27.03.2019 - 11:40 Uhr
NeusorgOberpfalz

Mit "Josef" den Alltag im Blick

Eine außergewöhnliche Unterrichtsstunde durften die Kinder der beiden 3. Klassen der Fichtelnaabtal-Grundschule zusammen mit ihren Klassenleiterinnen Gertraud Kappl und Nina Dümmelbeck erleben.

Zur selbstständigen Bewältigung ihres Alltags ist für Bettina Pichlmeier ein Hilfsmittel unverzichtbar: ihr Blindenstock "Josef".
von Autor jplProfil

"Auge und Sehbehinderungen" hieß der Themenbereich, mit dem sich die Kinder bereits in den vorangegangenen Unterrichtsstunden fächerübergreifend auseinandergesetzt hatten.

Informationen aus erster Hand erhielten die Drittklässler nun beim Besuch einer blinden Referentin des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes Oberpfalz. Bettina Pichlmeier war mit einer Begleitperson angereist und berichtete über ihren Alltag als Betroffene.

"Habt ihr eine Vermutung, wie Blinde die Uhrzeit ablesen, wie sie die Farbe ihrer Kleidung erkennen oder sich ein Getränk einschenken?", fragte die Referentin in die Runde. Fieberhaft überlegten die Schüler, welche Hilfsmittel den blinden Personen bei der Bewältigung ihres Alltags helfen könnten. Ausgestattet mit einem Koffer voller Materialien gelang es Pichlmeier, den Kindern unmittelbare Erfahrungen dieser Art zu ermöglichen.

Für einen ersten Eindruck durften sie Simulationsbrillen ausprobieren. Tastend beziehungsweise hörend konnten die Schüler nun beispielsweise den sprechenden Wecker, das Farberkennungsgerät, die Armbanduhr mit hochklappbarem Deckel, die Einschenkhilfe und den Geld- oder Cashtest entdecken.

Große Merkleistung sei für die Alltagsbewältigung beim Anziehen, Einkaufen und dem Zurücklegen täglicher Wege vonnöten. "Mein bester Freund ist mein Blindenstock, den ich liebevoll 'Josef' nenne", erklärte Pichlmeier. Was aber, wenn "Josef" nicht dabei ist? Eine Schülerin durfte für diesen Fall die Aufgabe übernehmen, die Referentin behutsam durch den Raum zu geleiten. Verlassen können sich blinde Menschen dabei auch auf einen Blindenführhund. Erstaunt reagierten die Drittklässler über die Anschaffungs- und Ausbildungskosten für solch einen speziellen Hund von 26 000 bis 28 000 Euro.

Auch der Unterricht an den Schulen für Blinde ist anders gestaltet. Gelesen wird mit Hilfe der sogenannten Brailleschrift; im Sportunterricht finden klingende Bälle und Schnüre Einsatz. Dafür hatte Pichlmeier ebenso Anschauungsexemplare dabei. So ging für die beiden dritten Klassen eine sehr interessante und informative Unterrichtsstunde zu Ende, bei der sie auf anschauliche Weise eine Menge über Blindsein und Sehbehinderungen erfahren durften. Die Klassensprecher bedankten sich bei Pichlmeier und ihrer Begleitperson mit einem Präsent.

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