01.07.2018 - 17:26 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

"Hussenkrieg" auf neuen Wegen

Nach vielen Jahren einer eingespielten Routine wagt man heuer beim Burgfestspiel einen Neuanfang mit Regisseur Cornelius Gohlke. Bei einigen überraschenden Veränderungen besinnt er sich auf den Ursprungstext des Autors Peter Klewitz.

(lg) Schirmherr Thomas Stalla hatte am Samstag herrliches Premierenwetter für die Neuinszenierung des "Hussenkriegs" im Burghof bestellt. Somit waren von dieser Seite die optimalen Rahmenbedingungen gegeben, als Erster Bürgermeister Martin Birner die Zuschauer auf der voll besetzten Tribüne begrüßte und zusammen mit dem Vorsitzenden des Festspielvereins, Helmut Mardanow, auf die Neudarbietung unter der erstmaligen Regie von Cornelius Gohlke verwies.
Dass bei diesem das Lampenfieber erst kurz vor Spielbeginn ausbricht, wie er einmal bekannte, davon hat man nichts gemerkt. Gleichsam spielerisch wurden die Zuschauer auf ihre Sitzplätze in der überdachten Tribüne begleitet, denn nach dem ehrenvollen Spalier der Akteure legten diese noch vor dem offiziellen Spielbeginn bei einem kurzweiligen Markttreiben los, das beim Publikum Staunen und Bewunderung hervorrief. Da führte ein Ensemble zu den Klängen der Hofmusik mittelalterliche Tänze vor und schon im nächsten Augenblick lenkte der Narr (Philipp Mardanow) mit Späßen und Kunststücken die Blicke auf sich. Daneben erlebte man vielfältige Verkaufsszenen von Besen bis Brot, während im Hintergrund Kaplan Schmalzhaffen (Alexander Malterer) an einem offenen Beichtstuhl die Sünder empfing.

Hintergrundinformationen

Der Kaplan gehörte zu dem sechsköpfigen Erzählerteam von meist jungen Mitspielern, die dem Publikum immer wieder Hintergrundinformationen und Erklärungen lieferten. Dabei wirkte das Ganze unaufdringlich, so wie es der Regisseur mit diesem neuen dramaturgischen Element wünschte. Neu war auch das Bühnenbild mit der historischen Rückwand der Stadtpfarrkirche und die Straffung des Bühnengeschehens. Hier hatte Gohlke einige Nebenszenen gestrichen und damit ein stringentes und dynamisches Spiel geschaffen.
Die Schlacht ist in drei Bilder aufgesplittet, wobei Pyrotechnik und Schlachtenlärm den misslungenen Ausfall der Hussiten aus ihrer Wagenburg begleiten. Ideologisch ist das Stück sehr ausgewogen: Die Dialoge offenbaren die hussitische und die katholische Position und das Spiel verdeutlicht, dass es auf beiden Seiten Fanatiker und Besonnene gibt. Das Leid des Krieges trifft die Menschen in beiden Lagern.

Gut gemeistert

Nach Jahren der eingespielten Szenen mit der entsprechenden Spielroutine von vielen Auftritten hat das über 140-köpfige Ensemble den Neuanfang hervorragend geschafft. Der Zuschauer erlebte in den 16 Szenen eine gelungene Neustrukturierung durch den Regisseur, aber auch ein hochmotiviertes Spiel und Sichhineinfühlen in die Rolle bei den Akteuren. Dies gilt nicht nur bei der Neubesetzung des Pfalzgrafenpaares mit Michael Hellmuth und Silke Biegerl, sondern auch bei den übrigen Spielern. Hut ab vor der Arbeit der Mitwirkenden hinter den Kulissen, die bei Bühnenbild, Maske, Kostümen, Beleuchtung und Ton erkennbar eine souveräne Leistung boten.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.