nur beim Wechsel von Massenszenen und intimen Dialogauftritten für dramaturgische Ausgewogenheit, sondern auch bei der gesamten thematischen Umsetzung. Die „hussitischen Ketzer“ aus Böhmen und die Ritter aus der Oberpfalz sowie die Bürger und Bauern aus Neunburg erfahren eine gleichwertige Einstufung im gesamten geschichtlichen Geschehen des Spätmittelalters.

Nicht nur das Leid der überfallenen Oberpfälzer wird auf die Bühne gebracht, sondern auch das Schicksal einer böhmischen Familie, die ihren Sohn verliert, und es werden auch ambivalente Haltungen bei den Hussiten beleuchtet. Die Schlacht von Hiltersried im Jahr 1433 wird mit viel Feuer und Kampfgetöse sowie exzellent umgesetzten Kampfszenen zu Pferde vor der hussitischen Wagenburg präsentiert. Im Mittelpunkt des Spiels steht aber die Vorgeschichte, die Bedrohung der Neunburger Bürger und Bauern der Oberpfalz, die sich unter der Führung des Pfalzgrafen (Michael Hellmuth) formieren, um für den bevorstehenden Einfall der Hussiten gewappnet zu sein. Dabei wird klar vermittelt, wie es zu diesem Kriegsgeschehen kam – mit Ursachen und Schuld auf beiden Seiten. Jan Hus selbst reitet auf seinem verhängnisvollen Weg nach Konstanz am Publikum vorbei.

Damit für die Zuschauer der geschichtliche Zusammenhang deutlich wird, dafür sorgen fünf Erzähler, die immer wieder aus ihren Spielerrollen heraustreten und auch kommentierend wirken wie beispielsweise Kaplan Schmalzhafen (Alexander Malterer). Das Ganze kommt aber nicht belehrend rüber, sondern ist elegant in das Spielgeschehen eingebaut. Neben den imposanten Ritter- und Kampfauftritten erlebt das Publikum auch einfühlsame und rührende Dialogszenen. Die neue Szene der Familie Lisbeth (Manuela Hellmuth) und Michl (Christian Voith) gehört dazu, ebenso die Trauer der hussitischen Eltern (Tibor Alesik, Jana Drábková) oder auch der fast schon philosophische Diskurs der Hussiten über die Schuld ihres gewalttätigen betrunkenen Mitkämpfers.

Bemerkenswert ist auch der Trick der Pfalzgräfin Beatrix (Silke Biegerl), die mittels eines geheimnisvollen Krauts ihren Stiefsohn Christoph (Marius Richter) von der gefährlichen Schlacht fernhält, während der Pfalzgraf bei einer autoritäten Aktion die Mitwirkung seines Sohnes durchsetzen will. Ein emotionaler Höhepunkt ist das Zusammentreffen der beiden Ritter Zenger nach elf Jahren. Der Vater (Franz Binder) kann seinem Sohn Tristram (Bruno Spitzhirn) nicht verzeihen, dass er aus Überzeugung zu den Hussiten übergewechselt ist.

Ein Kompliment gebührt dem gesamten Ensemble, dessen beeindruckendes Spiel auch aus einem exzellenten Zusammenwirken von Haupt- und Nebenrollen resultiert. Das Eingehen auf den jeweiligen Spielpartner bewirkt eine erstaunliche Geschlossenheit in der Darstellung des Geschehens. Die großartigen Leistungen von Technik (Ton und Licht), Kostümen, Requisite und Maske tragen wesentlich zum Erfolg der Inszenierung mit 115 Mitwirkenden bei. Auch der Schirmherr Reimund Gotzel, Vorstandsvorsitzender der Bayernwerk AG, hat mit seinem guten Draht nach oben zum Premieren-Erfolg beigetragen.

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