24.09.2019 - 16:09 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Ringelnatz' Vermächtnis in der Alten Seilerei

Einen vielseitigen Blick auf das Werk von Joachim Ringelnatz wirft der Schauspieler und Autor Achim Amme. Das Publikum lernt amüsante, aber auch skurrile Seiten des Schriftstellers kennen.

Der Hamburger Schauspieler Achim Amme (links) lässt gemeinsam mit dem Musiker Ulrich Wendt Leben und Werk von Joachim Ringelnatz in der Alten Seilerei lebendig werden.
von Elfriede WeißProfil

„War einmal ein Bumerang. War ein Weniges zu lang. Bumerang flog ein Stück, aber kam nicht mehr zurück. Publikum noch stundenlang wartete auf Bumerang.“ Ganze Schülergenerationen wurden mit diesen Versen konfrontiert, wenn es um Gedichte des Schriftstellers Joachim Ringelnatz ging. In der Alten Seilerei warf der Hamburger Schauspieler und Autor Achim Amme einen Blick auf den Dichter, der oft unterschätzt wurde, und auf eine Vielzahl seiner Werke. Im Programm „Echt verboten“ ergänzte ihn Musiker Ulrich Wendt, der durch Filmarbeit mit Fatih Akin bekannt wurde.

Ringelnatz, am 7. August 1883 als Hans Gustav Bötticher geboren, bekam bereits im Kindesalter durch seinen Vater Georg die Gelegenheit zu ersten Veröffentlichungen. Diese handelten von Erlebnissen aus seinem kindlichen Umfeld, als er mit dem Kindermädchen zum Friedhof ging und vor dem Kreuz mit dem nackten Mann Angst hatte, oder als er seinem Nachhilfelehrer Nägel ins Sofa gesteckt hatte. „Beneidenswert“ lautete dann auch das Musikstück über kleine Kinder, die alles bekommen, das Amme mit Gitarre und Gesang, und Wendt mit seinem diatonischen Knopfakkordeon präsentierte. Das Gedicht "Der Nasenkönig", in dem sich der Autor über seine "Gurke im Gesicht" lustig machte, trug Amme, der in den 80er Jahren den Ringelnatzpreis erhalten hat, gekonnt vor.

Neben der humorvollen Seite des Schriftstellers gibt es auch die skurrile. Das „geheime Kinderspielbuch“ enthält Anleitungen, wie man Fliegen die Flügel ausreißt und mit Maikäfern, die man in blaue und rote Tinte taucht, Briefe schreibt. Die Lebensgeschichte des Autors klingt abenteuerlich, wie Achim Amme ausführte. Er wollte Seemann werden, musste aber 1903 wegen Sehschwäche den Dienst quittieren. Als Obdachloser landete er im Gefängnis in Antwerpen und hielt sich dann mit 35 Berufen über Wasser. In der Zeit des Ersten Weltkrieges erschien das Gedicht „Die Schnupftabakdose“, die Friedrich der Große geschnitzt habe. Nach dem Tod des Vaters 1918 war Bötticher mit 35 Jahren mittellos. Ende 1919 gab er sich den Namen Joachim Ringelnatz.

Mit einer Fülle an Gedichten wie „Die Ameise“, „Logik“ und „Die Freiübungen“ sowie dazu passenden Liedern verging der kurzweilige Abend im Flug. Das Anliegen von Achim Amme, „an diesem Abend Ringelnatz, den wunderbaren, mit großem Herzen ausgestatteten, frivol-frechen und immer für eine Überraschung guten Menschen in seiner ganzen Breite dem interessierten Publikum nähern zu bringen“, war gelungen.

 

 

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