Schützenswerte Gebiete für einen europäischen Biotopverbund wurden schon vor vielen Jahren nach Brüssel gemeldet. Bereits im Jahre 2009 begannen auch die Planungen für das FFH-Gebiet "Talsystem von Schwarzach, Auerbach und Ascha". Ein mittlerweile vorliegender Managementplan (siehe Info-Kasten) beschreibt die erforderlichen Maßnahmen, um das Gebiet zu pflegen und zu erhalten.
Eine wesentliche Voraussetzung zur Erreichung dieses Ziels ist nach Aussage der damit befassten Höheren Naturschutzbehörde bei der Regierung der Oberpfalz die Beteiligung der Grundstückseigentümer und -pächter, der Kommunen und örtlicher Verbände. Diesem Zweck diente am Freitagnachmittag ein "runder Tisch" zusammen mit Fachbehörden, an dem sich 60 Interessierte beteiligten. "Sehr viele Bürger haben sich die Pläne bereits im Rathaus angeschaut", freute sich Margit Reichl. Die Zweite Bürgermeisterin wertete dies als Beweis dafür, "dass die Bürger beim Thema mit dabei sind".
Handlungsanleitung
"Der Managementplan ist für die Behörden eine verpflichtende Handlungsanleitung und für Private eine Empfehlung", informierte Christine Rapp von der Höheren Naturschutzbehörde bei der Regierung der Oberpfalz. Bestandsaufnahmen und Bewertungen seien abgeschlossen, jetzt gehe es in die Umsetzung. Rapp machte darauf aufmerksam, dass es dazu auch Förderprogramme gibt. Gudrun Mühlhofer vom Büro "Ifanos" informierte über die "flächenscharfe" Bestandsaufnahme und Bewertung des 784 Hektar umfassenden Areals im Bereich von Schwarzach, Auerbach und Ascha.
Darunter seien allerdings nur 285 Hektar mit sogenannten Lebensraumtypen. Mit 142 Hektar haben die Fließgewässer dabei den größten Anteil vor den mageren Flachland-Mähwiesen mit 123 Hektar. 2,9 Hektar nehmen die feuchten Holzstaudenfluren und gerademal 0,03 Hektar die Borstgrasrasen ein. Ihnen wird ein überwiegend guter bis hervorragender Erhaltungszustand attestiert. Die empfohlenen Erhaltungs- bzw. Verbesserungsmaßnahmen reichen von der Verminderung des Nährstoffeintrags über die Anlegung von Pufferstreifen bis hin zum Mahd-Turnus und zum Düngerverzicht.
Sehr gut an Auerbach und Ascha vertreten ist laut Mühlhofer die grüne Keiljungfer (Libelle). Etwas problematisch ist es mit dem dunklen Wiesenkopf-Ameisenbläuling (Schmetterling), der auf den Wiesenkopf und die Knotenameisen angewiesen ist. Ein "sehr guter Erhaltungszustand" wird dem Biber attestiert. Helga Verron vom Amt für Landwirtschaft Amberg warf einen kurzen Blick auf die 13 Hektar Auenwälder mit Schwarzerle und Esche. Hier sei der Zustand eher mittel bis schlecht; der Wald sollte aber einfach so belassen werden.
Für das Bachneunauge und den räuberischen Rapfen (Karpfenart) empfahl Christian Harrandt von der Fachberatung für Fischerei, die Wehre durchgängiger zu machen sowie den Nähstoffeintrag in die Flüsse zu minimieren. Mit verblüffenden Informationen zur Bachmuschel wartete Ortwin Ansteeg auf. Demnach sind die Bachmuscheln in der Ascha und im Auerbach vollkommen verschwunden. Die größte Population gibt es in der Schwarzach im Bereich zwischen Altendorf und Pretzabruck mit etwa 400 Stück pro Flusskilometer, während es zwischen Kröblitz und Altendorf nur 100 sind.
Befürchtungen
In der Diskussionsrunde wurden immer wieder Befürchtungen der Landwirte über Einschränkungen bei der Bewirtschaftung und über keine oder geringe Entschädigungen laut. Zudem wurde angezweifelt, ob die bis ins Jahr 2009 zurückgehenden Bestandaufnahmen überhaupt noch als Grundlage für den jetzigen Managementplan verwendet werden könnten. Für Georg Mayer, den Chef des Amtes für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten Schwandorf, ist es keine Frage, dass Einschränkungen in der Bewirtschaftung freiwillig sein und angemessen entschädigt werden müssen. Er gab zu bedenken, dass auch die Klimaveränderungen Auswirkungen auf Lebensraumtypen und Artenvielfalt hätten, was entsprechend zu bewerten sei.
Der Managementplan ist für die Behörden eine verpflichtende Handlungsanleitung und für Private eine Empfehlung.
Natura 200 ist die Bezeichnung für ein europäisches Biotop-Verbundnetz, das die Europäische Union im gesamten Gebiet der Mitgliedsstaaten errichten will. Die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) bildet zusammen mit der Vogelschutz-Richtlinie die Grundlage für das ökologische Netz Natura 2000. Das Projekt ist ein wesentlicher Beitrag zur Umsetzung des "Übereinkommens über die Biologische Vielfalt", das 1992 anlässlich der Umweltkonferenz der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro unterzeichnet wurde.
Ziel ist es, "einen günstigen Erhaltungszustand" der in den Anhängen beider Richtlinien genannten Tier- und Pflanzenarten sowie Lebensraumtypen zu bewahren oder wieder herzustellen. In Bayern existieren insgesamt 745 Natura 2000-Gebiete mit einer Fläche von über 8 000 Quadratkilometer. Das entspricht einer Landesfläche von 11,36 Prozent. Unter der Gebietsnummer DE6639371 ist darin auch das "Talsystem von Schwarzach, Auerbach und Ascha" mit einer Größe von 783 Hektar enthalten. Wesentlicher Kern der Schutzverpflichtung ist das sogenannte "Verschlechterungsgebot". Danach muss sichergestellt sein, dass sich die ökologischen Grundlagen der zu schützenden Tier- und Pflanzenarten nicht verschlechtern. Dazu gibt es einen entsprechenden Managementplan.
Der Entwurf liegt im Rathaus in Neunburg zur Einsichtnahme auf. Weitere Informationen zu Natura 2000 gibt es auf der Homepage des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt- und Verbraucherschutz unter www.natura2000.bayern.de (kö)















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