26.11.2019 - 11:49 Uhr
Neusath bei NabburgOberpfalz

Winterarbeiten in Flur und Stube

Filzen, Plätzchenbacken, Drischel dreschen und viele weitere Aktionen waren am Sonntag im Freilandmuseum Perschen geboten.

von Redaktion ONETZProfil

Hunderte Besucher zog es bei bestem Ausflugswetter zu einem besonderen Erlebnistag in das Oberpfälzer Freilandmuseum Neusath. Begrüßt wurden diese schon von Weitem mit feinen musikalischen Klängen. Die Veeh-Harfen-Gruppe Waidhaus brachte eine wundervolle Stimmung – passend für die Vorweihnachtszeit, in den Eingangsbereich des Museums. Beschwingt ging es entlang auf dem weitläufigem Gelände zu den einzelnen Gehöften genau dorthin, wo typische Winterarbeiten in Flur und Stube aus alten Zeiten anschaulich demonstriert wurden. Vielerorts waren die Besucher auch zu aktivem Mitmachen eingeladen.

Im Tagungsraum des Freilandmuseums waren 16 Teilnehmer beim Filzkurs von Anita Köstler eifrig am Werk. Auf den Tischen waren große Planen ausgelegt, die Teilnehmer rückten emsig die benötigten Materialien für ihre Kunstwerke zurecht. Mit Pflanzenölseife und Wasser wird die Wolle zunächst getränkt, dann durch Streichen mit den Händen und der dadurch entstehenden Reibung das Material miteinander verbunden, sozusagen „verfilzt“. „Dies kann schon einige Stunden in Anspruch nehmen, je nachdem, was man kreieren möchte“, lächelt eine Teilnehmerin zufrieden. An diesem Nachmittag entstanden warme Filzschuhe, bunte Stirnbänder und Schals, aufwendige Taschen und ein kesser Wärmflaschenbezug. In der warmen Stube des Denkenbauernhofs konnte man Elfriede Müller aus Amberg zusehen, wie sie aus Elefantenpapier filigrane Papiersterne herstellt. „Dieses Material ist besonders stabil, schaut gut aus und lässt sich gut verarbeiten“ schwärmt sie. Mittels einer kleinen Schere setzt sie gekonnt in perfekter Symmetrie Schnitte an, um bestimmte Muster herzustellen. Auch hat sie eine große Auswahl an Hinterglasmalereien mit dabei. Beim Klöppeln konnte man Monika Gebhardt über die Schulter schauen. Angela Putzer bot in der Stube eine große Auswahl an Weihnachtsschmuck an.

Der feine Duft von frischen Tannen- und Kiefernzweigen leitete den Besuchern den Weg in das Nebenzimmer. Die Mitglieder des Obst- und Gartenbauverein Neusath banden hier aufwendige Adventskränze und weihnachtliche Gestecke, die sich großer Beliebtheit erfreuten.

Besonders die kleinen Besucher kamen in der Mutzhof-Stube auf ihre Kosten. Leckerer Butterplätzchengeruch füllte die kleine Küchenstube. Fleißige Bäckerinnen des Freilandmuseums buken im Holzofen das feine Weihnachtsgebäck. Die Kleinen durften die Köstlichkeiten mit Zuckerguss anstreichen, mit Streuseln verzieren und selbstverständlich auch naschen. Weitere Aktionen wie Sternebasteln und Laubsägearbeiten ließen bei den Kindern keine Langeweile aufkommen.

In der Hirtenhaus-Stube gab Barbara Hierl interessante Einblicke und Auskünfte zum Federnschleißen. Die Gänse wurden früher mehrmals im Jahr „gerupft“, die Federn sodann vom Kiel befreit, die Daunen gesammelt und für wärmende Bettdecken verwendet. Früher gehörte ein ordentliches Federbett zum Teil der Aussteuer, da es als besonders wertvoll galt. Auch wurden große und stabile Federn zum sogenannten „Federwisch“ zusammengebunden. Dieser wurde dann vielseitig im Haushalt für Reinigungsarbeiten aber auch für Reparaturen an Haus und Hof eingesetzt. Durch die robuste Beschaffenheit konnte der „Federbesen“ vielseitig eingesetzt werden. Die Besucher hörten aufmerksam zu und tauchten ihre Hände in die bereitgestellten weichen Daunen.

Entlang des Weges standen die Museums-Pferde „Leo“ und „Fonse“ bereit. Die Besucher staunten nicht schlecht, scheinbar mühelos zog das kräftige Pferdegespann einen mächtigen Baumstamm einen Berg hinauf.

Die Herstellung von Brennholz, Kienspan und des Zienest/Schnoistrahs gab es zwischen den Gehöften zu bewundern.

Die aufwendigen Arbeitsschritte der Flachsverarbeitung zum Erarbeiten eines Leinenkleiderstückes zeigte Eva Nussbaumer im Inhaus-Stadl auf.

Zunächst werden die Faserlein geriffelt, in der Tauröstezeit wird die Faser aufgebrochen, nach einer Zeit der Trockenlagerung wird das Material dann weiterverarbeitet. Das Bläuen, Flachsbrechen und das Durchziehen der Fasern durch den Hechelkamm machen die Fasern dann geschmeidig, damit sie zum Spinnen und zur Weiterverarbeitung geeignet sind.

Grobe Hofarbeit wurde im Langerbauernhof-Stadl mit dem Drischeldreschen gezeigt.

Interessante Einblicke der Holzverarbeitung gab es in der Säge Pfaffengschwand und im Mühlental bei der Verarbeitung eines meterlangen Holzbalkens zu einer Holzdachrinne zu bestaunen.

Eine willkommene Stärkung in Form von leckeren Brotzeiten, Punsch und feinem Gebäck ließen sich die Ausflügler im Wirtshaus Unterbürg schmecken.

Wintermarkt in Perschen:

Zeitgleich zum großen Erlebnistag im Oberpfälzer Freilandmuseum fand im Perschener Bauernmuseum der diesjährige Wintermarkt statt. Eine hohe Besucherzahl freute sich über eine Vielzahl an Spezialitäten vom roten Höhenvieh, vielfältige Käsesorten und leckeren selbsthergestellten Marmeladen, würzigen Brotaufstrichen und fruchtigen Sirupsorten. Dies Alles und Vieles mehr gab es in Fülle zu kaufen. Ein schier endloses Angebot an weihnachtlichen Dekorationsgegenständen aus Holz, Steinzeug, warmen Kopfbedecklungen, Teelichtern, Drahtanhängern, Adventskränzen, Gestecken, Weihnachtsseifen, Bienenwachskerzen, Lavendelkissen und selbstgebackenen Plätzchen bediente jede Nachfrage und jeden Wunsch der Ausflügler. (eya)

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.