23.01.2020 - 16:15 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Wahl-Kämpfe und Wahl-Krämpfe

Das Publikum schmunzelt über "weggelobte" Bürgermeister und Partei-Vorsitzende auf hintersten Listenplätzen. Die „Vier Unverdorbenen“ lassen beim Blauen Montag 30 Jahre Wahlkampfgeschichten in Neunburg humorvoll Revue passieren.

Mit viel Humor und vollem Einsatz unterhielt Karl Stumpfi (Vordergrund) die Gäste beim „Blauen Montag“ des Kunstvereins „Unverdorben“ unter dem Thema „Gesegnete Wahlzeit“. Die Musiker Jürgen Zach (Mitte), der Musik und Liedtexte bearbeitet hatte, und Klaus Götze und Franz Schöberl (rechts) sorgten für gelungene Unterhaltung.
von Udo WeißProfil

„50 mal werden wir noch wach, dann haben wir die Bescherung.“ Damit spielten die „Vier Unverdorbenen“ auf den 15. März an, wenn es dann „runderneuerte Kommunal-Mandatsträger“ wie Landräte, Bürgermeister und „Konsorten“ gibt, und wünschten „Gesegnete Wahlzeit!“ Der „Blaue Montag“ in der „Alten Seilerei“, vom Kunstverein Unverdorben organisiert, befasste sich mit dem Thema „Wahlkampf“ und blendete in Liedern, Kommentaren, Glossen und Lokalspitzen auf Wahlkampfzeiten der Jahre 1980 bis 2010 zurück.

Mit der auf die CSU umgeschriebenen Version des Liedes „Du schwarzer Zigeuner“ eröffnete Jürgen Zach musikalisch den Abend im vollbesetzten und sang: „Ihr schwarzen Zigeuner, kommt spielt uns nichts vor, lasst auch mal die anderen ran, und gebt's a Ruh“. Dies veranlasste Karl Stumpfi, Rezitator, ehemaliger Redakteur und Reporter, zu der Aussage: „Wer daraus den Schluss zieht, die Auswahl dieses Titels sei in irgendeiner Weise durch die politische Farbenlehre motiviert, der hat unsere Absicht nicht fehlinterpretiert."

„Die schwarze Lichtmess“ titelte auch ein Kommentar vom Februar 2010, der die Geburtsstunde der „Bürgermeister-Birner-Ära“ dokumentierte, obwohl die Freien Wähler damals Stadtrat Scharf als Bewerber, und die SPD Stadtrat Wartha ins Rennen geschickt hatte. Und bei der CSU schien alles auf die Zweite Bürgermeisterin Johanna Gückel zuzulaufen, doch es sollte anders kommen.

Unter der Überschrift „Die Letzten werden die Ersten sein“ spielte Karl Stumpfi auf die Platzverteilung in den Stadtratslisten an, die 1966 Stoff für eine Lokalglosse lieferte. Der damalige Fall, als der CSU-Ortsvorsitzende den letzten Listenplatz besetzte, wiederholt sich bei den Neunburger Christsozialen in diesem Wahljahr. Mit der Überschrift „Kein Königsmord – Drama in den CSU-Kammerspielen“ wurde 1989 die Auseinandersetzung thematisiert, ob das damalige Stadtoberhaupt Josef Manlik für eine vierte Amtsperiode nominiert oder in den wohlverdienten Ruhestand „weggelobt“ wird.

Vor der Pause lieferte Jürgen Zach mit seinen Neunburger G'stanzln eine messerscharfe Analyse der aktuellen Kommunalpolitik. Den zweiten Teil des Abends eröffnete die Band mit Jürgen Zach (Gesang/Bass), Klaus Götze (Gitarre) und Franz Schöberl (Akkordeon/Waldhorn) mit dem bekannten Lied „Paula“ von Haindling; allerdings umgeschrieben auf „Margot“ und damit auf SPD-Stadträtin Margot Weber gemünzt. Die erste Folge einer Porträt-Reihe 1993 lautete „Eiserne Lady trotzt den drei Musketieren“. Neben Theo Männer, Wolfgang Bayerl und Wolfgang Bauer wurde erstmals in der Stadtgeschichte mit Margot Weber eine Frau als Bürgermeisterkandidatin aufgestellt.

In acht Textblöcken machte Karl Stumpfi einen politischen Streifzug durch 30 Jahre Wahlkampf, den die Band mit Cover-Songs in Bearbeitung von Jürgen Zach akzentuierte: „Theo, wir fahrn nach Fuhrn“, „Bayern, des samma mia“ und „Diplomatenjagd“ waren nur einige. Peter Wunder bedankte sich bei den „Vier Unverdorbenen“. Wer das erheiternde Programm verpasst hat, hat am Donnerstag, 6. Februar, um 19 Uhr in der „Alten Seilerei“ nochmals Gelegenheit dazu.

Einige Schnodahüpfl von Jürgen Zach:

"Unser Stodt kannt so schei sa, wenn die „Fleischmo-Mich-Gedächtnis-Ruine niad waar. Irgendwann mouß doch mit dem Kräich vorbei sa, ist des so schwar."

"Da Männer Theo ist ziemlich fertig daoughockt. Er is eitz a ganz oarmer Mo, erm hams vom Dochbodn im Museum sei ganz Spielzeug davo."

"Die ostbayrische Adria, unser Open-Air-Wellness-Spa, da Eixendorfer See, ist im Sommer, weil er grej is, goar nimmer schei. Deswegen wüll der Drexler Walter, der zum Stausee-Papst avanciert, in da Schweinebucht jetzt an Turm baun, von dem er alles kontrolliert."

"Jedn Tag schau i in d'Zeitung, unser Landrat ist das immer präsent, er ko halt leider nix oawn, wegen seine zsammagwachsner Händ."

"Na san ma a Mal gspannt, ob des mit de Wahlversprechn niad alles wieder verpufft, daou werad unser Stadt sunst zum Ballonfahrerzentrum vor lauter hoaßer Luft." (weu)

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