01.06.2018 - 09:30 Uhr
Neustadt am KulmOberpfalz

Fußgänger haben Vorfahrt

1,85 Million Euro soll die Neugestaltung des Marktplatzes den Kulmstädtern kosten. Was die Bürger für dieses Geld bekommen, stellte der Städteplaner Felix Holzapfel-Herziger in der jüngsten Stadtratssitzung vor.

Es gibt eine neue Entwurfsplanung für die Markplatzsanierung. Diese wurde vom Städteplaner Felix Hozapfel-Herziger (links)dem Stadtrat vorgestellt. Unterstützt wurde er dabei vom Architekten Volker Jungwirth aus Bayreuth. Interessiert verfolgte Bürgermeister Wolfgang Haberberger den Vortrag.
von Autor OWProfil

Neustadt am Kulm. (ow) Die Vorstellung der überarbeiteten Entwurfsplanung war das einzige Thema der jüngsten Sitzung. Zahlreiche Bürger nahmen die Gelegenheit wahr, sich als Zuschauer über die neuesten Entwicklungen beim Jahrhundertprojekt zu informieren. Bürgermeister Wolfgang Haberberger präsentierte auch eine detaillierte Kostenaufstellung des Projektes. Diese wurde in der Sitzung vor 14 Tagen bei der Beratung des Finanzierungsplanes vom Großteil der Räte gefordert. Die Gesamtkosten der Markplatzsanierung belaufen sich auf 7,9 Millionen Euro. Bei einer Quote von 80 Prozent für die förderfähigen Kosten müsste die Kommune noch 1,85 Million Euro aufbringen.

Bei der jetzigen günstigen Finanzlage und bei einem momentanen durchschnittlichen jährlichen Überschuss von 350.000 Euro im Verwaltungshaushalt wäre dieses Projekt dann bereits in zirka fünf Jahren abbezahlt. Für zwei Million der Projektsumme gibt es bereits eine verbindliche Zusage der Regierung mit der höchstmöglichen Förderung. Falls die Förderquote auf 60 Prozent fällt, würde es zirka neun Jahre dauern, bis die Stadt ihr Projekt abbezahlt hat. Verglichen mit der Finanzierung eines Einfamilienhauses ist dieser Zeitraum immer noch sehr kurz.

Bei der Vorstellung seiner Entwurfsplanung erläuterte Felix Holzapfel-Herziger, dass viele Teile der Planung auf Erkenntnisse der umfangreichen Bürgerbefragungen im Jahr 2011 und auf Forderungen der Behörden basieren. Die Streckenführung der Kreisstraße wird nur leicht verändert. Er erläuterte, dass laut den Wettbewerbsbedingungen der Marktplatz insgesamt fußgängerfreundlicher geplant werden sollte. Mehrere Querungsmöglichkeiten der Anlage und eine Verkehrsberuhigung sind deshalb vorgesehen. Um dies zu erreichen, wechselt im Bereich östlich des Kriegerdenkmals der Straßenverlauf von der südlichen zur nördlichen Seite des Marktplatzes.

Mit dieser kann sich die Interessengemeinschaft der Marktlatzanlieger nicht anfreunden. Deshalb demonstrierten sie, wie bei früheren Zusammenkünften des Stadtrats, während der Sitzung vor dem Rathaus. Sie kritisierten, dass an der Südseite (Winterseite) die Kreisstraße näher an die Häuser rückt und dass der Verkehrsfluss mit zwei Sichelkurven behindert wird. Außerdem wollen sie keine Einbahnstraße im nördlichen Teil (Sommerseite).

Kritisch sah der Planer die bestehende Situation an der Südseite im Bereich des Rathauses. Hier sorgt momentan ein starkes Gefälle der Parkplätze in Richtung Häuser dafür, dass diese bei Starkregen immer wieder bedroht werden. Auch das derzeitige Einparken ist wegen der Steigung dort nicht einfach und soll so verbessert werden. Bei der Neuplanung wird dieses Gelände abgesenkt und das Gefälle des Gehweges von den Häusern weg angelegt. „Die Räte müssen dann beim Betreten des Rathauses zwei Stufen mehr bewältigen, die zum Höhenausgleich dort eingebaut werden“ informierte schmunzelnd der Städteplaner.

Barrierefrei soll der gesamte Marktplatz gestaltet werden. Deshalb wird an der Nordseite des Rathauses eine Rampe entstehen, von der aus die Arztpraxis und die Ausstellungsräume ohne Stufen und mit Rollstuhl erreicht werden können.

Vier Plätze mit unterschiedlichem Nutzungscharakter soll der neue Markplatz haben. Durch die Verkehrsberuhigung der Kreisstraße entsteht im östlichen Teil ein Platz, der für Veranstaltungen, aber auch zum Parken genutzt werden kann. Hier soll ein Multifunktionsgebäude entstehen, in dem die neue Bushaltestelle integriert wird. Die Rückseite könnte so gestaltet werden, dass sie als Bühne für Veranstaltungen genutzt werden kann. Es sollen auch Vorrichtungen vorgesehen werden, um ein Festzelt leichter aufzustellen und am Pavillon andocken zu können. Im Keller würde die Technik untergebracht. Haberberger informierte, dass für dieses Gebäude erst ein Planungsauftrag nach ausgiebiger Beratung im Stadtrat erteilt wird.

Die Anlage östlich des Rathauses soll als repräsentativer Bereich genutzt werden. Wichtigste Bestandteile sind hier das Kriegerdenkmal und die neu gestaltete Hülle (Wasserbecken östlich des Rathauses). Diese Wasserfläche soll zugänglich sein und zum Sitzen am Himmelsspiegel einladen. Westlich des Rathauses schließt sich ein Bereich an, der zum Spielen einlädt. Hier könnte zum Beispiel eine Bocciabahn angelegt werden. Es könnte aber auch weiterhin hier das Bürgerfest abgehalten werden. Die Mauer, die das Gelände zur Kreisstraße abgrenzt soll durch eine Stufenanlage ersetzt werden. Dadurch wird die Fläche von allen Seiten zugänglich. Neu angelegte Parkplätze entlang der Kreisstraße wirken als Puffer zum vorbeiströmenden Verkehr.

Der westliche Bereich soll naturnah gestaltet werden. Pflegeleichte Blumenwiesen setzen hier Farbtupfer. Die südliche Betonstützmauer wird durch eine natürlich aussehende Trockenmauer aus Findlingen ersetzt. Verschiedenartige Pflanzen werten diesen Bereich auf.

Eine Forderung des Denkmalschutzes nach „mehr Wasserflächen“ wurde neben der Neugestaltung der Hülle durch die Anlage von drei Brunnen erfüllt. Diese sind an historischen Standorten vorgesehen. Holzapfel-Herziger empfahl dem Rat der Behörden zu folgen, hierfür einen Wettbewerb auszuschreiben. Haberberger versprach seinem Gremium, dass über viele Details noch diskutiert wird. Deshalb wird über die vorgestellte Entwurfsplanung erst in einer der nächsten Sitzungen abgestimmt.

So könnte der Bereich östlich des Rathauses in Zukunft aussehen. Die beiden Sichelkurven der Kreisstraße sorgen für eine Verkehrsberuhigung und ermöglichen einen größeren Platz, der für Veranstaltungen oder auch zum Parken genutzt werden kann.
Verbessert wird der Bereich südlich des Rathauseingangs. Das starke Gefälle der Parkplätze in Richtung Häuser führt bei Starkregen immer wieder zu Problemen. Die Neuplanung sieht vor, dieses Gelände abzusenken und das Gefälle des Gehweges von den Häusern weg anzulegen.
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