16.01.2020 - 15:19 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

"Plus an Lesestoff" kommt gut an

Das wetterfeste Möbelstück hat sich gelohnt: Seit fast drei Monaten liefert der öffentliche Bücherschrank in Neunburg rund um die Uhr kostenlosen Lesestoff. Sogar Buchhändler sind ihm wohlgesonnen.

Von Herzschmerz bis Hobby: Der Bücherschrank an der Schwarzachtalhalle konserviert Lesestoff zum Weitergeben.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Unauffällig, fast wie ein großer Kühlschrank, steht er da an der Ecke zwischen Supermarkt und Schwarzachtalhalle, der öffentliche Bücherschrank. Johannes Mario Simmel steckt an diesem Januartag drin mit "Liebe ist nur ein Wort", Heinz G. Konsalik mit "Schicksal aus zweiter Hand", aber auch die Nobelpreisträgerin von 2009, Herta Müller. Gleich daneben lagert der Bestseller von Betty Mahmoody "Nicht ohne meine Tochter". Bei den Sachbüchern fallen "Mediation" und "Spaß und Freude mit Zimmerpflanzen" ins Auge. Das kleine Lager hinter den gut abgedichteten Glastüren ist gut gefüllt.

"Wir waren anfangs durchaus skeptisch, aber es läuft tatsächlich sehr gut", sagt Ulrike Meixner mit Blick auf das Bücher-Tausch-Projekt. Die Rathaus-Mitarbeiterin, zuständig fürs Stadtmarketing ist selbst überrascht, wie gut der öffentliche Bücherschrank vor der Neunburger Schwarzachtalhalle angenommen wird.

Mit Spezialglas

Das wetterfeste Möbelstück geht zurück auf eine Anregung aus dem Bürgerhaushalt. 6000 Euro hat die Stadt in den soliden Schrank investiert, dessen Türen automatisch wieder schließen, der gut gegen Feuchtigkeit abgedichtet und außerdem mit Spezialglas versehen ist, das vor dem Ausbleichen schützt. Ein Teil des Sortiments an Büchern zum Start der kostenlosen Tauschbörse stammt aus Altbeständen der örtlichen Bücherei, einen Teil hat die Stadt beigesteuert. "Um die 200 Exemplare passen rein, 150 haben wir reingestellt", berichtet Meixner. Sie schaut regelmäßig nach, was sich in dem Schrank so tut und ist begeistert. "Ich habe vor Weihnachten mal einen Blick hinein geworfen. Es ist echt Wahnsinn, wie viele Bücher da schon getauscht worden sind."

Gerade bei Kinderbüchern sei die Fluktuation enorm - und bei weitem keine Einbahnstraße. Da komme auch wieder Ausgelesenes zurück, durchaus hochwertig, keineswegs veralteter Ramsch für die Papiertonne. Schwerpunkt bei der Lektüre für Erwachsene sind Romane, bei Sachbüchern tue sich eher weniger in Sachen Austausch. "Man kann die Bücher auch einfach wieder zurückgeben", gibt Meixner zu bedenken. Noch hält sich im Schrank das Geben und Nehmen in etwa die Waage. "Es gibt keine Schäden, die Bücher werden sehr pfleglich behandelt", so die erste Bilanz.

Keine Konkurrenz

Die Stadt- und Pfarrbücherei hat auch nichts einzuwenden gegen den neuen Konkurrenten mit den unschlagbaren Öffnungszeiten, im Gegenteil: "Dort ist man froh, wenn die aussortierten Bücher eine sinnvolle Nutzung finden, nicht alles geht beim Bücherflohmarkt weg", erklärt Meixner. Selbst beim Buchhandel stößt das Projekt auf positive Resonanz. "Überhaupt nicht als Konkurrenz" empfindet Doris Reitinger von der Neunburger Buchhandlung "Am Tor" den öffentlichen Bücherschrank. "Ich stelle selbst immer eine Kiste mit angejahrten Büchern vors Geschäft, da ist die Hälfte immer ganz schnell weg", erzählt die Buchhändlerin. "Je mehr die Leute lesen, desto besser, das ist auf jeden Fall ein Plus." Die große Konkurrenz für das Geschäft mit Lesestoff sieht sie viel eher beim Internethandel und in den reduzierten Exemplaren, die es inzwischen in jedem Supermarkt gibt. "Klar, schwer tun wir Buchhändler uns alle, aber wir haben den Vorteil dass wir vor Ort sind und auch beraten können." Ein Grund für sie, "vorsichtig optimistisch" in die Zukunft zu blicken.

Auch was den öffentlichen Bücherschrank vor der Schwarzachtalhalle betrifft, ist die Skepsis inzwischen dem Optimismus gewichen. "Dass dieser Vorschlag aus dem Bürgerhaushalt nun so gut funktioniert, das ist schon das Tüpfelchen auf dem i", zieht Ulrike Meixner vom Stadtmarketing Bilanz.

Öffentliche Bücherschränke:

Öffentliche Bücherschränke

Bei öffentlichen Bücherschränken handelt es sich um einen Aufbewahrungsort im öffentlichen Raum. Dort lagern Bücher, die anonym, kostenlos und ohne jegliche Formalitäten mitgenommen werden können. Im Idealfall wird getauscht, wer alte Bände weitergeben will, kann sie dort deponieren. Bei Wikipedia gibt es ein Verzeichnis der öffentlichen Bücherschränke. Dort sind beispielsweise die Standorte von vier solcher Orte in Regensburg und eines Schranks in Amberg vermerkt, bei weitem aber nicht alle Plätze, wo Bücher kostenlos zur Mitnahme bereit stehen. So fehlt beispielsweise der öffentliche Bücherschrank auf dem Marktplatz in Schwandorf. Auch Neunburg war zum Zeitpunkt unserer Recherchen dort noch nicht erwähnt.

Wer in Ruhe ein Buch auswählen will, kann direkt auf der angebauten Bank neben dem öffentlichen Bücherschrank Platz nehmen.

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