04.12.2018 - 15:42 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Schmackhaftes satirisches Menü

Unter dem Titel „Gefüllt mit Trüffeln“ nehmen die "Vier Unverdorbenen" ihr Publikum auf eine Reise in die Welt der leiblichen Genüsse und anderer Sinnesfreuden mit. Der "Blaue Montag" setzt einen würdigen Schlusspunkt im Kunstherbst.

Mit viel Humor und vollem Einsatz unterhielt Karl Stumpfi (links) die Gäste beim „Blauen Montag“ des Kunstvereins unter dem Thema „Gefüllt mit Trüffeln“. Jürgen Zach (rechts), der Musik und Texte bearbeitet hatte, und die Musiker Klaus Götze (zweiter von links) und Franz Schöberl (von links) sorgten für gelungene Unterhaltung.
von Elfriede WeißProfil

Rezitator Karl Stumpfi hatte im Gasthof "Zur Goldenen Gans" passende Texte deutscher sowie österreichischer Satiriker und Schriftsteller von Heinrich Heine, Heinrich Böll und Erich Kästner über Abraham A Santa Clara bis Oskar Maria Graf, Karl Kraus und Friedrich Torberg ausgewählt. Das literarisch-musikalische Quartett des Kunstvereins "Unverdorben" mit Stumpfi und seinen musikalischen Mitstreitern Jürgen Zach (Gesang, Bass), Klaus Götze (Gitarre) und Franz Schöberl (Akkordeon) ist als fester Programmpunkt im Kunstherbst nicht mehr wegzudenken, was auch durch die enorm große Zuhörerschaft aufgezeigt wurde.

Mit "Hey Klaus" stellte Jürgen Zach in Anlehnung an "Hey Joe" von Jimi Hendrix die Hauptakteure des Abends vor. Der Vorsitzende des Kunstvereins Unverdorben, Peter Wunder, freute sich über die große Resonanz zu dieser letzten Veranstaltung des Neunburger Kulturfestivals und hoffte "auf Einlagen aus der Küche des Lokals". Während die Musiker das Lied "Ein Mops kam in die Küche" mit einer Portion Lokalkolorit vortrugen, hörte man schon das Klopfen der Schnitzel aus der Gänswirt-Küche.

Auftakt mit"Lebensbeichte"

Die "Lebensbeichte eines Genussmenschen" von Heinrich Heine servierte Karl Stumpfi zum Auftakt des satirischen Menüs. Wie auf Kommando rief der Wirt Peter Standke "Wurstsalat" und verteilte ihn an die Gäste, was Stumpfi zu dem Kommentar veranlasste: "Des basst guat. Und ganz ohne Probe." Das "Studium der Küche" von Abraham A Santa Clara zeigte die Riesenpalette an Suppen, Braten, Sulzen, Pasteten und Torten für "ein einzig Maul" auf und endete mit der Feststellung "O Maul, was kostest du für Geld!"

Um die Lebensmittelverknappung zu Kriegszeiten und die damit verbundenen Probleme und Streitereien ging es bei dem Österreicher Karl Kraus. Dazu kredenzte Jürgen Zach "Spaghetti Carbonara e una Coca Cola". Heinrich Bölls "Monolog eines Kellners" war das Beispiel eines gewissenhaften Oberkellners, der jedem Gast all seine Wünsche erfüllte und gerade deshalb entlassen wurde. In die schummrige Welt des Rotlichtmilieus entführte der Text von Erich Kästner "Ball im Osten".

Für große Erheiterung sorgte Gerhard Polts "Sandkuchen", der seinem Namen alle Ehre machte. Karl Stumpfi trug die lustige Geschichte so authentisch vor, dass man das Würgen, Husten und Prusten des Buben hautnah mitfühlen konnte, als er den trockenen, staubigen Kuchen aß.

Viel Applaus

Mit Knödeln, Wein auf Krankenschein und dem Heurigenort Grinzing ging es nach der Pause weiter. Die Niederungen der Lokalpolitik, von und mit Jürgen Zach, trieben so manches Neunburger Ereignis gnadenlos auf die Spitze, wofür es großen Beifall gab. Als Zugabe wurden Kapitel aus der Anekdotensammlung von Friedrich Torberg, "Tante Jolesch und der Niedergang des Abendlandes" serviert, die mit dem Udo-Jürgens-Cover "Bitte mit Sahne" garniert wurden. Als Rausschmeißer folgte "Heut gibt's a Rehragout".

Hintergrund:

Wenn jetzt der Söder mim Aiwanger, dann müassat ja da Birner mim Schoarf. Aber bei uns is des no anders, da bleibt de Kircha im Dorf.

Dafür wird die neue Neunburger Orgel billiger als wie gedacht, da Söder schickt seine ausrangiertn Ministerfpfeifn, die werdn na scho klinga, ja des waar doch glacht.

Unsere Leerstände san bald Geschichte, da oarwat da Männer Theo dro. Die ganze Stodt wird einfach eizäunt und wird a Museumsdepot.

Da Hartl Peter hot sei Zeug packt und ins Allgäu davo, eitzt hängt da Burgermoaster halt am Keil Schorsch sein Rockzipfel dro.

Endlich hat unser Grundschul wieder a Turnhall, und die Kinder mejn se wieder beweng, wennst da so manche oschaust, daou wird d´Hosn ganz sche eng.

An der Duschner-Kreuzung wird´s bald rund geh, da wird a dreidimensionaler Verkehrskreisel baut. Da wenn´st eifoarst und niad hoch asse willst, host de glei a weng vorhaut. Dann maou se unser Burgermoaster ganz vorsichtig orientiern, sunst is er aaf da falschn Spur und mou fürn Landrat kandidiern. (weu)

 

 

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