18.08.2019 - 13:02 Uhr
Neustadt am KulmOberpfalz

Kirche bewegt - eine spirituelle Abendwanderung um den Kulm

Der Einladung zur besinnlichen Abendwanderung sind am Wochenende in Neustadt am Kulm viele Gemeindeglieder gefolgt. Neben dem herrlichen Naturerlebnis erhielten die Wanderer auch geistige Nahrung von Pfarrer Klausfelder.

An der Friedhofskirche beginnend, führte Pfarrer Klausfelder die Wanderer rund um Neustadt am Kulm.
von C. & W. RupprechtProfil

Die Kirche im Allgemeinen bewegt immer wieder die Gemüter. Kirche will bewegen, nämlich die Gläubigen anregen, das Richtige zu tun und auf Gott zu vertrauen. Kirche bewegt und stärkt Geist und Seele. Nicht jeder findet den Zugang im üblichen Gottesdienst. Deshalb bietet die Evangelische Kirchengemeinde Neustadt am Kulm mit der Reihe "Kirche bewegt" neue Angebote für alle an, die den Glauben und den Sinn des Lebens suchen.

Nach der Radtour im Juli wurde nun eine Abendwanderung rund um das Kulmstädtchen angeboten. Gestartet wurde am Friedhofsplatz, direkt unterhalb der Friedhofskirche. Obwohl vom Westen dunkle Wolken aufzogen, durfte Pfarrer Hartmut Klausfelder 28 Wanderer begrüßen. Passend zu den Wolken am Himmel wies er auf das Thema der besinnlichen Wanderung hin: "Lebenswasser". Ohne Wasser ist kein Leben auf der Erde möglich. Alles hängt vom Wasser ab.

Er erklärte, dass die meisten Menschen den Friedhof als Endstation sehen. "Nach der christlichen Überzeugung eröffnet das Sterben aber einen neuen Anfang. Deshalb startet die Abendwanderung hier", erklärte Klausfelder. "Auf katholischen Gräbern befinden sich Behälter mit Weihwasser, das auf den Gräbern versprüht wird. Das ist ein schönes Symbol für das Wachsen und neues Leben. Weihwasser dient auch der Erinnerung an die Taufe. Die Verbindung zu Gott durch die Taufe kann auch der Tod nicht auslöschen."

Heilendes Wasser

Mit dem Pilgerstab in der Hand führte Klausfelder seine Wandererschar zum Neuweiher. Während es leicht tröpfelte, erzählte er das Märchen vom Lebenswasser (Hintergrund). Darin machte man sich Gedanken, ob ein ewiges Leben auf Erden sinnvoll ist. Am wohl schönsten Aussichtspunkt unterhalb des Ortes wurde im Wechsel der 23. Psalm gebetet. "Der Herr ist mein Hirte .... Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser".

Gottes Fürsorge wurde in diesem Augenblick auch durch sein Zeichen - einem leichten Regenbogen, erkennbar. Weiter ging es zur alten Straße nach Eschenbach und an dieser entlang durch die Flur an den Feldern vorbei. Am Kirchenweiher wurde zum dritten Mal angehalten. Pfarrer Klausfelder erzählte die biblische Geschichte von der Heilung des Gelähmten am Teich Bethesda bei Jerusalem (Johannes 5).

Regenbogen wie bestellt

Dieser Mann wartete auf die Bewegung des Wassers, das nach seinem Glauben ein Engel aufwühlte. Doch er war zu langsam, um in das heilende Wasser zu gelangen. Als Jesus zum Teich kam, heilte er den Gelähmten durch seine Nähe und seinen Zuspruch ganz ohne Wasser. "Auch Martin Luther predigte: "Wasser alleine tut's freilich nicht, sondern das Wort Gottes und der Glaube, der das Wort annimmt!"

Die besinnliche und befreiende Wanderung endete zum Glockengeläut mit dem Vaterunser und dem Pilgersegen im Schulhof neben der Dreieinigkeitskirche. Anschließend saßen die Wanderer noch im Pfarrgarten bei sommerlichen Temperaturen zusammen und tauschten ihre Eindrücke der Abendwanderung aus. Körper, Geist und Gemüt hatten Nahrung erhalten. Die Teilnehmer freuen sich bereits auf die nächste besinnliche Abendwanderung.

HINTERGRUND:

Das Märchen vom Lebenswasser

(exb) Es war einmal ein König, der regierte sein Reich mir großer Weisheit. Seine Untertanen waren glücklich und zufrieden, denn sie hatten immer genug zu leben, und nie zerstörte ein Krieg ihre Städte und Dörfer. Der König verstand es nämlich, mit allen Nachbarn Frieden zu halten. Sie dachten mit Sorgen an den Tag, an dem er sterben würde.

Nun kam eines Tages ein Fremder ins Land, der hatte einen seltsamen Schatz zu verkaufen: ein Fläschchen mit Lebenswasser. "Wer davon trinkt," - sagte er - "der wird weiterleben bis zum Untergang der Welt." Da bedrängten die Bewohner des Reiches ihren König, das Lebenswasser zu erwerben und davon zu trinken. Der König wollte nichts übereilen, und er befragte zunächst seine Ratgeber und auch seine Diener.

Es fand sich aber unter ihnen kein einziger, der ihm abgeraten hätte, das Wasser des Lebens zu trinken. Alle stellten sich vor, wie schön es wäre, ohne ständige Angst vor dem Tod weiter zu leben. Der König aber blieb unschlüssig und ging hinaus in den Wald, um die wilden Tiere zu befragen. Aber auch sie fanden es schön, immer weiter zu leben. Nun begab sich der König in den Schlossgarten und erzählte den Vögeln von dem Wasser des Lebens. " Was ratet ihr mir?" fragte er sie. Aber die kleinen Vögeldachten an ihr fröhliches Dasein und wie kurz es war und riefen: "Trink! Trink! Trink!"

Der König konnte sich noch nicht entschließen. Er ließ bekanntmachen: Jeder Mann im ganzen Königreich, der mir in dieser Sache einen Rat geben will, wird angehört. Lange kam niemand. Schließlich meldete man dem König einen alten Einsiedler. Der König ließ ihn eintreten. "Ich bin gespannt, was du mir zu sagen hast", meinte er. "Bisher habe ich von allen immer das gleiche gehört." "Wie ist das?", sagte der Alte. "Ist das Wasser des Lebens nur für dich bestimmt oder auch für deine Kinder, deine Freunde, für alle Menschen, die dir teuer sind? Wenn es so ist, dann trink!

Wenn du aber der einzige bist, der bis ans Ende der Tage leben soll, dann trink nicht! Denn bedenke, wie das ist, wenn alle rings um dich fortgehen und nicht mehr zurückkommen: deine Frau, deine Kinder. Was ist das für ein Leben, das du auf diese Weise gewinnst? Ein ständiger Schmerz, gegen den der Tod als Gnade erscheint. Da rief der König: "Ich werde das Wasser des Lebens nicht trinken." Vom Fremden und seiner Gabe hat man nichts mehr gehört.

28 Wanderer begaben sich mit Pfarrer Klausfelder auf den Weg.
Am Neuweiher angekommen, erzählte der Geistliche das Märchen vom Lebenswasser.
So mancher Blick zurück eröffnete eine völlig neue Perspektive von Neustadt am Kulm. Immer stand aber die markante Dreieinigkeitskirche, die ja zu den Markgrafenkirchen gehört, im Mittelpunkt.
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