15.12.2019 - 13:50 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Alarmglocke schrillt bei Südtiroler Weihnacht

„Es ist schon wieder Weihnachten“. Unter diesem Motto geben sich Musikanten und Sänger aus dem Grödnertal und dem Berner Oberland mit einer für Gäste und Künstler unerwarteten Überraschung zur „Südtiroler Weihnacht“.

„Oesch’s die Dritten“ aus dem Berner Oberland könne nicht nur hervorragend jodeln, sondern überbrücken auch profihaft die Pause, die durch einen Alarm in der Stadthalle ausgelöst wurde.
von Redaktion ONETZProfil

Ob als Solo, Duo oder Quintett bis hin zum Oktett - die Akteure trafen mit ihren Melodien in der Stadthalle mit ihrem dreistündigen Programm genau den Gusto der zahlreich erschienenen, überwiegend älteren Freunde der volkstümlichen Musik und der Berge. Für über drei Stunden zauberten sie zusammen mit dem Bühnenbild eines weihnachtlich dekorierten Wohnzimmers und überdimensionalen Fotomotiven eine wohlige Atmosphäre mit Erinnerungen und Sehnsüchten herbei. Kein Wunder, dass sich die Besucher nicht zweimal bitten ließen, mitzuklatschen, zu schunkeln oder mitzusingen. Wann kann man seine Lieblinge so intensiv live miterleben oder ihnen am umlagerten Fanartikelstand, an dem auch Südtiroler Wein und Speck reißend Ansatz fanden, hautnah begegnen?

"Die Ladiner", das sind Joakin Stuffer aus St. Ulrich mit seiner angenehmen Tenorstimme und dezenten Gitarrenbegleitung sowie Otto Denetz aus St. Christina mit virtuosen Keyboard- und Akkordeonklängen. Sie eröffneten den ersten, eher weltlich geprägten Teil und zusammen mit allen Akteuren nach der Pause bei "Jetzt fangen wir zu singen an" den weihnachtlichen Part des Konzerts, das sie mit überwiegend zu Playback vorgetragenen Liedern umklammerten.

Ihr Können bewiesen die Beiden besonders A-capella. Man nimmt ihnen problemlos die Aussagen ihrer Texte ab. Eine kleine geschnitzte Holzfigur als Talisman leitete über zum Ohrwurm "Bring mir Glück, Schornsteinfeger". An den sieben Jahre in russischer Gefangenschaft gewesenen Vater erinnerte "Hinter der Wolga". Als Hymne an das Alter erwies sich der Grand-Prix-Hit "Beuge dich vor grauem Haar". Der Tradition verpflichtet erklang ein Adventslied in ladinischer Sprache.

Schon als Siebenjährige trat Joakins Tochter Nicol Stuffer erstmals mit den "Ladinern" im Fernsehen auf. Nun geht die junge Frau mit ihrem ersten Solo-Album "Wenn zwei Herzen sich berühren" eigene Schritte im Musikbusiness. Mit ihrer prägnanten, hellklingenden Popstimme widmet sie sich besonders dem volkstümlichen Schlager.

Kuss vom Aschenbrödel

Im Duett mit dem Vater sang sie "Zum letzten Mal an deiner Hand", gedachte mit "Fang das Licht" des heuer verstorbenen Karel Gott, brachte ihre Gesangskünste beim nur von Joakin an der Gitarre begleiteten, mehrfach modulierenden Lied "Die Glocken von Rom" voll zum Ausdruck und beglückte die Gäste mit der Aschenbrödel-Version "Küss mich, halt mich, lieb mich".

Zu den Stars des Abends avancierte die Schweizer Jodlerfamilie "Oesch's die Dritten" gleich aus mehreren Gründen. Zum einen überzeugte sie mit unverkennbarer Live-Musik. Vater Hansueli an der kleinen Harmonika, die Söhne Kevin und Mike an der Gitarre und am E-Bass sowie Mutter Annemarie und Tochter Melanie als Sängerinnen interpretierten Evergreens wie "Wenn wir twisten auf den Pisten" oder Jan&Kjelds "Banjo Boy".

Begeisterungsstürme rief zu Recht die "Jodelkönigin" Melanie, der zudem zum Geburtstag ein Ständchen gebracht wurde, mit ihrer phänomenalen Stimmakrobatik hervor. Ihr häufiger, kunstvoller Wechsel in die Falsettstimme, ein weiter Tonumfang und große Intervallsprünge prägten Lieder wie "D'r Tag isch vagange" oder "Ich schenk dir einen Jodler".

Alarm in der Halle

Und dann zeigte sich die Professionalität des Ensembles und insbesondere von Melanie, die gerade eine Weihnachtsgeschichte vorlesen wollte. Für über zehn Minuten schrillte der Notausgangalarm. Sie beschrieb den Ton so, als würde der Bademeister seine Pfeife nicht aus dem Mund bekommen, schlug zur Überbrückung einen Schwyzerdütsch-Kurs vor, sang spontan mit den Zuhörern "Der alte Jäger vom Silbertannental" und holte ihre Familie auf die Bühne, um mit dem vom Publikum gewünschten, nicht eingeplanten Bravourstück "Ku-Ku-Jodel" das störende Geräusch zu minimieren. "Nai-stadl, diesen Abend werde ich nie vergessen." Und das traf wohl im positiven Sinn auch auf alle im Saal zu.

„Die Ladiner“ starten den Südtiroler Abend.
„Oesch’s die Dritten“,
Joakin von den Ladinern singt im Duett mit Tochter Nicol Stuffer.
„Die Ladiner“
„Die Ladiner“
Nicol Stuffer, die Tochter des Ladiner-Sängers Joakin, bezaubert die Gäste mit Solopartien.
Nicol Stuffer, die Tochter des Ladiner-Sängers Joakin, bezaubert die Gäste mit Solopartien.
„Die Ladiner“
„Oesch’s die Dritten“
„Oesch’s die Dritten“
„Oesch’s die Dritten“
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