19.08.2018 - 13:18 Uhr
Neustadt am KulmOberpfalz

Geschichtsunterricht in den Ferien

Einen Goldschatz haben sie nicht entdeckt. Aber trotzdem war die Stimmung bei den „Jungarchäologen“ bestens, denn sie fanden sehr alte Fragmente von Keramik. Der Förderverein Rauher Kulm hatte Kinder eingeladen, an der Grabung mitzumachen.

Kinder aus der Kulmregion, aus Nürnberg, aus München und sogar aus Berlin nahmen die Gelegenheit wahr, während ihrer Ferien praktischen Geschichtsunterricht bei der archäologischen Ausgrabung am Rauhen Kulm zu erleben. Käthe Pühl (rechts) vom Förderverein Rauher Kulm und der Grabungsleiter Dr. Hans Losert (links) hatten dieses besondere Ferienprogramm organisiert. Interessiert ließ sich Bürgermeister Wolfgang Haberberger (Mitte) die Fundstücke erklären.
von Autor OWProfil

Neustadt am Kulm. (OW) An zwei Nachmittagen durften Kinder unter Anleitung des Grabungsleiter Dr. Hans Losert und seinem Team von Archäologiestudenten nach Zeugnissen aus der Vergangenheit suchen. Nach einer kleinen Einweisung durch die Vorsitzende des Fördervereins Käthe Pühl und durch den Grabungsleiter wurde jedes Kind mit einer kleinen Kelle ausgerüstet. Dann wurden kleinere Gruppen gebildet und diese verteilten sich im Grabungsfeld.

Dass die archäologische „Schatzsuche“ ein mühsames Unterfangen ist, merkten die Kinder bald. Mit der Kelle durften sie vorsichtig den Boden abkratzen. Wenn sie dann auf ein Hindernis stießen, war Vorsicht geboten. Meist entpuppte sich der Fund dann auch als Gesteinsstück aus vulkanischer Brekzie (eine Art von Lavagestein). Aber einige hatten Glück und fanden auch kleine Bruchstücke aus Keramik. Diese wurden nach Fundort getrennt in kleinen Tütchen aufbewahrt. Die abgekratzte Erde sammelte jede Gruppe in Eimern. Diese siebte dann wenig später Käthe Pühl, um zu verhindern, dass auch kleinste Fundstücke übersehen wurden.

Der Archäologieprofessor überprüfte jeden Fund und konnte auch gleich das Alter des unscheinbaren Keramikstückes angeben. Der erfahrene Archäologe erkannte dies anhand der Form, an den darauf abgebildeten Ornamenten oder an der Art der Glasur. Die Fundstücke der Kinder stammen aus unterschiedlichen Epochen. Die ältesten wurden bereits vor 3500 Jahren in der Bronzezeit gefertigt, die jüngsten im Mittelalter.

Am Grabungstag herrschten ideale Wetterbedingungen. Während es in Neustadt sommerlich heiß war, wehte auf dem Rauhen Kulm immer eine kühler Wind. Im Schatten der Bäume machte es den Kindern richtig Spaß, „wissenschaftlich“ zu arbeiten. Sie hatten auch viele Fragen, die Dr. Hans Losert mit großer Geduld kindgerecht beantwortete.

Bei der Einweisung der Kinder zeigte Dr. Hans Losert einige Fundstücke aus der diesjährigen Grabung.
Links ein Randstück einer karolingischen Keramik, zirka 1000 Jahre alt.
Rechts ein vorgeschichtliches Keramikfragment aus der Bronzezeit, zirka 3500 Jahre alt.
Mitte: Ein silberner Armreif aus Ungarn, zirka 1000 Jahre alt. Er wurde bereits im letzten Jahr gefunden.

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