Neunburg vorm Wald
30.10.2018 - 18:32 Uhr

Sensoren zeigen, ob die Kuh wohlauf ist

Die Kuh trägt ein Halsband mit Sensoren, die Signale ein Empfängergerät weiterleiten. Der Landwirt sieht am Monitor, wie es der Kuh geht und kann reagieren.

Sie sprachen beim „Milchviehtag Oberpfalz“ in Neunburg v.W. (von links): Wolfgang Scholz, Martin Birner, Karl Holmeier, Hans-Joachim Fuchtel, Arnold Kimmerl, Georg Mayer, Georg Hammerl, Johanna Pfeiffer und Georg Dietl. Bild: Hirsch
Sie sprachen beim „Milchviehtag Oberpfalz“ in Neunburg v.W. (von links): Wolfgang Scholz, Martin Birner, Karl Holmeier, Hans-Joachim Fuchtel, Arnold Kimmerl, Georg Mayer, Georg Hammerl, Johanna Pfeiffer und Georg Dietl.

Den Milchviehstall 4.0 stellte Johanna Pfeiffer beim Oberpfälzer Milchviehtag vor, der am Dienstag zum sechsten Mal in der Schwarzachtalhalle in Neunburg v.W. stattfand. Die Agrarwissenschaftlerin gehört zur Arbeitsgruppe "Digitalisierung" an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft in Freising. Sie machte den 300 Milchviehbauern aus der gesamten Oberpfalz klar: "Digitale Technologien sind in vielen Betrieben bereits verbreitet". Johanna Pfeiffer erläuterte den Rinderhaltern den Nutzen von "Smart Farming".

Einer, der das Verfahren in der Praxis bereits erprobt, ist Georg Hammerl. Der Leiter des Lehr-, Versuchs- und Fachzentrums Achselschwang testet die Fitness der Kühe mit Hilfe eines Senorenbandes. Mit den Ergebnissen kann er Aussagen treffen über den Gesundheitszustand des Tieres. Bewegt es sich schmerzfrei, funktionieren die Kauvorgänge, fühlt sich die Kuh wohl. "Davon hängt letztlich die Leistungsfähigkeit der Milchkuh ab", gibt Georg Hammerl zu verstehen. Leistung und Tierwohl seien kein Widerspruch, "sondern bedingen sich". Die Kunst des Rinderhalters bestehe darin, die Diagnose richtig zu stellen und die geeignete Therapie einzuleiten. Die Erfahrung des Landwirts bleibe bei aller Automation gefragt. Das digitale Halsband könne aber eine wesentliche Hilfe sein.

"Die Landwirtschaft hat Zukunft", betonte der parlamentarische Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, Hans-Joachim Fuchtel (CDU). Aufgabe der Politik und der Verbände sei es, dem Verbraucher die Leistung der Landwirte bewusst zu machen. Der CDU-Politiker ermunterte die Bauern, den Weg des Fortschritts mitzugehen und der Digitalisierung nicht auszuweichen. Der Verbraucher sei anspruchsvoller und kritischer geworden, so Fuchtel. Auch bei der Tierhaltung. Deshalb werde die Bundesregierung ein staatliches Tierwohllabel schaffen, "das dem Verbraucher Orientierung gibt". Der Kunde entscheide, "was ihm Tierwohl wert ist", so der Staatssekretär. Fleisch und Wurst aus Tierhaltung mit hoher Lebensqualität der Tiere koste auch mehr.

Den Konsens der Tierhalter mit der Gesellschaft sieht Wolfgang Scholz kritisch. Für den Vorsitzenden des Verbandes der Milcherzeuger Bayern e.V. nehme der Einfluss der NGO's, der Nichtregierungsorganisationen, zu. Davon ließen sich die Molkereien beeinflussen und setzten Forderungen "auf dem Rücken der Milcherzeuger mit einer bisher nie dagewesenen Dynamik" um. Wolfgang Scholz schlug für die Milchbranche eine gemeinsame Kommunikationsplattform und eine Bündelung der Kräfte beim gesellschaftlichen Dialog vor. "Der Verband der Milcherzeuger stellt sich gegen eine schleichende Standardisierung auf Kosten der Wertschöpfung", so Wolfgang Scholz. Markus Hefele ist Milcherzeuger aus dem Allgäu und ein Praktiker. Er stellte den Zuhörern sein Fütterungssystem vor und sagte: "Vier Stunden pro Woche reichen, um meine 70 Kühe zu füttern".

Veranstalter des Milchviehtages waren das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Cham, das sich bei der Organisation fünf Milcherzeugergemeinschaften und drei Molkereigenossenschaften mit ins Boot holte. Behördenleiter Georg Mayer und der Leiter des Fachzentrums "Rinderhaltung" in Cham, Georg Dietl, moderierten die Veranstaltung. Grußworte sprachen stellvertretender Landrat Arnold Kimmerl, Bürgermeister Martin Birner und MdB Karl Holmeier.

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