25.05.2018 - 19:59 Uhr
NeusorgOberpfalz

Scharfe Früchtchen

Dass Chili brennen kann, hat Thomas Gruber gewusst. Dass aber mal er für die Paprika-Gattungen brennt, hätte er nicht gedacht. Angefangen hat nämlich alles "relativ harmlos", wie sich der Neusorger Gärtner erinnert. "Ein Bekannter hat mir mal ein paar Pflanzen vorbeigebracht, um sie aufzupäppeln."

Thomas Gruber inmitten seiner über 70 chillisorten
von Marion Espach Kontakt Profil

Neusorg. Die Frage, ob ihm das gelungen war, erübrigt sich, wenn man sich in seinem Gewächshaus umschaut. Oder besser gesagt, in den Gewächshäusern: Über 70 Chilisorten gedeihen unter den Händen des 44-Jährigen und seiner Mitarbeiter. Angefangen hat er mit etwa 16 verschiedenen Arten. "Dann sind jedes Jahr neue dazugekommen." Inzwischen hat er so viele, dass er heuer zum neunten Mal Deutschlands größtes Chilifest in der Gärtnerei Förth feiern kann.

Vorsicht bei Reaper

Früher war für den 44-Jährigen eine Chilischote eben eine Chilischote, bestenfalls noch eine Peperoni. Heute weiß er es besser. Da gibt es die gelbe, manchmal rötliche Fatalii, die zwar nicht die schärfste Sorte ist, aber einen guten Geschmack hat. Die Rocoto macht sich gut in Marmelade, die Santa Fe zur Brotzeit. Wer zur Carolina Reaper greift, muss aufpassen. "Das ist eine der schärfsten Sorten", warnt Gruber.Inzwischen weiß er auch, dass kleine Schoten - auch wenn sich dieses Ammenmärchen hartnäckig hält - nicht unbedingt die schärfsten sind. "Die Größe sagt nichts über die Schärfe aus." Genauso wenig stimmt, dass man Handschuhe anziehen sollte, bevor man die Früchte anfasst. "Das ist Blödsinn", winkt er ab. Ein bisschen brennen könnte es höchstens, wenn man Schoten direkt am Stiel abbricht und sich danach in die Augen fasst. Aber: "Hände waschen hilft", verrät der Experte augenzwinkernd.

Schicke Schoten

Chili-Liebhaber haben bei Gruber die Qual der Wahl. Nehme ich Chili de Cayenne? Oder doch lieber Hot Lemon? Oder Bhut Jolokia? "Es kommt halt darauf an, was man damit machen will", gibt der 44-Jährige zu bedenken. Will ein Kunde etwas fürs Auge, empfiehlt er eine lange Cayenne oder Bolivian Rainbow. "Die bunten Früchte sind ein echter Blickfang." Geht es um den Geschmack, rät er zu den Sorten Fatalii oder Moruga. Für welche Schotenfarbe und -form sich Kunden auch entscheiden, eines haben sie gemeinsam: "Sie mögen es warm. In einem Gewächshaus sind sie am besten aufgehoben." Wer keins hat, sollte sie auch auf der Südseite des Hauses halten und auf schwarze Folie stellen. Ob es den Pflanzen dort warm genug ist, zeigt sich Mitte Juli - um diese Zeit bekommen die meisten ihre ersten Früchte. "Haupterntezeit ist aber im August und September", ergänzt Gruber. Damit die Ernte gut ausfällt, rät er, die ersten Blüten einer Pflanze abzuschneiden. "Dann haben Früchte mehr Platz."Grubers Chili-Setzlinge sind sowohl bei Privatpersonen als auch bei Gärtnereien gefragt. An die verkauft er schon mal 100 Stück auf einmal. "Aus so vielen Pflanzen besteht eine Einheit", erklärt er. Dennoch ist ihm eines wichtig: "Auch wenn wir viele verschiedene Sorten züchten, sind wir keine Chili-Gärtnerei", macht der Experte klar. Das jährliche Chilifest lässt zwar anderes vermuten - immerhin ist es deutschlandweit eines der größten. Eine Tatsache, mit der Gruber damals nicht gerechnet hat. "Wir haben sogar gedacht, dass ein Chilifest in einem Dorf wie Neusorg ziemlich gewagt ist. Deshalb haben wir noch Kürbisse dazugenommen", erinnert er sich. Für die habe sich allerdings niemand interessiert, die Chilis hätten alle Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Gruber mag Chili nicht nur in seinen Gewächshäusern, sondern auch auf dem Teller - als gefüllte Jalapeno, in Soßen oder in Kombination mit süßer Mango. "Ständig muss ich das aber nicht haben", gibt er zu. Am liebsten sieht er seinen scharfen Lieblingen dabei zu, wie sie wachsen und gedeihen.

Eine Gattung viele Chillisorten
Chillis mögen es warm
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