27.08.2019 - 11:02 Uhr
Neustadt am KulmOberpfalz

Bedeutende Funde am Rauhen Kulm

Die Archäologischen Grabungen am Rauhen Kulm förderten auch heuer wieder bedeutende Zeugnisse der Geschichte zu Tage. Bei einer Exkursion zu den Grabungsstätten wurden diese vorgestellt.

Am unteren Ringwall liegt die erste Verteidigungsbefestigung. Dort haben die Archäologen ein sogenanntes Annäherungshindernis freigelegt. Grabungsleiter Hans Losert (Fünfter von links) berichtet, dass in diesem Bereich als zusätzlicher Schutz vor plündernden Reitern aus Ungarn Vulkansteine angehäuft wurden.
von Autor OWProfil

Der Förderverein Rauher Kulm und der Historische Verein für Oberfranken hatten am vergangenem Freitag zu einer Führung mit Besichtigung der Ausgrabungen eingeladen. Die Vorsitzende des Fördervereins, Käthe Pühl, begrüßte am neuen Kulmhaus die zahlreichen Interessierten und stellte Grabungsleiter Hans Losert von der Universität Bamberg vor. Schon bei seinen einleitenden Worten zeigte sich der Experte zufrieden mit den Ergebnissen der Grabungsaktion.

Als fast schon sensationell bezeichnete er den Fund eines Teilstücks einer bronzenen Sichel. Diese wurde vor zirka 3000 Jahren in einer Stein- oder Tonform gegossen. Sicheln waren ein Werkzeug zum Schneiden von Getreide, aber der Wissenschaftler wusste auch, dass sie bei rituellen Handlungen verwendet wurden. Besonders in der späten Bronzezeit wurden sie oft auch als Weihgaben abgelegt. Die Sichel als Erntegerät verbindet den Lauf des bäuerlichen Jahres mit der Form des abnehmenden oder zunehmenden Mondes. Als Opfergabe vereint sie so die Fruchtbarkeit der Erde mit dem immer wiederkehrenden Lauf der Gestirne am Nachthimmel.

Neben einer Vielzahl von Keramikfragmenten fanden die Studenten bei der Grabung auch Teile aus Metall, vorwiegend aus Eisen. Zu den kleinen Kostbarkeiten gehörte ein Messer, eine Kugelkopf-Nadel, aber auch eine silberne Münze aus dem Jahr 1715. Anschließend wanderte die Gruppe zu den Grabungsstellen an der Ostseite der Geröllhalde. Während die Teilnehmer den Worten des Wissenschaftlers lauschten, entdeckte Käthe Pühl ein kleines, längliches und dreieckiges Etwas auf dem Boden. Sie hob es auf und zeigte es Losert. Schon an dessen Gesichtsausdruck konnte man erkennen, dass dies kein normaler Stein war – die Vorsitzende des Kulmvereins hatte eine Silex-Pfeilspitze aus der Steinzeit gefunden.

Am Fuße der Geröllhalde ließ Losert die wechselvolle Geschichte der Kulmregion Revue passieren. Schon immer bildete der Rauhe Kulm mit seiner weit sichtbaren Gestalt einen wichtigen Orientierungspunkt. Seit Jahrtausenden suchten Menschen diesen Ort immer wieder auf. Die Funde belegen, dass die Jäger und Sammler der Steinzeit (12000 bis 2000 vor Christus) sich dort aufhielten. Seit der Bronzezeit (2000 bis 1200 vor Christus) waren verschiedene Völkergruppen am Rauhen Kulm sesshaft. Sie schützten sich mit einem Ringwall aus Basaltbrocken. Im 8./9. Jahrhundert bauten die Karolinger diese Befestigungsanlage mit dem unteren und oberen Ringwall aus und errichteten auf dem Gipfel des Vulkanbergs eine Burg. Diese wurde 1554 von den Nürnbergern zerstört.

Im Osten des Unteren Ringwalls kann das geschulte Auge noch heute drei Tore erkennen. Unterhalb des Haupttors hatten die Wissenschaftler einen von mehreren kleinen Hügeln freigelegt. Der Grabungsleiter berichtete, dass vor 1000 Jahren immer wieder berittene Ungaren in Bayern einfielen und die Klöster und Ansiedlungen plünderten. Sie besaßen schnelle Pferde, auf denen sie sehr beweglich waren. Am Rauhen Kulm waren sie aber nicht erfolgreich, denn die vor den Toren aufgeschütteten Hügel aus Basaltbrocken konnten die Pferde nicht überwinden.

Nächste Station war die weiter östlich gelegene Grabungsstätte beim ehemaligen Steinbruch. Hier finden die Archäologen seit 2004 Zeugnisse aus der wechselhaften Geschichte der Kulmregion. Losert erklärte, dass mehrere Fundstücke, sogenannte „Pepple Tools“, belegen, dass hier Menschen schon in der Altsteinzeit gelebt hatten. Auch zur Jungsteinzeit war die Gegend um den Rauhen Kulm bewohnt. Zeugnisse wie der Teil eines Steinbeils oder Feuersteinspitzen, aber auch Fragmente von Keramik belegen dies. Reichliche und vor allem qualitätsvolle Funde gibt es auch aus dem ersten vorchristlichen Jahrtausend, der Zeit der Kelten. Ein schon bei früheren Grabungen gefundenes Opferbeil aus Bronze zeugt davon, dass dieser Berg auch in den religiösen Vorstellungen der damaligen Menschen eine Rolle gespielt hat.

Zum Abschluss wanderte die Gruppe steil bergauf zu den Überresten des Tors der frühmittelalterlichen Burganlage oberhalb der Geröllhalde. Hier genossen sie den herrlichen Ausblick über den Flednitzgau, wie die Kulmregion früher genannt wurde.

Info:

Ausstellung

Viele Fundstücke vom Rauhen Kulm und von anderen Grabungsstätten der Region können momentan in einer Ausstellung in der alten Schule neben der Stadtkirche besichtigt werden. Auf Schautafeln wird dort auch die Siedlungsgeschichte der Region zwischen dem Rauhen Kulm und der Eger beschrieben. Die Ausstellung ist am Sonntag, 1. September, von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Weitere Termine können mit der Vorsitzenden des Fördervereins Käthe Pühl, Telefon 09648/255, vereinbart werden. (ow)

Bei der Exkursion zeigt Grabungsleiter Hans Losert (Mitte) den Teilnehmern einige Funde der diesjährigen Grabung. Die Vorsitzende des Fördervereins Rauher Kulm Käthe Pühl (links) hat die diesjährige Exkursion zu den Grabungsstellen organisiert.
Als einen der bedeutendsten Funde am Rauhen Kulm bezeichnet Grabungsleiter Hans Losert ein Fragment einer Sichel aus der Bronzezeit. Dieses Werkzeug wurde nicht nur zum Schneiden von Getreide verwendet, sondern auch bei rituellen Handlungen benutzt.

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