11.06.2019 - 17:23 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

"Kleinste Big-Band" begeistert in der Neunburger Pfarrkirche

Das Ensemble „Duopoli“ gastiert mit dem neuen Konzertprogramm "Delikatezza“ in der Stadtpfarrkirche. Klänge aus Trompete und Saxofon entführen das Publikum ins 18. Jahrhundert.

Sonja und Karlheinz Höflich begeisterten als „Duopoli“ mit ihrem Konzert „Delikatezza“ in der Stadtpfarrkirche.
von Udo WeißProfil

Die Kombination von Trompete und Saxophon ist sicher nicht alltäglich und besonders verwunderlich, wenn Klassik auf dem Programm steht. Umso erstaunlicher war der Auftritt von „Duopoli“ in der Stadtpfarrkirche. Trompete und Saxophon kamen leicht, locker und beschwingt daher und dennoch wurden die Gäste auf eine musikalische Reise ins 18. Jahrhundert versetzt.

Dass es Kompositionen alter Meister wie Johann Sebastian Bach, Arcangelo Corelli, Joseph Bodin de Boismortier oder Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven für Duette gibt, dürfte den wenigsten bekannt sein. Sonja und Karlheinz Höflich, die in Neunburg ihre Wahlheimat gefunden haben, ist es vortrefflich gelungen, als „kleinste Bigband der Welt“ diese Werke bedeutender Künstler für ihr neues Programm „Delikatezza“ aufzuspüren. Frei nach ihrem Credo „Vom Sound eher Klassik, vom Spirit eher Jazz“, haben sie diese bedeutenden Werke, die ja nicht gerade für ihre Instrumentierung geschrieben wurden, neu und höchst interessant arrangiert.

Mit dem Lutherchoral „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ von Johann Sebastian Bach eröffnete Karlheinz Höflich das einstündige Konzert mit seinem englischen Kornett aus dem Jahr 1868. Auch bei der „Romance“ von Wolfgang Amadeus Mozart kam dieses besondere Instrument, eine Art enger gewundene, kleine Trompete, zum Einsatz. Ursprünglich gehörte es einem Mitglied der Royal Marine Band von Königin Victoria. Mit vielen weiteren interessanten Informationen führte der Musiker charmant durch das Programm. So erfuhr man, dass Bachs Eltern innerhalb nur eines Jahres gestorben sind, als er gerade zehn Jahre alt war. Er, der aus armen Verhältnissen stammte, erhielt ein Stipendium an der Ritterakademie. Später bekam er mit zwei Frauen 20 Kinder. Von Bach stammt auch das berühmte Werk „Siciliano“, das „Duopoli“ mit Trompete und Tenorsaxophon spielte.

Das längste Stück des Abends war das „Erste Duo“ von Ludwig van Beethoven, der in Bonn geboren wurde und 35 Jahre in Wien lebte. Immer wenn er Ärger mit Nachbarn hatte, ist er umgezogen – allein 69 Mal in Wien. Der relativ unbekannte italienische Komponist Arcangelo Corelli, von dem die „Sonate in e-Moll“ zu hören war, habe Bach, Beethoven und Mozart maßgeblich beeinflusst, verriet Höflich. Bei dem von Corelli vertretenen, „italienischen, leidenschaftlichen Stil“ sollten die Musiker so spielen, wie sie es für richtig hielten. Das Merkmal der Swing-Musik von Jazzern, den ersten Ton doppelt so lang zu spielen wie den zweiten, stamme schon aus der Barockzeit.

Mit Trompete und Sopransaxofon wurde die „Sonate g-Moll op 40 Nr.3“ des Franzosen Joseph Bodin de Boismortier in vier Sätzen gespielt. Er war ein Zeitgenosse Bachs und zu seiner Zeit (1689-1755) sehr berühmt und sogar wohlhabend durch seine Musik. Nach lang anhaltendem Applaus gab es als Zugabe die „Kleine Nachtmusik“ von Mozart, die zwar für ein Streichquintett geschrieben wurde, aber von Sonja und Karlheinz Höflich als eingespieltem Team ebenso „luftig, locker und leicht“ daherkam, wie es das Programm versprochen hatte. Am 10. November wird das Duo auf seiner ausgedehnten Tournee Halt in Oberviechtach machen

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