Seit 29. September dieses Jahres wirkt Schwester Gabriele Liegl als Oberin im Neunburger Konvent der Schulschwestern. Sie gehört dem Orden seit 1984 an, stammt aus dem oberbayerischen Mühldorf am Inn und ist in Kindertagen schon bei den Schulschwestern in die Volksschule gegangen. Zuletzt war sie in Freising als Leiterin des Kindergartens Sankt Klara eingesetzt.
Nachdem im Mai 2017 Oberin Gabriele Blab plötzlich und unerwartet im Alter von 70 Jahren gestorben war, gab es eine Übergangslösung. Auf Schwester Gabriele, die dem Konvent fünf Jahre vorstand, kam zunächst Schwester Herifridis, der nun Schwester Gabriele Liegl nachgefolgt ist. Die 53-Jährige leitet jetzt ein Haus, in dem acht Schwestern leben. "Von einer abgesehen sind alle älter als ich", sagt sie und schmunzelt. Weniger amüsant ist allerdings die Tatsache, dass die Zahl der Schwestern zurückgeht. Noch vor einigen Jahren waren es über ein Dutzend. Die Zahl der Klöster schwindet ebenfalls – auch in der Region. In Schwandorf (1999) und Schwarzenfeld (2006) wurden die Häuser in den zurück liegenden zwei Jahrzehnten geschlossen.
Als Gründungshaus des Ordens hat die Niederlassung in Neunburg vorm Wald für die Armen Schulschwestern von Unserer Lieben Frau eine besondere Bedeutung. Hier begann Karolina Gerhardinger 1833 mit zwei Gefährtinnen ein klösterliches Leben, das auf Erziehung und Bildung ausgerichtet war. Gleich nebenan, im Theresia-Gerhardinger-Haus mit Kinderkrippe, Kindergarten und Schülerhort lebt die Vision der seligen Maria Theresia von Jesu Gerhardinger weiter: Kinder und Jugendliche erfahren von den Schwestern und ihren Mitarbeiterinnen christliche Erziehung, Bildung, Förderung und Unterstützung in ihrer Persönlichkeitsentwicklung. „Im Kinderhaus arbeite ich 20 Stunden pro Woche mit, in einer der fünf Gruppen des Kindergartens“, sagt die neue Oberin, die eine abgeschlossene Ausbildung als Erzieherin vorweisen kann. Insgesamt sind 200 Kinder in Krippe, Kindergarten und Hort untergebracht.
„Die Oberpfalz ist mir nicht fremd, meine Mutter stammt aus Schwarzhofen, mein Vater aus der Gegend von Waldmünchen“, erzählt die freundliche und offene 53-Jährige, die vor zwei Jahrzehnten die Ewige Profess abgelegt hat, sich dabei dauernd für ein Leben als Schulschwester entschieden hat. Trotzdem sei der Wechsel vom oberbayerischen Freising ins oberpfälzische Neunburg vorm Wald „eine Umstellung“ gewesen. „Weggehen kostet schon viel Kraft“, versichert sie, aber jetzt will sie sich auf das Neue einlassen.
Die Stadt und das Kloster kannte Schwester Gabriele von früheren Aufenthalten, „weil meine verstorbene Mutter hier im Altenheim lebte“. So konnte die Schwester aus dem fernen Freising im Kloster wohnen, solange sie ihre Mutter besuchte.
Jetzt lebt Gabriele Liegl selbst in Neunburg vorm Wald. „Ich finde die Umgebung hier landschaftlich sehr schön“, schwärmt sie, „und ich habe hier auch einige Verwandte“.
Ihre Aufgabe in Neunburg sieht sie als Dienst an den anderen Schwestern, für die sie Ansprechpartnerin sein will. Wichtig sei, das geistliche Leben zu pflegen „und dass die Bevölkerung das Kloster als geistliche Gemeinschaft wahrnimmt“.
Dass sie nun Oberin im Stammhaus der Armen Schulschwestern ist, geht an Schwester Gabriele nicht vorbei. „Das ist schon etwas besonderes, weil unsere Ordensoberin hier zehn Jahre gelebt hat“, betont sie. Karolina Gerhardinger (geboren 1797 in Regensburg, gestorben 1879 in München), Ordensname Maria Theresia von Jesus, war am am 24. Oktober 1833 mit zwei Gefährtinnen nach Neunburg vorm Wald gezogen, um dort ein gemeinsames klösterliches Leben zu führen. Es gibt im Kloster im zweiten Stock noch die Zelle, in der Mutter Theresa, wie sie im Orden genannt wird, gewohnt hat. „Wenn ich hinauf in die Theresien-Zelle gehe, das berührt mich.“ Ein weiterer Ort im Klostergebäude, der stark mit der Gründerin verknüpft ist, ist ein ausdrucksstarkes Kreuz im Eingangsbereich. Es blieb nach dem Umzug der Gründerin nach München in Neunburg vorm Wald als Ort des stillen Gebets und der inneren Einkehr.


















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