08.12.2019 - 15:05 Uhr
Neustadt am KulmOberpfalz

Käthe Pühl aus Neustadt am Kulm scheidet nach 36 Jahren aus der Landessynode aus

36 Jahre lang war Käthe Pühl (66) aus Neustadt am Kulm Synodale in der evangelischen Landeskirche. Sechs Wahlperioden lang war sie für Regensburg im evangelischen Kirchenparlament. Jetzt hörte die starke Stimme Ostbayerns auf.

Käthe Pühl.

Im deutschen Protestantismus ist "Käthe" Programm. Luthers Frau hieß so, und so lautet auch der Vorname von Käthe Pühl. Wenn man sie darauf anspricht, verweist sie auf ihre Großmutter, nach der sie benannt worden sei. Den Vergleich, Luthers Käthe für Ostbayern zu sein, pariert sie gelassen. "Ich habe mich nie so empfunden", sagt Pühl. 36 Jahre lang war sie Mitglied der bayerischen Landesynode und die starke Stimme Ostbayerns. Für die neue Amtsperiode steht die 66-Jährige nicht mehr zur Verfügung.

Bereits mit 31 Jahren wurde Pühl zum ersten Mal in die bayerische Landessynode gewählt. In der nächsten Periode saß sie schon im

Finanzausschuss, dem sie bis heute angehört hat. 36 Jahre lang, also sechs Mal sechs Wahlperioden, gestaltete sie die Anliegen und die

Arbeit der evangelischen Kirche in Bayern mit, ehrenamtlich und als Frau aus Ostbayern.

In den Gremien habe sie versucht, "etwas für die Kirche zu bewegen" und die Entscheidungen der Landessynode "mit dem Leben in

den Gemeinden" in Verbindung zu bringen, "auch wenn dies manchmal ein Spagat war". Seit 1990 gehörte Pühl dem Finanzausschuss an, der auch unliebsame Entscheidungen habe fällen müssen. "Damals mussten wir querbeet mit dem Rasenmäher sparen." Im Jahr 2003 wurde erneut eine Spar-Runde von über 90 Millionen Euro eingeläutet. "Giftliste" habe man das Streichkonzert intern genannt. Dennoch habe es sich gelohnt: "Die Kirche hat Kurs gehalten, weil die Entscheidungen in den Gremien verantwortungsvoll abgewogen wurden, so dass wir schuldenfrei sind und als Kirche viel bewegen können."

Die Anfänge in der Synode erschienen ihr nicht immer einfach. So sei es damals "sehr steif und formal" zugegangen. Im Lauf der Jahre

verstand sie aber schon besser, "wie Kirche tickt", sagt Pühl. Der Umgang miteinander sei heute auch "viel freier und ungezwungener".

Inzwischen sei sie "mit der halben Synode per Du." Selbst mit dem Landeskirchenrat, dem obersten Leitungsgremium, sei es ein

"Miteinander und kein Gegeneinander" gewesen, sagt sie.

Viele Themen hätten sich im Lauf der Jahrzehnte wiederholt, manches stünde aktuell wieder auf dem Programm - etwa, wenn es um die

Frage der Berufung gehe. Das habe auch damals schon im Nachgang zur Lima-Erklärung von 1982 eine Rolle gespielt. Damals war die

ökumenische Konvergenzerklärung zu den Themen Taufe, Abendmahl und Amtsverständnis verabschiedet worden. Heute frage man sich wieder: "Wer darf welche Sakramente in der Kirche verwalten, wem sind welche Aufgaben anvertraut?"

Aber auch der Anteil der Frauen im evangelischen Kirchenparlament hat in den Anfängen ihrer Amtszeit eine Rolle gespielt. 1985 war die

Frauenordination in der evangelischen Kirche gerade einmal zehn Jahre alt. In den 1990er-Jahren gab es eine starke Frauengruppe aus dem

Kirchenkreis Regensburg im Kirchenparlament. "Aber in den vergangenen Jahren war ich wieder nur die einzige Frau." Heute sind etwa ein

Drittel der Synodenmitglieder weiblich. "Wenn man jetzt die Zahlen genauer anschaut, dann stagniert der Frauenanteil eigentlich wieder",

sagt Pühl. In den 1980er-Jahren diskutierte man das Thema der frauengerechten Sprache. "Und das diskutieren wir heute auch wieder."

Die Kirche müsse zu den Menschen gehen und sie in ihrem Alltag wahrnehmen, davon ist Pühl überzeugt. "Weil sich die Kirche nicht vor

dem verschließen kann, was die Gesellschaft mit den Menschen macht", sagt sie. Kirche muss nach ihren Angaben der Gesellschaft den Spiegel vorhalten. "Wer sollte es sonst tun", sagt Pühl, die der Kirche einen starken gesellschaftspolitischen Auftrag zuschreibt.

Pühl kann kämpfen, wenn es um die Sache geht. Sie sei aber keine gewesen, die im Plenum ständig am Mikrofon stand. "Ich bin keine

Frontfrau", sagt sie. Ihre Stärke habe in der Arbeit im Ausschuss gelegen, "alles, was man so von der zweiten Reihe aus machen kann".

Im Rückblick sei ihre Zeit als Synodalin "eine spannende, wichtige und sehr gute Zeit" gewesen, sagt Pühl, und "persönlich sehr

bereichernd". Sie sei "wunderbaren Menschen" begegnet. "Das ist ein richtiger Schatz, den ich mitnehmen kann."

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