22.07.2018 - 18:23 Uhr
Neustadt am KulmOberpfalz

Ein Symbol, das verbindet

Replik des slawischen Taufkreuzes vom Rauhen Kulm wird vorgestellt.

Käthe Pühl vom Förderverein Rauher Kulm (mit Replik des Taufkreuzes, links) und Thomas Englberger von der Internationale Begegnungsstätte Kloster Speinshart (rechts) stellten im Rahmen einer kleinen Feierstunde in den Räumen der archäologischen Ausstellung eine Replik des im Jahre 2008 am Rauhen Kulm gefunden slawischen Taufkreuzes vor.
von Autor OWProfil

(ow) Es ist ein einmaliges Zeugnis für die Anfänge des christlichen Glaubens in unserer Region: das sogenannte Missionskreuz aus dem achten Jahrhundert, entdeckt am Rauhen Kulm. Thomas Englberger von der Internationalen Begegnungsstätte Kloster Speinshart hatte die Idee, gemeinsam mit dem Förderverein Rauher Kulm eine Nachbildung (Replik) von diesem regionalen Denkmal des Christentums anfertigen lassen. Zur Präsentation lud dessen Vorsitzende Käthe Pühl in die Räume der archäologischen Ausstellung ein.

In ihrer Ansprache beschrieb sie den vor zehn Jahren gemachten sensationellen Fund. 2008 hatten die Archäologen erstmals auch an dem oberen Wall über der Basaltblockhalde gegraben. Als das Team unter Leitung von Dr. Hans Losert bereits den Abschluss vorbereitete, entstand plötzlich Aufruhr in der Mannschaft: Ein an der Grabung beteiligter Gymnasiast aus Bayreuth fand beim Aussieben der Erde ein winziges Kreuz, etwa drei Zentimeter groß. Zunächst herrschte bei den Studenten Ratlosigkeit. Als jedoch Losert das Fundstück begutachtete, war klar, dass es sich um ein slawisches Taufkreuz handelte.

Das im Torbereich der Oberburg des Rauhen Kulmes entdeckte gleicharmige Kreuz aus Blei hat eine kleine Bohrung und wurde deswegen wahrscheinlich als Anhänger um den Hals getragen. Im achten Jahrhundert wurden derartige Kreuze im Zuge der Missionierung bei der Taufe überreicht. Die Getauften hatten so ein sichtbares Zeichen für ihren neuen, christlichen Glauben bei sich.

Thomas Englberger informierte anschließend über die Idee, dieses Zeichen des Glaubens auf die heutige Zeit zu übertragen. Nachdem sich heute die christlichen Kirchen wieder annähern, sah er in dem gemeinsamen Projekt ein verbindendes Symbol zwischen dem evangelischen Neustadt am Kulm und dem katholischen Kloster Speinshart.

Gefertigt wurde die Replik in der Abtei Münsterschwarzach. Wegen Vergiftungsgefahr wurde sie nicht wie das Original aus Blei gegossen, sondern aus Bronze. Es gibt zwei Versionen. Das Kreuz zum Umhängen ist mit einem Loch und einem Lederfaden versehen und kostet 19,50 Euro, das Kreuz ohne Loch 18,50 Euro.

Angeboten wird das kleine Kreuz in einem Stoffsäckchen, in dem auch eine Beschreibung des Originals enthalten ist. Erhältlich ist es im Klosterladen in Speinshart, in der archäologischen Ausstellung im Schulhaus von Neustadt am Kulm sowie beim Förderverein Rauher Kulm.




Das Original des slawischen Taufkreuzes kann in den Räumen der archäologischen Ausstellung im Schulhaus in Neustadt am Kulm besichtigt werden. Das unscheinbare Kreuzchen aus dem 8. Jahrhundert wurde im Jahre 2008 bei einer Grabung an der Oberburg am Rauhen Kulm gefunden.

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