28.07.2019 - 15:59 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Im Neunburger Stadtpark offenbaren sich die schönen Seiten des Mittelalters

Ohne die Pest, Hexenverbrennung und verheerende Kriege – das Mittelalter wäre eine herrliche Zeit gewesen. Die schönen Seiten dieser Epoche haben sich erneut im Stadtpark offenbart; mit Gauklern, Spielleuten und Rittern als Weggefährten.

von Philipp Mardanow Kontakt Profil

Im Veranstaltungskalender und in der ostbayerischen Mittelalterszene hat der "Mittelaltermarkt mit Hussitenlager" seit Jahren einen festen Platz. Organisiert wird das Spektakel ehrenamtlich durch den Festspielverein. Zahlreiche Mitglieder helfen zusammen, wenn es darum geht, zum Beginn der Sommerferien ein echtes Spektakel auf die Beine zu stellen. Die Neuauflage am Wochenende war mit einem "Jubiläum" verknüpft: zum 30. Mal fand dieses Fest im Stadtpark statt.

Und es war keineswegs das vielzitierte "finstere Mittelalter" das die Organisatoren und Mitwirkenden ihren Gästen präsentierten. Zwischen den Zelten und Marktständen ging es farbenprächtig, ausgelassen und lebensfroh zu. So verblüffte die Akrobatik-Truppe "Flip Flops" aus Straubing mit Kunststücken voller Kraft, Körperbeherrschung und Koordination. Einblicke in das Leben und Wohnen in den Zelten ermöglichten einige der knapp 30 historischen Gruppen den Besuchern. Ein alter Bekannter im Neunburger Mittelalter ist Gaukler "Sepp Schabernack", der sein großes und kleines Publikum mit Jonglier-Kunst und gewitzten Auftritten begeisterte.

Schwertergeklirr hallte durch die Arena beim Auftritt der Schaukampfgruppe "Schwertbrecher", die Gruppe "Lumpenstiefel" vermittelte, wie "anno dazumal" getanzt wurde und das Falkner-Trio "Penthea" ließ Weißkopfseeadler, Geier und Bussard über dem Stadtpark kreisen. Mitglieder des Festspielvereins demonstrierten bei der Vorführung "Tag des Gerichts", wie im Mittelalter Recht gesprochen wurde. In der Dunkelheit hatten die Neunburger Vereine "Ameno Signum" und "Schwarzachtal-Pass" ein Heimspiel: Die einen mit einer spektakulären Flammen- und Feuershow, die anderen setzen mit Hexen, Teufeln und Krampussen archaische Überlieferungen aus alter Zeit eindrucksvoll in Szene.

Ebenso bunt gestaltet war das "Mittelalter-Kaufhaus": An fast 40 Marktständen war ein umfangreiches Angebot vom fruchtigen Elixier über das handgeschneiderte Lager-Outfit bis hin zum geschmiedeten Ritterhelm zu ergattern. Ein Tummelplatz war das Stadtpark-Areal vor allem für die kleinen Gäste: Sie konnten sich im Armbrustschießen versuchen, durften beim "Turnier der Kinder" verschiedene Spiele bei den lagernden Gruppen absolvieren, oder konnten sich beim Holzschwert-Duell in der Arena wie ein echter Ritter fühlen. Den richtigen Soundtrack für die Zeitreise servierten die Musik-Ensembles „Musica Canora“, die Spielmannstruppe Donnerkeil und die Hofmusik des Festspiels mit energiegeladenen und gefühlvollen Melodien und Gesängen.

Ein großer Aufzug der Lager-Gruppen hatte den offiziellen Startschuss für das bunte Treiben gegeben. Bürgermeister Martin Birner, der zu diesem Anlass Anzug und Krawatte gegen ein Mittelalter-Gewand getauscht hatte, verlas die Marktrechte. Zu "Pfalzgräflichen Hoflieferanten" wurden im Anschluss mehrere Händler ernannt, die seit über 15 Jahren nach Neunburg kommen: "Irenes Töpferei", Korbscheune Enderer, "Der eiskalte Ulrich" und "Michaelas Crêperie".

Für die Neunburger Festspieler läutet der Mittelaltermarkt gleichzeitig den Endspurt der Theatersaison ein: Am 2. und 3. August wird das Stück "Vom Hussenkrieg" zum für heuer letzten Mal gezeigt. Für beide Aufführungen sind noch Karten erhältlich.

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