26.11.2019 - 14:01 Uhr
NeusorgOberpfalz

Gemeinde feiert 70. Geburtstag

Laute Böllerschüsse des Schützenvereins wiesen auf das Ereignis hin: Erinnert wurde damit an ein historisches Datum für die noch junge Gemeinde Neusorg.

Die historische Urkunde von der Umbenennung der Gemeinde Schwarzenreuth in Gemeinde Neusorg am 17. November 1949 lag den Gästen zur Ansicht vor.
von Autor ÖTProfil

Am 17. November 1949 wurde die frühere Gemeinde Schwarzenreuth dem größten Ort in der Kommune zufolge in Gemeinde Neusorg umbenannt. Am Donnerstag gedachten mit einer Festsitzung in der Rektor-Haindl-Aula viele geladene Gäste der Entstehungsstunde.

Zum offiziellen Teil der 70-Jahr-Feier der Gemeinde betonte Bürgermeister Peter König, eine Gemeinde sei die unterste Stufe im staatlichen Verwaltungsaufbau und Träger der kommunalen Selbstverwaltung. Deren Hauptorgan sei der Gemeinderat als Vertretung der Bürger. Die Gemeinde sei dem öffentlichen Wohl verpflichtet. Dazu gehörten Aufgaben wie Wasserver- und Abwasserentsorgung, Kinderbetreuung und das Schulwesen. Daneben biete sie freiwillige Leistungen im sozialen, kulturellen oder sportlichen Bereich.

Zeitreise durch Geschichte

Eine Gemeinde bedeute jedoch auch Nachbarschaft und Freunde, gesellschaftliches Leben, Vereine und Institutionen, Kirche und Pfarrgemeinde, aber auch Solidarität, Rücksichtnahme, Hilfsbereitschaft und Zusammengehörigkeitsgefühl. Vor allem bedeute sie jedoch den Bürgern Heimat.

Auf seiner Zeitreise durch die Geschichte der noch jungen Kommune warf das Gemeindeoberhaupt einen Blick zurück vor den 17. November 1949. Es erinnerte an die Entstehung einer neuen Hofanlage, der "Neuen Sorge", um das Jahr 1535. Damals schlug das "kommunale Herz" von Neusorg im Ortsteil Schwarzenreuth. Hier befand sich der Sitz des Bürgermeisters.

Ein historisches Datum bildete der 5. Mai 1878 mit der Eröffnung der Bahnlinie Paris-Prag: Damals sei Neusorg mit dem Bahnhof an die weite Welt angebunden worden. Dies brachte einen deutlichen Aufschwung für den Ort.

König streifte auch die jüngere Geschichte mit Schwarzenreuths Bürgermeister Anton Küffner: Er stand rund 40 Jahre in der Verantwortung und wurde 1944 zum Rücktritt gezwungen. Als Nachfolger wurde Karl Grimm eingesetzt. Ihn ereilte das gleiche Schicksal und nach der zweiten Gemeinderatssitzung im Juli 1945 musste er sein Amt niederlegen. Von der Militärregierung wurde Johann Lohr als Bürgermeister bestimmt, aber 1946 wieder abgesetzt. Ihm folgte Hans Berger. 1948 wurde Johann Lohr zum ersten offiziell gewählten Bürgermeister nach dem Zweiten Weltkrieg ernannt. In dieser Zeit erfuhr Neusorg durch Flüchtlinge und Heimatvertriebene eine zweite starke Einwohnerzunahme.

Bitte um Namensänderung

1949 bat die Gemeinde Schwarzenreuth das Bayerische Staatsministerium des Innern um die Umbenennung in Gemeinde Neusorg, da sich dort der Sitz des Bürgermeisters, des Standesamtes und der Gemeindeverwaltung befanden. Begründet wurde dies auch mit den Argumenten, der Ort verfüge über eine Bahnstation, ein Postamt, ein evangelisches und katholisches Pfarramt sowie eine Volksschule, Arztpraxis, Apotheke, einen Tierarzt, ein Lagerhaus, Fabriken und Handwerksbetriebe sowie Gewerbetreibende.

Die Gäste konnten die Originalurkunde zur Umbenennung in Gemeinde Neusorg einsehen. Das Schriftstück ist unterzeichnet vom damaligen bayerischen Staatsminister des Innern, Dr. Willi Ankermüller. Auch das Originalprotokoll des Schwarzenreuther Gemeinderatsbeschlusses zur Namensänderung konnten die Besucher begutachten. Auf einem Tisch waren auch Bilder der ehemaligen Bürgermeister aufgestellt. Die Pausen zwischen den Reden lockerte Luisa Etterer musikalisch auf.

Info:

Geschichte der Kommune

Fünf Bürgermeister standen seit der Gründung der Gemeinde in der Verantwortung. Ferner arbeiteten inklusive Nachrücker 169 Gemeinderäte zum Wohl der Bürger. Drei Gemeindeoberhäupter und 47 Gemeinderäte sind bereits gestorben. Ihnen gedachte die Festversammlung in einer Schweigeminute.

Bürgermeister Peter König ließ auch die Meilensteine der Gemeindegeschichte von Neusorg Revue passieren. Dabei erwähnte er Eckpunkte, die vom Bau der öffentlichen Wasserversorgungsanlage in den Jahren 1950/51 über die Einweihung der Volksschule, Erweiterung des Friedhofs und Neubau des Leichenhauses, der Errichtung des neuen Kriegerdenkmals bis hin zur Erschließung eines Industriegebietes und der Einweihung der damaligen Mittelpunktschule 1971 reichten.

Weiter erinnerte er an die Erstausgabe des gemeindlichen Mitteilungsblatts 1975 und die Einführung von Straßennamen. Im gleichen Jahr begann auch der Neubau des Kindergartens mit der Pfarrgemeinde. 1977 wurde das Rathaus zum Sitz der Verwaltungsgemeinschaft umgebaut. Eine Vergrößerung erfuhr die junge Kommune 1978 mit der Eingliederung von Riglasreuth und Wernersreuth. Schurbach schloss sich der Stadt Waldershof an.

In den darauffolgenden Jahren wurde die ehemalige Grundschule renoviert und das Baugebiet Neusorg-Ost erschlossen. 1980 kam die Einführung des Gemeindewappens, ein Jahr später kaufte die Gemeinde den Bauhof in der Bayreuther Straße. 1988 führte die Kommune das Goldene Buch ein, 1989 errichtete sie das Sportzentrum. Im gleichen Jahr wurde die Amtskette des Bürgermeisters beschafft.

Das Gemeindeoberhaupt erinnerte auch an die Sanierung der gemeindlichen Abwasserentsorgung und den Bau der Abwasseranlagen Riglasreuth, Weihermühle und Wernersreuth. Ein bedeutender Termin war 1991 die Vereinbarung einer Partnerschaft zwischen Neusorg und der tschechischen Stadt Skalná.

In den kommenden Jahren wurden zwei Tiefbrunnen gebaut sowie die Grund- und Hauptschule generalsaniert. 1999 standen die Einstufung als Kleinzentrum und 2001 die Sanierung und Erweiterung des Rathauses an. Ebenfalls 2001 konnte die Generalsanierung der Wasserversorgung abgeschlossen werden.

Der Bürgermeister sprach auch die Erschließung des Gewerbegebiets „Am Steinbruch“ 2004 und die Eröffnung der neu eingerichteten Kinderkrippe 2009 an. Im gleichen Jahr wurde ferner der Fichtelnaab-Radweg eröffnet. 2011 folgte die energetische Sanierung der Schulturnhalle und 2015 die Eröffnung des Senioren-Servicehauses sowie die Inbetriebnahme der Nahwärmeversorgung.

Nur ein Jahr später konnte das Gewerbegebiet „Am Steinbruch“ über eine Gemeindeverbindungsstraße an den Hauptort angeschlossen werden. 2017 erfolgte die Breitbanderschließung und erst in diesem Jahr die Einweihung der Ortsmitte Weihermühle, der Abschluss der Generalsanierung des Kinderhauses, die Eröffnung des sanierten Bahnhofsgebäudes, die Neugestaltung der Mediabrache sowie die Freigabe des Radwegs nach Schwarzenreuth.

Bürgermeister Peter König erklärte, all diese Stationen verliehen der Gemeinde einen Mehrwert. Es wurde viel Geld investiert. Auch Zuwendungen der öffentlichen Hand flossen. Die Bürger hätten mit ihren Steuern und Abgaben entscheidend zur Finanzierung beigetragen. Alle seien aufgefordert, sich in die Gemeinde einzubringen und sie mitzugestalten.

Das Gemeindeoberhaupt dankte den Vereinen für ihre ehrenamtlichen Leistungen und allen Mitbürgern und Institutionen, die die Kommune in der Vergangenheit nach vorne gebracht haben.

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