29.07.2018 - 15:16 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Zeitreisende trotzen der Hitze

Der Trip ins Mittelalter ist eine schweißtreibende Angelegenheit: So mancher Ritter hätte seine Rüstung gerne gegen ein luftiges Leinenhemd getauscht. Doch die Zeitreisenden lassen sich von Temperaturen jenseits der 30 Grad nicht aufhalten.

von Philipp Mardanow Kontakt Profil

(mp) Fast wie anno dazumal auf einem Kreuzzug ins Heilige Land dürften sich Mitwirkende und Besucher am Wochenende beim Mittelaltermarkt mit Hussitenlager gefühlt haben. Bereits der Aufzug der 30 Lagergruppen, der den Startschuss für das älteste Mittelalterfest (seit 1990) im Landkreis gab, war von Hitze begleitet. „Heiß“ auf zwei Tage in einer anderen Welt, waren aber auch Ritter, Gaukler, Spielleute und Co., die mit lautem Jubel die Verlesung des Marktprivilegs durch „Martinus Birner, gekürter Bürgermeister der Stadt Niuwenpurch“ begleiteten.

Zusammen mit dem Festspiel-Schirmherrn, Raiffeisenbank-Vorstand Thomas Stalla, hatten Birner, Lagerorganisator Franz Binder und Festspielvereinsvorsitzender Helmut Mardanow, bereits vorher einen Rundgang durch Lager und Markt unternommen. Ihnen – und auch sämtlichen Besuchern – bot sich eine farbenprächtige und sinnenfrohe Kulisse: Rund 40 Händler und Kaufleute machten den Stadtpark zum „Mittelalter-Kaufhaus“, das mit einer breiten Warenpalette aufwarten konnte – von den verschiedensten Gaumenfreunden über edle Tuche und Schmuck bis hin zu Schwert und Schild.

Der Rundgang durchs Lager ließ die Gäste tief in die Vergangenheit eintauchen: Die verschiedenen historischen Gruppen und Vereine vermittelten den Besuchern einen kleinen Einblick ins Leben zur Zeit der „alten Rittersleut‘“. Wie damals mit Greifvögeln gejagt wurde, demonstrierte die Falknergruppe „Penthea“ aus Prag, die unter anderem einen Weißkopfseeadler über dem Stadtpark kreisen ließ. Ausgerüstet mit einem dicken Lederhandschuh durften auch große und kleine Zuschauer den edlen Vögeln „Starthilfe“ geben.

Eine kurzzeitige Abkühlung erwartete jene Teilnehmer des Fischerstechens, die per Lanzenstoß des Gegners in die Fluten des Stadtparksees befördert wurden. Geschick im Umgang mit Lanze und Schwert hatten auch die Ritter des Festspielvereins zu beweisen, als sie bei den Reiterspielen ihr Können hoch zu Ross unter Beweis stellten.

„Gaukler Gregorius“ unterhielt das Publikum mit Schabernack und Artistik, unter anderem bereitete er jonglierend ein Spiegel-Ei zu. Dass auch „holde Maiden“ ein Schwert zu führen vermögen, bekam so mancher Recke bei den Schaukampf-Darbietungen der Gruppe „Schwertbrecher“ zu spüren. Zum Tanzboden wurde die Lager-Arena bei den Auftritten der „Lumpenstiefel“, die vorführten, wie man sich im Mittelalter stilsicher zur Musik bewegte. Und der passende „Soundtrack“ für das Mittelalterfest durfte ebenfalls nicht fehlen: Den stellten die „Bohemian Bards“, das Trio „Benedictus“, die Neunburger Hofmusik und der Heidecker Trommlerhaufen zusammen.

Allerdings hatten während der Schwüle am Nachmittag so manche potenziellen Mittelaltergäste offenbar den Sprung ins Erlebnisbad dem Marktbesuch vorgezogen. Der große Ansturm vor den Lagertoren kam, als sich der sonnendurchglühte Sommertag in einen lauschigen Abend wandelte. Zum Finale wurde es aber noch einmal heiß: „Ameno Signum“ begeisterten die Zeitreisenden mit einer spektakulären Feuershow, und die Hexen und Teufel des „Schwarzachtal-Pass“ präsentierten erstmals ihre neue Darbietung „Der Höllentrip“.

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