11.07.2018 - 14:12 Uhr
NeusorgOberpfalz

Qualifizierte Mieter

Wohnen scheint gar nicht so einfach zu sein. Qualifiziertes Fachpersonal kann Asylbewerbern helfen.

Als Mieter hat man es nicht immer einfach. Doch es gibt professionelle Helfer, die es gut meinen.
von Externer BeitragProfil

(exb) Das Thema Wohnung und Wohnen spielt eine wichtige Rolle in der aktuellen Asylsituation im Landkreis Tirschenreuth. Sobald neuzugewanderte Asylantragssteller einen anerkannten Flüchtlingsstatus vom Bundesamt erhalten, dürfen sie aus ihrer meist dezentralen Sammelunterkunft ausziehen und sich eine eigene Wohnung suchen, berichtet Oberregierungsrätin Kestel, Abteilungsleitung Soziales und Ausländerwesen am Landratsamt Tirschenreuth.

Umso mehr freute sie sich, dass die intensive Kooperation ihrer Abteilung zu den Wohlfahrtsverbänden und der Bildungskoordination für Neuzugewanderte im Landkreis Tirschenreuth Früchte trägt und bedankte sich herzlich für die Einladung zur zweiten Phase des Projekts „Mieterqualifizierung – Fit für die eigene Wohnung“ in Neusorg.

Die Grundlagen des Wohnens sind quer durch die verschiedenen Kulturen höchst unterschiedlich. So hat es manch Neuzugewanderter nicht leicht zum Beispiel das System der Mülltrennung zu verstehen, wie man das Verhältnis mit dem Vermieter pflegt oder wie richtig geheizt wird, so El-Zein, Bildungskoordinator für Neuzugewanderte des Landkreises Tirschenreuth.

Genau aus diesem Grund initiierte Jana Buttgereit, Migrationsberaterin beim Sozialteam Oberpfalz Nord (STZ) in enger Zusammenarbeit mit Heindl Anita vom Sozialamt des Landratsamt Tirschenreuth das Projekt Mieterqualifizierung. Dieser Kurs richtet sich an alle interessierten Neuzugewanderten in unserem Landkreis, hatte bislang großen Erfolg und zahlreiche Teilnehmer, berichtete Buttgereit, die auch als Dozentin und Projektinitiatorin fungiert. Von Mülltrennung über Brandschutzverhütung, bis zu richtigem Heizen und Lüften und sogar der Reinigung verschiedener Bodenarten vermittelt Buttgereit wöchentlich einmal die Voraussetzungen eines gelingenden Mietverhältnisses in den Räumlichkeiten der Neuzugewanderten.

Das Projekt Mieterqualifizierung beruht auf einem Best-Practice-Beispiel (Neusässer Konzept) und macht unsere Neuzugewanderten Mitmenschen fit für ihre Erste eigene Wohnung im Landkreis Tirschenreuth.

Anita Heindl (Hausverwalterin der dezentralen Unterkünfte, Sozialamt, Lkr. Tirschenreuth) berichtete, dass sie bereits jetzt an verschiedenen Standorten das Projekt mit Teilnehmern versorgt habe und schon jetzt bereits große Erfolge im Alltag sichtbar seien. Als Beispiel wurden durch den vom Vermieter beauftragten Hausverwalter Damski und Heindl die Räumlichkeiten der Unterkunft in der Gartenstraße in Neusorg präsentiert. Wichtig war ihnen anzumerken, dass das kulturelle Verständnis, seinen Wohnraum zu gestalten und an unsere kulturellen Gewohnheiten anzupassen nicht von alleine komme. Vielmehr brauche es, um zum Erfolg zu kommen, Geduld, Engagement durch Haupt- & Ehrenamtliche Helfer in der Flüchtlingsarbeit und vor allem Zeit.

Durch die enge Kooperation der Bildungskoordination mit dem Sozialteam und dem Sozialamt, wurde El-Zein als zuständiger Bildungskoordinator auf das Projekt aufmerksam. Aufgabe der „Kommunalen Koordination der Bildungsangebote für Neuzugewanderte“ ist es u.a., Problemstellungen und Ressourcen im Bereich Bildungsangebote für Neuzugewanderte zu ermitteln und zu einem erfolgreichen Start für auf den Landkreis abtgestimmte Bildungsangebote beizutragen. Die Entwicklung ländlicher Strukturprozesse zum Thema Integration soll dabei forciert werden.

Zum Auftakt des Projekts konnten durch die Bildungskoordination die Informationen zum Projekt, sowie Informationen zur inhaltlichen Umsetzung erhoben und Landrat Wolfgang Lippert vorgestellt werden. Landrat Lippert sah die Wichtigkeit um das Gelingen des Projekts „Mieterqualifizierung“ und befürwortete das Engagement von Sozialteam und Sozialamt durch eine finanzielle Anerkennung der Landkreisverwaltung in Form einer Zuzahlung zu den Erstanschaffungskosten der Lehrbücher in Höhe von 50 Prozent.

Mit Abschluss des Kurses „Mieterqualifizierung – Fit für die eigene Wohnung“ erhalten die Teilnehmer ein Zertifikat, mit dem sie nachweisen können, dass sie die wesentlichen Grundlagen unseres kulturellen Verständnisses „Wohnen in unserem Kulturkreis“ erlernt haben und in der Lage sind, Barrieren zwischen Mieter und Vermieter bereits im Vorfeld abzubauen.

Oberregierungsrätin Kestel nutzte abschließend die Möglichkeit, noch einmal auf die durch den Fachbereich Asyl des Sozialamtes bereitgestellte „Online-Wohnraumbörse“ für Vermieter aufmerksam zu machen. Mit Unterstützung durch das Ministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration steht seit einigen Monaten die Wohnraumbörse interessierten Vermietern zur Verfügung, um Kontakt zum Sozialamt aufzunehmen und leerstehenden Wohnraum effizienter vermieten zu können.

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