27.08.2018 - 13:05 Uhr
Neustadt am KulmOberpfalz

Geschichte auf der Spur

Gibt es auch heuer wieder sensationelle Funde bei den Grabungen am Rauhen Kulm? Zirka 30 Interessierte wollten es wissen und nahmen an einer Exkursion zu den Grabungsstätten teil.

Am ehemaligen Steinbruch beschrieb Dr. Hans Losert (rechts) die Entstehung des Rauhen Kulms. Die Exkursion hatte der Geschäftsführer des Historischen Vereins für Oberfranken e. V. Norbert Hübsch (Vierter von rechts) und die Vorsitzende des Fördervereins Rauher Kulm e. V. Käthe Pühl (Fünfte von rechts) organisiert.
von Autor OWProfil

(ow) Dazu nahmen sie an einer Exkursion teil, die zu den Grabungsstätten führten. Der Historische Verein für Oberfranken e. V. und der Förderverein Rauher Kulm e. V. hatten am vergangenem Freitag zu dieser Führung eingeladen. Bevor es losging, stellte der Geschäftsführer des Historischen Vereins, Norbert Hübsch, den Teilnehmern den Ausgrabungsleiter Dr. Hans Losert vor. Nach dessen einleitenden Worten marschierte die Gruppe in Richtung Vulkankegel. An der Rollbahn, wo im letzten Jahrhundert Schotter von einem Steinbruch an der Basalthalde abtransportiert wurde, überraschte der Wissenschaftler mit einer freigelegten Fläche aus Geröllsteinen.

Letztes Jahr hatte hier eine Studentin des Grabungsteams eine Ansammlung von Steinen entdeckt, die typisch für ein eingestürztes Hügelgrab aus der Zeit der Kelten ist. Losert wollte Gewissheit haben, weshalb die Archäologen die Grabstätte freilegten. "Bis jetzt haben wir noch keine archäologischen Gegenstände gefunden, aber im Inneren befinden sich sicher noch einige Scherben, die unsere These belegen werden", erläuterte der Wissenschaftler. Sicher ist, dass die Grabstätte geplündert wurde, deshalb wird wahrscheinlich kein Metallgegenstand oder Schmuck mehr vorhanden sein. Nächste Station war der etwa 100 Meter entfernt liegende ehemalige Steinbruch. Dort erläuterte Losert die Entstehungsgeschichte des Rauhen Kulms. Das Neustädter Wahrzeichen ist ein Ergebnis vulkanischer Tätigkeit. Er brach allerdings nicht als Bergvulkan aus, sondern entstand aus einem vulkanischen Maar. In Rissen der Erdkruste aufsteigende Lava traf hier vor 20 Millionen Jahren auf Wasser und erzeugte eine gewaltige Dampfexplosion.

Der entstandene runde Krater füllte sich, ähnlich wie die Maar in der Eifel, mit Wasser. Bei der nächsten heißen Lavaeruption gab es wieder eine Explosion. Das Gelände war damals etwa 200 Meter höher als die jetzige Spitze des Rauhen Kulms. Diese besteht aus hartem Basaltgestein und entstand bei der Magmaverfüllung des Vulkanschlots. Die weicheren Gesteinsschichten der Umgebung wurden durch die Flüsse abgetragen. Der harte Vulkanschlot blieb stehen und es entstand der Rauhe Kulm.

Wenige Meter weiter befindet sich die Grabungsstelle, bei der die Archäologen seit zehn Jahren Zeugnisse aus der wechselhaften Geschichte der Kulmregion entdecken. Losert erklärte, dass mehrere Fundstücke - sogenannte "Pepple Tools" - belegen, dass hier Menschen schon in der Altsteinzeit gelebt haben. Aber auch zur Jungsteinzeit war die Kulmregion bewohnt: Zeugnisse wie der Teil eines Steinbeils oder Feuersteinspitzen, aber auch Fragmente von Keramik belegen dies. Reichliche und vor allem qualitätsvolle Funde gibt es auch aus dem ersten vorchristlichen Jahrtausend, der Zeit der Kelten. Ein schon bei früheren Grabungen gefundenes Opferbeil aus Bronze zeugt davon, dass dieser Berg auch in den religiösen Vorstellungen der damaligen Menschen eine Rolle gespielt hat. Bis zur Zeit Karl des Großen um 800 nach Christi gibt es keine Fundstücke. Zur Karolingerzeit bevölkerten meist Slawen die "Flednitzregion", wie das Gebiet um dem Rauhen Kulm genannt wurde.

Über den Bau der mittelalterlichen Burg auf dem Kulm gibt es keine schriftlichen Quellen. Sie entstand wohl, um vor den immer wieder einfallenden Ungaren zu schützen. 1554 wurde die Burg von den Nürnbergern nach einjähriger Belagerung geschleift und nie wieder aufgebaut. Im 19. Jahrhundert erlebte der Rauhe Kulm durch den von Bayreuth aus betriebenen Tourismus eine neue Blüte, die bis zum Ersten Weltkrieg anhielt. In dieser Zeit wurde auch das Ausflugslokal "Sandberg" gebaut. Steil bergauf führte der Grabungsleiter dann seine Gäste, durch die Geröllhalde zu einem früheren Grabungsfeld am Tor der frühmittelalterlichen Burganlage. Der Weg war damals der einzige Zugang und alles benötigte Material musste mühsam von Maultieren hochgetragen werden. Erkennbar waren drei Torkammern und ein Turmfundament sowie Überreste von früheren Mauern. Danach führte Losert sie wieder zurück.

Anschließend zeigte der Wissenschaftler diesjährigen Funde. Keltische Keramikfragmente aus dem 5. Jahrhundert vor Christi, einen silbernen Armreif aus Ungarn (rund 1000 Jahre alt) und eine Scheibenfibel hatten die Studenten entdeckt. Eine bunte Schichtaugenperle erregte die Aufmerksamkeit der Exkursionsteilnehmer besonders. Losert schätzte ihr Alter auf 2500 Jahre. Sie stammt aus dem Osten des Mittelmeerraums. Dies belegt, dass schon in früherer Zeit Handelsbeziehungen bis nach Kleinasien bestanden.

Am unteren Ringwall liegt die erste Verteidigungsbefestigung am Fuße der Geröllhalde. Hier war auch heuer wieder der Schwerpunkt der Ausgrabungen. Dr. Hans Losert (rechts) berichtete, dass in diesem Bereich zwischen den angehäuften Vulkansteinen besonders viele Fundstücke entdeckt wurden. Anhand der Fundstücke konnte der erfahrene Wissenschaftler die Erdschichten der jeweiligen Epochen bestimmen.

Im letzten Jahr entdeckte eine Studentin des Grabungsteams neben der Rollbahn unterhalb der Blockhalde ein vermutlich eingefallenes Hügelgrab. Heuer möchte Dr. Hans Losert dieses Geheimnis lüften und begann damit, diese Grabstelle freizulegen. Bis jetzt konnten allerdings keine archäologischen Gegenstände gefunden werden.

Am Ende der Führung zeigte Dr. Hans Losert (rechts) einige Beispiele der diesjährigen Funde. Ein silberner Armreif gehörte vermutlich einem ungarischen Adeligen, den er beim Angriff auf die Burg am Rauhen Kulm verloren hatte.

Eine kleine bunte Schichtaugenperle erregte besonders die Aufmerksamkeit der Exkursionsteilnehmer. Dr. Losert schätzte ihr Alter auf 2500 Jahre. Sie stammt aus dem Osten des Mittelmeerraums.

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