26.11.2019 - 14:34 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Pionier bei Facharzt-Versorgung

Mutige Entscheidung: Mit der Gründung eines kommunalen Gesundheitszentrums ist Neunburg Vorreiter in Bayern. Bürgermeister Martin Birner sieht es als einzige Chance, den Chirurgen am Ort zu halten. Nun liegt der Ball bei der KVB.

Die Stadt Neunburg will im ehemaligen Krankenhaus ein "Gesundheitszentrum Ostoberpfalz" ansiedeln und betreiben.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

(ptr) Fünf Wochen intensive Vorarbeit liegen hinter dem städtischen Geschäftsleiter Georg Keil und Bürgermeister Martin Birner. Um alle Beschlüsse fristgerecht für die Sitzung des Zulassungsausschusses der KVB in Regensburg unter Dach und Fach zu haben, wurde die Stadtratssitzung auf Montagabend vorverlegt. Nach dem Sachvortrag des Bürgermeisters gab es einen einstimmigen Beschluss für die Gründung samt Eigenbetriebssatzung für das "Gesundheitszentrum Ostoberpfalz". Als kaufmännischer Leiter fungiert Georg Keil, als ärztlicher Leiter steht Internist Dr. Richard Wagner bereit. Zehn Stadträte wurden als Mitglieder des Gesundheitsausschusses bestellt. "Es war mutig, aber wir wollten eine neue Antwort geben", beschreibt Martin Birner diesen Schritt nach der Sitzung.

Nachdem die Kassenärztliche Vereinigung Bayern den Praxis-Sitz des örtlichen Chirurgen Anfang Oktober ausgeschrieben hatte, bestand die Gefahr, dass die einzige Interessentin diesen in eine andere Stadt im Versorgungsbereich Nord-Oberpfalz verlagert. "Wir konnten das nicht ignorieren und untätig bleiben. Denn unser Ziel ist es, die wohnortnahe, medizinische Versorgung der Bevölkerung langfristig zu sichern und nachhaltig zu stärken", bekräftigt Birner. Ein Grundsatzbeschluss im Stadtrat schuf am 24. Oktober die Basis.

Neuland für Stadt und KVB

Seit 2015 haben Kommunen in Deutschland die Möglichkeit, eigene Medizinische Versorgungszentren zu gründen. Neunburg ist bayernweit die erste Gemeinde, die ein Zentrum in der öffentlich-rechtlichen Organisationsform als Eigenbetrieb gründen und betreiben möchte. "Alternative Lösungen zur Rettung des Chirurgensitzes gibt es derzeit nicht", so der Bürgermeister. Medizinische Versorgungszentren (MVZ) sind ärztlich geleitete Einrichtungen mit mindestens zwei unterschiedlichen Fachrichtungen. Die Ärzte sind im Anstellungsverhältnis tätig. "Ein kommunales Medizinisches Versorgungszentrum ist nicht nur für uns Neuland, sondern auch für die Kassenärztliche Vereinigung und für die Rechtsaufsicht", stellt Birner fest. Doch davon habe man sich nicht abschrecken lassen: "Die Zulassung zum Betrieb ist beantragt und für den Chirurgen-Sitz hat die Stadt eine Bewerbung abgegeben." Ein solches Unternehmen erfolgreich zu betreiben, sei nicht nur ein komplexes Unterfangen sondern auch "eine Art Abenteuer".

Die Stadt möchte als öffentlicher Träger den bisherigen Praxis-Standort der Inneren Medizin und Chirurgie fortführen und dort wie bisher Patienten ambulant versorgen. Die Vorteile lägen auf der Hand: Fachübergreifende Behandlung unter einem Dach sowie mehr Zugriff auf angestellte Mediziner, die ohne wirtschaftliches Risiko in Teilzeit arbeiten möchten. "Es ist ein wichtiges Zukunftsmodell, um dem Ärztemangel in der Region zu begegnen", so Birner. Und er stellt klar: "Damit wird der höchste Grad eines kommunalen Engagements im Bereich der Daseinsvorsorge durch die Stadt Neunburg übernommen."

Entscheidung fällt am Mittwoch

Der Zulassungsausschuss der KVB entscheidet am Mittwoch, 27. November, über die Vergabe des Facharztsitzes. "Das Verfahren war sportlich, aber wir haben alle Unterlagen fristgerecht eingereicht", bekräftigt Geschäftsleiter Georg Keil. Und er stellt fest: "Die Finanzierung steht, das Zentrum kann zum 2. Januar 2020 seinen Betrieb aufnehmen, wenn die Stadt den Zuschlag bekommt." Rund 15 Jahre nach Schließung des Neunburger Krankenhauses wäre dies eine neue Ära.

Alternative Lösungen zur Rettung des Chirurgensitzes gibt es derzeit nicht.

Bürgermeister Martin Birner

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