20.05.2019 - 10:25 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

"Hussenkrieg" verstärkt Absage an Krieg und Gewalt

Die 37. Runde des "Hussenkrieg"-Festspiels wird eingeläutet. Zum Auftakt der Proben unterstreicht Regisseur Cornelius Gohlke die Linie des "Antikriegsstücks".

Neue Akzente soll im 37. Jahr des "Hussenkrieg" auch der Auftakt in den Theaterabend erhalten. Beim halbstündigen Unterhaltungsprogramm vor Aufführungsbeginn mit Musik, Tanz und Spielen, dürfe auch die Zuschauer mitwirken.
von Georg LangProfil

Bis zur Premiere am 29. Juni haben die Neunburger Festspieler noch einige Zeit für die Einstudierung der Feinheiten für die 37. Inszenierung. Doch bei der hochmotivierten Spielerschar laufen die Auftritte bereits ganz gut, wie der vierte Probentag am Wochenende bewies. Auch Bürgermeister Martin Birner schaute im Burghof vorbei und lobte das Engagement der Akteure in diesem „Antikriegsstück“. Diese Ausrichtung akzentuierte Regisseur Cornelius Gohlke bereits bei der Neuinszenierung im zurückliegenden Jahr und auch heuer wird diese Zielsetzung mit einer neuen Szene auf subtile Weise ausdifferenziert.

Das Pressegespräch mit dem Regisseur, dem Bürgermeister sowie Festspielvereins-Vorsitzendem Helmut Mardanow und Spielleiter Hans-Werner Habel macht deutlich, dass es dieses Jahr „keine massiven Veränderungen“ gibt. Wohnsitzverlegung sowie berufsbedingte oder familiäre Verpflichtungen von Spielern machen aber bei einem derart großen Ensemble jedes Jahr Eingriffe in die Besetzungsliste erforderlich. So ist Silke Biegerl auch heuer Pfalzgräfin, ihr steht aber mit Nora Lemmer eine Zweitbesetzung zur Seite. Marius Richter spielt erstmals den Pfalzgrafensohn Christoph und auch die Rolle der Sophie (Vertraute der Pfalzgräfin) wird mit Tanja Lingl neu besetzt. Helmut Mardanow geht heuer unter die Hussisten und ist zusammen mit seinem hussitischen "Mitbruder" Jonathan Binder zugleich auch Erzähler. Das im vergangenen Jahr ausgebaute Erzählelement erfährt damit auch eine perspektivische Erweiterung, weil eben auch die Seite der Hussiten kommentierend einbezogen wird.

Die Haltung der Hussiten, nicht mutwillig zu töten, wird in einer neuen Szene problematisiert. Dabei entwickelt sich eine Debatte über das Schicksal eines betrunkenen Hussiten, der bei einer Auseinandersetzung mit einem Bauern schwer verletzt wurde. Einen hohen Stellenwert im Antikriegsstück hat auch die im Vorjahr neu gestaltete Konfliktszene der beiden Zenger. Als der junge Zenger seinen Vater stehen lässt, wird der Gewalt abgeschworen. In der alten Fassung tötete der Vater seinen zu den Hussiten übergelaufenen Sohn im Kampf.

„Ich hoffe, dass die Pferde alles mitmachen, was von ihnen erwartet wird!“, meint der Regisseur und bezieht sich damit auf einen wesentlichen Trumpf im gesamten Spielgeschehen. Einzelne Pferde, die bereits lange dabei sind, würden bei ihrem Einsatz schon auf Stichwörter reagieren. Auch der Pfalzgraf (Michael Hellmuth) wird wieder hoch zu Ross einreiten und somit zur Bereicherung dieses imposanten Auftritts beitragen. Vor dem Spielbeginn um 20.45 Uhr gibt es im Burghof vor der Zuschauertribüne ein leicht ausgeweitetes halbstündiges Unterhaltungsprogramm mit Musik,Tänzen und Spielen, in das auch das Publikum einbezogen wird. Die Akteure freuen sich, wenn viele Besucher bei diesem dynamischen Einstieg in den Festspielabend mitwirken.

Zum Programm der Burgfestspiele gehört auch der Mittelaltermarkt im Stadtpark, der dieses Jahr am 27. und 28. Juli stattfinden wird. Schaukämpfe, Akrobatik, Musik, Spiel und Gaukeleien stellen ein unterhaltsames Programm dar, das durch das Angebot von Handwerkern und Händlern bereichert wird. Das traditionelle Fischerstechen, heuer am 27. Juli von 13 bis 14.30 Uhr, ist alljährlich ein Höhepunkt des mittelalterlichen Spektakels. Die Eintrittspreise betragen 4 Euro für einen Tag oder 5 Euro für beide Tage. Kinder zahlen 1 Euro bzw. 1,50 Euro.

Info:

Aufführungstermine

Auf die Premiere am 29. Juni folgen noch sechs Aufführungen und zwar am Samstag, 6. Juli, Freitag, 19. Juli, Samstag, 20. Juli, Freitag, 26. Juli, Freitag, 2. August und Samstag, 3. August. Alle Vorstellungen beginnen um 20.45 Uhr im Burghof. Die Abendkasse ist ab 19.30 Uhr geöffnet. Einlass erfolgt ab 20.15 Uhr und da beginnt auch ein äußerst ansprechendes Vorprogramm.

Die Vorverkaufsstellen in Neunburg sind die Buchhandlung am Tor, das Büro- und Pressezentrum sowie Geschenke & Deko Mimamo oder online (www.neunburg.de). (lg)

Regisseur Cornelius Gohlke (links) studiert mit Hussiten-Darstellern eine neue Szene ein, in der das Töten aus ethischer Sicht diskutiert wird.
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