21.03.2019 - 16:20 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Klage über Stürme und Käferbefall

Das hohe Schadholzaufkommen drückt die Preise. Aber es gab auch Lichtblicke für die Waldbesitzer bei der WBV-Jahresversammlung.

Auch Landrat Thomas Ebeling und Bürgermeister Martin Birner ließen sich von Vorstand Martin Prey (Bildmitte) über die neuen Baumarten informieren. Rechts Leitender Landwirtschaftsdirektor Georg Mayer.
von Georg LangProfil

Der Borkenkäfer, Stürme und Schneelasten sind die „Feinde“, die den Waldbesitzern in zunehmendem Maße Kummer bereiten. Das Reagieren auf diese Beeinträchtigungen in den heimischen Wäldern bestimmte das Programm bei der Jahreshauptversammlung der Waldbesitzervereinigung Neunburg vorm Wald / Oberviechtach (WBV) in der Schwarzachtalhalle. Eine Reaktion ist der Umstieg auf „Exoten“ unter den Baumarten, weg von der Fichte und der Kiefer. Günther Gilch zeigte in diesem Zusammenhang in einem Kurzreferat die Vorzüge der Edelkastanie auf, mit der der Klimawandel leichter bewältigt werde.

Dass die WBV finanziell gut dasteht, machte nicht nur der Kassenbericht von Steuerberater Michael Stahl deutlich, sondern auch die Eröffnung der Jahresversammlung mit einem Weißwurstessen für alle erschienenen Mitglieder. So waren auch alle bereit, einer Erhöhung des Jahresbeitrags von sechs auf zehn Euro zuzustimmen. Vorstand Martin Prey blickte in diesem Zusammenhang auf die ideellen Angebote der Vereinigung im Berichtsjahr zurück und erinnerte z.B. an Info-Veranstaltungen zu Pflanzung und Durchforstung, an die Inbetriebnahme einer neuen Trommelsäge, an Fahrten und an die Holzmarktgespräche.

Douglasie und Weißtanne, gesichert durch einen Holzschutzzaun, werden als Alternativen zu Fichte und Kiefer gesehen. Bei trockenen Sommern wachsen auch „Exoten“ wie Roteiche, griechische Tanne, Atlaszeder und Mammutbaum sehr gut. Günther Gilch zeigte in seinem Vortrag seine positiven Erfahrungen mit der Esskastanie (Edelkastanie) auf. Den Klimawandel und die Böden in der Oberpfalz wertete er als gute Voraussetzungen für die Einbeziehung dieser Baumart. Bei der Wachsdynamik komme sie der Birke gleich und Stockausschläge nach dem Fällen sicherten die Nachhaltigkeit. „Man kann sowohl den Bauch voll machen als auch den Dachstuhl bauen!“, lautete das Fazit von Günther Gilch zur Esskastanie, die übrigens 2018 als Baum des Jahres ausgewiesen war.

Den amerikanisch-kanadischen Konzern Mercer stellte dessen Holzeinkäufer Sieghardt Karl vor. Das börsennotierte Unternehmen unterhält in Deutschland drei große Werke der Verarbeitung von Nadelholz. In einem ausführlichen Vortrag informierte Karl die Waldbesitzer über Varianten der Preisgestaltung beim Ankauf von Holz, je nachdem wie die Modalitäten bei Vermessung, Längen oder Zahlungsabwicklung gestaltet werden.

Forstdirektor Alwin Kleber vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten stellte das forstliche Gutachten zur Situation der Waldverjüngung 2018 vor. Im bayernweiten Vergleich stehe der Landkreis Schwandorf beim Leittriebverbiss in den Wäldern gut da. Der Forstbeamte mahnte, auch einzelne Stämme von Schneebruch oder Windwurf aus den Wäldern zu entfernen, weil diese den Borkenkäfer anlockten. Landrat Thomas Ebeling und Neunburgs 1. Bürgermeister Martin Birner zeigten sich beeindruckt von den fundierten Informationen der abendfüllenden Veranstaltung. Birner blendete zudem auf die Betreuung des Stadtwaldes durch die WBV. Ltd. Landwirtschaftsdirektor Georg Mayer verwies auf das Beratungsangebot seines Amtes bei Revierbegehungen und wünschte den Waldbesitzern ein erfolgreiches Jahr bei der Eindämmung des Borkenkäfers.

Hintergrund:

Die WBV in Zahlen

„Die WBV ist ein wertvoller Partner bei der Pflege der Wälder und der Vermarktung von Holz!“, fasste der Vorsitzende der WBV, Martin Prey aus Niedermurach, den Service dieser Vereinigung zusammen, die 2071 Mitglieder mit einer Waldfläche von 13957 Hektar zählt, wie der Geschäftsbericht von Alfons Vogl deutlich machte. 507 Mitglieder nutzten im zurückliegenden Berichtsjahr das Vermarktungsangebot der Vereinigung, wobei 51471 Festmeter Holz über die WBV verkauft wurden. Detailliert führte der Geschäftsführer die Baumartverteilung (Fichte, Kiefer, Laubholz) sowie die Sortenverteilung auf, wobei Fixlängen 67 Prozent ausmachten. „Das Jahr 2018 war geprägt von Zwangseinschlägen wegen Käferbefall und Windwurf“, bilanzierte Alfons Vogl und ließ keinen Zweifel daran, dass diese Schäden auch im laufenden Jahr den Holzpreis gewaltig drücken. Dabei ist es nicht einmal nur der heimische Markt, sondern die Überkapazitäten an Schadholz in Tschechien und Südtirol, die den Holzpreis senken. Bei der Planung eines Holzeinschlags durch ein WBV-Mitglied sollte vor Beginn der Aktivitäten die Geschäftsstelle kontaktiert werden.

Forstdirektor Alwin Kleber: "Schadholz muss zügig aus den Wäldern entfernt werden!"

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