Wandern, Radtouren oder Urlaub auf dem Bauernhof: Der Oberpfälzer Wald hat viel zu bieten. "Bei uns ist es ruhig, und die Natur ist direkt vor der Haustür", schwärmt Matthias Hauer. Der 41-Jährige aus Oberviechtach ist bereits seit 22 Jahren in der Tourismusbranche aktiv. Seit vergangenem Jahr betreibt er mit zwei Freunden ein kleines Feriendorf mit elf Tiny-Chalets am Eixendorfer See in Neunburg vorm Wald (Landkreis Schwandorf). Einfach mal abschalten und die Seele baumeln lassen, das gehe zwischen Wäldern und Seen besonders gut. Gäste aus ganz Deutschland ziehe es deshalb in die Oberpfalz. Das spiegelt sich auch in den Zahlen wider.
Mit mehr als 100 000 gewerblichen Übernachtungen ist Neunburg vorm Wald der übernachtungsstärkste Tourismusort im Oberpfälzer Wald. Aber auch die anderen Orte müssen sich nicht verstecken. Die Tourismusgemeinschaft Oberpfälzer Wald verzeichnete 2023 für die Landkreise Tirschenreuth, Neustadt/WN, Schwandorf sowie die Stadt Weiden insgesamt 1 169 620 Übernachtungen – 9,9 Prozent mehr als 2022, 4 Prozent mehr als 2019.
Gäste aus Südamerika und Asien
80 Prozent der Besucher im "Feriendorf Seeblick" sind laut Hauer aus Deutschland. Aber auch Gäste aus den Niederlanden, Brasilien und den Vereinigten Arabischen Emiraten machen Urlaub am Eixendorfer See. Häufig dient der Oberpfälzer Wald als "Durchlaufstation". Gäste bleiben zwei, drei Tage und fahren dann weiter in den Süden, sagt der 41-Jährige.
Ähnliche Beobachtungen macht auch Familie Schafbauer. Auf ihrem Simmernhof in Thanstein (Landkreis Schwandorf) machen häufig Gäste aus Hessen oder "den neuen Bundesländern" Urlaub auf dem Bauernhof. 89 Prozent der Gäste sind Familien in allen Konstellationen: Eltern und ihre Kinder, Großeltern und ihre Enkel, oder gleich ein ganzer Generationenurlaub, sagt Sabrina Schafbauer.
132,3 Millionen Euro Wertschöpfung
Die Touristen lassen auch einiges an Geld in der Region. Aus der Studie "Wirtschaftsfaktor Tourismus im Oberpfälzer Wald" des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Institut für Fremdenverkehr (DWIF) von 2019 geht hervor, dass der Tourismus 113,10 Euro pro Tag und Person für die Region einbringt. Im Jahr 2023 liegt die Wertschöpfung für die Region laut Zahlen der Tourismusgemeinschaft Oberpfälzer Wald bei 132,2 Millionen Euro.
Mit der Saison 2023 sind Hauer und Schafbauer sehr zufrieden. Dennoch gibt es Themen, die sie aktuell beschäftigen. "Wir investieren und renovieren ständig in unserem Betrieb, damit wir den steigenden Ansprüchen der Gäste gerecht werden können", sagt Schafbauer. Seit 1996 vermietet die Familie Ferienwohnungen. Mittlerweile würden sich die Gäste aber nicht mehr nur mit schönen Zimmern und Tieren vor der Tür zufriedengeben. Seit 2014 bietet die Familie deshalb Alpakawanderungen an. Zudem gibt es einen E-Bike-Verleih und viele Spielsachen für Kinder.
Höhere Ansprüche der Gäste
Matthias Hauer führt hauptberuflich eine Tourismus-Agentur und unterstützt Betriebe in der Region bei der Vermietung und Vermarktung von Ferienhäusern. Dabei bemerkt der 41-Jährige ebenfalls die gestiegenen Ansprüche der Gäste. Dies sei jedoch kein Vorwurf. "Urlaub ist die Woche im Jahr, wo alles bisschen besonders sein soll", sagt Hauer. Die Branche müsse sich immer an die Gäste anpassen. Auch das Angebot "drumherum" müsse stimmen. Er plant deshalb für sein Feriendorf Wellnessangebote wie Sauna oder Hot Tubs – Badezuber mit heißem Wasser.
Auch das Buchungsverhalten habe sich geändert. Gäste wollen immer mehr Flexibilität, sagt Hauer. Buchungen werden immer kurzfristiger getätigt. Der Trend gehe hin zum Kurzurlaub. "Lieber öfter wenige Tage, statt drei Wochen Urlaub", beobachtet Hauer. Unterkünfte versuchen deshalb, Gäste mit Rabatten bei längeren Aufenthalten zu locken. Kunden erwarten zudem häufig, dass sie ihre Buchung auch noch wenige Tage vor dem Aufenthalt kostenlos stornieren können, sagt Hauer. Eine langfristige Planung sei für viele immer schwieriger.
Ein weiteres Thema sind laut Schafbauer die gestiegenen Unterhaltskosten, beispielsweise für Lebensmittel, Treibstoff, Versicherungen. "Wir sind zwar bis jetzt sehr zufrieden mit unseren Belegtagen, haben aber die Befürchtung, dass die Gäste künftig immer mehr auf ihr Geld achten müssen und daraufhin vielleicht auf ihren Urlaub verzichten werden", befürchtet die 40-Jährige. Etwas optimistischer zeigt sich Hauer: "Urlaub wird immer gemacht" – auch deshalb habe er mit seinen Freunden während der Coronapandemie den Bau eines neuen Feriendorfes gewagt. Seit der Pandemie habe sich aus seiner Sicht die Zielgruppe sogar vergrößert. Selbstversorger- und Aktivurlaub lägen im Trend. Hauer zeigt sich deshalb sicher, dass der Oberpfälzer Wald auch weiter ein attraktives Urlaubsziel sein wird. "Bei uns gibt es schöne Landschaft, man ist aber auch schnell in der Stadt oder in Tschechien", bestätigt auch Schafbauer.
- Insgesamt: 1 169 620 Übernachtungen; Verweildauer im Schnitt 2,8 Tage
- Landkreis Tirschenreuth: 393 821; Verweildauer im Schnitt 3,3 Tage
- Landkreis Neustadt/WN: 262 325: Verweildauer im Schnitt 2,5 Tage
- Landkreis Schwandorf: 437 466; Verweildauer im Schnitt 2,9 Tage
- Stadt Weiden: 76 008; Verweildauer im Schnitt 1,9 Tage

























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