18.10.2019 - 15:47 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Wunderwaffe Golf

Frische Luft, gute Gesellschaft – die Freizeit auf dem Golfplatz zu verbringen hat schon etwas für sich. Dafür braucht es nicht die Schottischen Highlands, wenn man den Golfclub Oberpfälzer Wald in Ödengrub kennt.

von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

Der Platz ist komplett aus echtem Gras und in die natürliche Umgebung eingebettet. Seit über 40 Jahren erstreckt er sich auf etwa 70 Hektar Fläche und liegt nur einen Steinwurf entfernt von Kemnath bei Fuhrn. Golfen galt lange Zeit als elitärer Sport, der den Bessersituierten vorbehalten war. Das habe sich mittlerweile geändert, sagt Golflehrer Florian Bänsch vom Golfclub Oberpfälzer Wald. "Wir gehen immer mehr in die Breite. Eine Mitgliedschaft ist nicht mehr weit weg von einem gehobenen Fitness-Studio", so Bänsch. Zusammen mit dem Orthopäden Matthias Hofmann und der Physiotherapeutin Pia Wagner geht er sogar noch einen Schritt weiter: Golf ist heilsam.

Professionelles, gesundheitsorientiertes Golf Coaching - kurz: Promed Golf. "Das gibt es in Deutschland bisher nur zwei oder drei Mal", erzählt Bänsch, der aus Regensburg stammt. Er, Hofmann und Wagner haben sich vor etwa drei Jahren - wie sollte es auch anders sein - beim Golfen kennengelernt. Schnell entstand die Idee, ein ganzheitliches Konzept für Patienten mit verschiedenen Problemen zu entwickeln. Gemeinsam absolvierten die drei die Ausbildung zum Promed Coach. Hat eine Person zum Beispiel Hüft- oder Schulterprobleme, untersucht Dr. Hofmann zunächst, was die Ursache ist. Diese Erkenntnis leitet er weiter an Florian Bänsch, der beim Golftraining der Person besonders darauf achtet, dass die Problem-Regionen auf richtige Weise trainiert werden. Zusätzlich erhält die Person Physiotherapie bei Pia Wagner. Nicht nur bei körperlichen Gebrechen kann Golf helfen. "Derzeit behandeln wir zwei Schlaganfall-Patienten. Golfen trainiert die Koordination", versichert Bänsch.

Gesunde Art der Bewegung

Natürlich sei nicht jede Bewegung beim Golfen für jeden körperlichen Schmerz das Richtige. "Doch an sich ist es eine sehr gesunde Art der Bewegung, im Vergleich zu anderen Sportarten", erklärt Hofmann. Geht man die Runde zu Fuß, ist man schon etwa vier Stunden unterwegs. "Dabei verbrennt man im Schnitt 4000 Kalorien nur beim Gehen", rechnet Bänsch vor. "Perfekt, um den Winterspeck abzutrainieren", ergänzt Hofmann und lacht. Die Bewegung an der frischen Luft senkt laut Deutschem Golf-Verband die Möglichkeit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung oder eines Schlaganfalls um 20 bis 35 Prozent. Das Brustkrebs-Risiko vermindert sich um 20 und das Darmkrebs-Risiko um 30 Prozent. Ebenso senkt das Golfen um 20 bis 30 Prozent die Gefahr einer Depression oder Demenz. Hüftfrakturen werden sogar um 26 bis 68 Prozent reduziert und Diabetes um 30 bis 40 Prozent. Eine echte Wunderwaffe also.

Kasse zahlt nicht

Und Spaß soll es noch dazu machen. Die Promed-Coaches sind überzeugte Golfer. "Egal welches Niveau man hat, man kann mit jedem zusammen spielen. Oder einfach gegen sich selbst. Das ist die größte Herausforderung", erklärt Hofmann, der durch seine Kinder erst vor wenigen Jahren zum Golfsport fand. "Und ein guter Partnersport ist es auch. Es ist wie Tanzen", ergänzt der 62-Jährige. Außerdem sei es ein Sport für jede Altersgruppe. "Meine jüngste Schülerin ist viereinhalb, und sie macht das richtig gut. Die Älteste ist 92. Sie hat vor zehn Jahren mit dem Golfen angefangen", sagt der Golflehrer Bänsch. Zu spät sei es also nie, um mit dem Sport anzufangen.

Dass das therapeutische Golfen von der Krankenkasse bezuschusst würde, stehe nicht zur Debatte. "Im Moment gibt es keine Chance auf Zahlung", so Hofmann. Er plädiert dafür, von dieser Mentalität wegzukommen. Schließlich mache man eine Golf-Therapie für sich und seine Gesundheit. "Wer es einmal probiert hat, kann schwer damit aufhören", sind sich die Promed-Coaches einig.

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