03.08.2018 - 12:06 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Make-up fürs Rampenlicht

Buschige Augenbrauen, ein Lidstrich und ausdrucksvolle Konturen: Im Theater müssen auch die Männer ran an die Schmink-Tigel. Beate Mardanow sorgt seit 36 Jahren dafür, dass Darsteller mit dem perfekten Teint auf die Bühne kommen.

von Monika Bugl Kontakt Profil

(bl) Noch knapp zwei Stunden bis zum Auftritt. An den 13 Schminkplätzen im Neunburger Schloss trudeln die Schauspieler ein. Bei weit über 100 Mitwirkenden am Neunburger Festspiel "Vom Hussenkrieg" braucht es schon einen Schminkplan, damit alle rechtzeitig Farbe abbekommen fürs Rampenlicht. Im Trubel der Vorbereitungen lässt sich Beate Mardanow nicht vom Lampenfieber anstecken. Ihr Platz ist in diesem Fall hinter den Kulissen, und im Schminken fürs Theater liegen 36 Jahre an Erfahrung hinter ihr.

Licht schluckt Farbe

Wer Schauspieler für die Bühne zurecht macht, muss generell ein wenig dicker auftragen, auch wenn der Regisseur heuer die Devise "etwas dezenter" ausgegeben hat. "Bei der Beleuchtung verschwindet viel, das schluckt enorm Farbe", weiß die Friseurmeisterin, die sich nicht erst im Ruhestand als Maskenbilderin bewährt hat.

"Wer fertig ist kann kommen", ruft sie durch die Tür in den Nebenraum und tunkt auch gleich ein Schwämmchen in den Malkasten, der vor allem Beige- und Brauntöne bereithält. Der "Stadtschreiber" Heckel, dargestellt von Hans-Werner Habel, ist einer der ersten auf dem Drehstuhl vor dem großen Spiegel. "Die Grundierung muss zum Hautton passen, sonst sieht das komisch aus", erklärt die Fachfrau und geizt anschließend nicht mit dunklen Tönen an den Nasenseiten oder unter den Wangenknochen oder bei den Augenbrauen. "Ohne Konturen würden die Spieler ganz platt ausschauen." Alles, was rausstehen soll wird hell, der Rest dunkler. "Da muss man sich an den Knochen orientieren, sonst harmoniert das nicht mit Mimik."

"Klar fühlt sich das am Anfang komisch an", gesteht der Stadtschreiber, der soeben noch einen Hauch transparenten Puder gegen zu viel Glanz abbekommen hat, "aber man gewöhnt sich dran". "Die meisten genießen es mittlerweile", ist Beate Mardanow überzeugt und setzt ihrem "Kunden" in einem letzten Schritt die Perücke und vielleicht auch noch eine Mütze auf. Überhaupt hat sie festgestellt, dass vor dem Spiegel nicht selten die Männer die eitleren sind: "Da gibt es schon welche, die mich darauf hinweisen, wenn ich irgendwo einen Strich vergessen habe."

Immerhin muss die Wirkung bis in die letzte Reihe reichen. Ein kräftiger roter Lidrand, der aus der Nähe echt krass aussieht, lässt den Darsteller aus der Ferne einfach nur älter oder krank aussehen. Mit der Zahnbürste werden Bärte gefärbt, rote und weiße Punkte neben dem inneren Auenwinkel geben Ausdruck.

"Augen auf, Augen zu, nach oben schauen", lauten die "Regieanweisungen" beim Make-up, und die wilden Hussiten sind da genauso folgsam wie brave Knechte oder Zofen. Auch für Ehemann und Festspielleiter Helmut Mardanow gibt es keine Ausnahme. Seine graue Perücke bekommt noch etwas Haarspray ab, dann ist grobes Rubbeln tabu. "Ich kratze mich notfalls nur ganz vorsichtig mit dem Fingernagel", gesteht der Mime unter dem skeptischen Blick seiner Frau. Ansonsten ist die spezielle Theater-Schminke, die einen ganzen Kühlschrank beansprucht, recht robust. "Die Grundierung ist ziemlich fest, die hält auch Regen aus", weiß die Maskenbildnerin, die froh ist, dass sie die über 100 Mitspieler nicht auch noch abschminken muss. Allein die verwendeten Schwämmchen füllen locker eine Waschmaschine.

Recycelt wird dagegen heuer das Theaterblut, das hauptsächlich durch weißen Verband auf Verletzungen schließen lässt. Die Maskenbildnerin demonstriert, was der Fundus da so bereithält: Vom roten Saft, der dick wie Himbeer-Marmelade aus dem Fläschchen kommt, bis hin zum empfindlichen Blutbeutel, der sich bei Bedarf durch leichtes Quetschen übers Opfer ergießt oder der Kaspel, die im Mund zerbissen wird.

Demokratie beim Schminken

Wenn die Schauspieler vom Drehstuhl aufstehen, sieht so Mancher etwas frischer und jünger aus - oder älter. "Jüngere älter zu schminken ist einfacher als umgekehrt, denn Falten hat im Prinzip jeder", sagt die Fachfrau, die sich wie die anderen Maskenbilderinnen im Team an Fotos der einzelnen Charaktere orientiert. Lippenstift kommt beim "Hussenkrieg" aber gar nicht in Frage, "den gab's im Mittelalter noch nicht, zumindest nicht fürs einfache Volk". Höchstens die Pfalzgräfin darf ein wenig Rot verwenden. Sonst geht es aber demokratisch zu in der Garderobe, auch der Adel muss sich an den Schminkplan halten. Vom Applaus snd die Maskenbildnerinnen auch nicht verwöhnt. "Haben wir schon mal ein Lob gekriegt?", fragt Beate Mardanow in die Runde. "Meistens muss ich da erst den Regisseur fragen", überlegt sie, "und wenn nichts Negatives aufgefallen ist, dann passt es auch."

Festspiel-Finale:

An diesem Wochenende fällt der Vorhang für die 36. Saison des Festspiels "Vom Hussenkrieg". Die letzten Aufführungen finden am Freitag, 3. August, und am Samstag, 4. August, um 20.45 Uhr im Burghof statt. Restkarten gibt es noch an der Abendkasse, die jeweils ab 19.30 Uhr geöffnet ist.

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