24.06.2019 - 14:02 Uhr
NeusorgOberpfalz

Braun gebrannter Pilgerradler

"Ich bereue keine Minute." Das war die Kernaussage von Günther Kuhbandner nach seiner glücklichen Rückkehr aus Santiago de Compostela in Spanien.

Günther Kuhbandner nahm Heike am Sonntag wieder in seine Arme. Als dauernde Erinnerung brachte er die Pilgerurkunde und Jakobsmuscheln mit, die einen großen Teil seines Weges markierten.
von Bernhard KreuzerProfil

Am 26. Mai brach er nach dem Gottesdienst in Riglasreuth mit seinem Rad zur Pilgerreise auf und beendete dort auch mit dem Besuch der Messe seine Fahrt. "Er hat ein Zeugnis gegeben, dass man Probleme lösen kann", sagte Pfarrer Hans Riedl, der ihn vor vier Wochen den Wallfahrersegen gab.

2865 Kilometer zeigte der Tacho am Rad von Günther Kuhbandner an. Über 300 mehr als er geplant hatte. "Das lag daran, weil ich mich oft verfahren habe", räumte der stramme Radler ein. Dann kommen noch die zusätzlichen Kilometer in Santiago de Compostela selbst hinzu. Die Wegemarkierung zur Kathedrale hatte er aus den Augen verloren. "Eine Stunde kurvte ich durch die Stadt. Der Dritte, den ich nach dem Weg fragte, war auch der Erste, den ich gefragt habe", lacht Kuhbandner.

Schmerzen und Sturz

Nur einmal, rund 400 Kilometer vor Lourdes, ließen ihn Knieschmerzen an einen Abbruch denken. Bis dorthin wollte er unbedingt noch fahren. Seine Frau Heike, mit der er täglich telefonierte, gab ihm die Kraft weiterzufahren. "Nach ein paar Tagen waren die Schmerzen vergessen", sagt der braun gebrannte Pilgerradler. An Lourdes und den dortigen Touristenrummel mochte sich Kuhbandner nicht begeistern.

Aufgeben - das war auch kein Thema beim Sturz in der Schweiz. Auf dem Navi suchte der Neusorger während der Fahrt auf einem Radweg einen geeigneten Übernachtungsplatz. Die quer über die Straße verlaufende Schranke übersah er und stürzte. Eine nette Schweizerin kam ihm zu Hilfe und half ihm nicht nur auf die Beine, sondern fand einen Übernachtungsplatz. Ein richtiges Schweizer Bettenlager war es, ein Strohhaufen in einem ehemaligen Kuhstall. 30 Euro kostete die Übernachtung darin. Dafür spendierte ihm die Schweizerin das Abendessen. 40 Euro hätte es gekostet.

Überall freundliche Menschen, die immer halfen, lautet das Fazit über die Begegnungen. Pilger aus aller Welt traf Günther Kuhbandner: welche, die seit 1. April zu Fuß auf der Pilgerreise waren, oder einen Japaner - zwölf Wochen marschierte der bereits. Auf den langen geraden Straßen in Spanien ohne schattenspendende Bäume bedauerte er die wandernden Pilger. Bei Sonnenschein war der Neusorger dagegen froh, den Fahrtwind auf dem Rad genießen zu können. "Leider kam der Wind meist von vorne", schränkt er seine Freude ein, der ebenso bei den stundenlangen Bergauffahrten Kraft raubte.

Frau vermisst

"Meistens war ich alleine", erzählt Kuhbandner. "Ich habe geglaubt, es gibt keine Autos oder Radfahrer mehr", schildert er seine Eindrücke. Dennoch, diese Pilgerreise auf dem Rad empfiehlt er jedem. "Ich bin fit wie ein Turnschuh", stellt er am Ende seiner Reise strahlend fest. Als größte Qual notiert er die Fahrt mit dem Bus von Santiago de Compostela zum Flughafen Porto und den Flug nach Nürnberg selbst. Dort landete er am Samstag spät abends. Am Sonntagmorgen brachte ihn der Zug nach Marktredwitz. Um 7 Uhr kam er an und radelte nach Riglasreuth zum Gottesdienst. Eine halbe Stunde brauchte er für die 14 Kilometer. 180 Kilometer war dagegen die längste Etappe seiner Pilgerreise.

Was er in den vier Wochen am meisten vermisste, war seine Frau Heike. Ihr und Gott dankt er, dass er die Pilgerreise machen konnte und durfte. Ein Dankeschön gilt auch dem Arbeitgeber, der es ermöglichte, denn: "Jeder Tag war schöner als der andere, ob Regen oder Sonnenschein", fasst Günther Kuhbandner zusammen.

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