15.11.2019 - 17:54 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Arbeitskräfte und Gewerbeflächen gesucht

Nur Small-Talk? Das wäre zu wenig für die Premiere des Wirtschaftsempfangs des Landkreises Neustadt/WN. Landrat Andreas Meier holt einen Zukunftsforscher und lässt die Ergebnisse der Unternehmerbefragung präsentieren. Appelle inclusive.

Landrat Andreas Meier (Mitte) im Gespräch mit Ulrich Dewald (links) und Zukunftsforscher Ronald Zehmeister.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Mit einer Arbeitslosenquote von drei Prozent herrsche im Landkreis Neustadt "fast Vollbeschäftigung", stellt Landrat Meier fest, der rund 100 Unternehmer in der Stadthalle begrüßen konnte. "Wir kratzen sogar an der 2,5-Prozent-Marke." Der Pferdefuß: Die Unternehmen suchen qualifiziertes Personal und zwar oft lange und vergeblich.

550 offene Stellen, allerdings nur 45 für Hochschulabsolventen, gebe es derzeit bei den 208 Betrieben (mit 6815 Beschäftigten), die sich an der Umfrage der Gesellschaft für angewandte Kommunalforschung beteiligten.Insgesamt waren 1027 Betriebe um Teilnahme gebeten worden.

Fehlende Attraktivität

Dewald öffnete den Blick auf das noch vorhandene Arbeitskräfte-Reservoir, das es zu heben gebe: Und das liegt bei den Frauen. Mit einem besseren Betreuungsangebot für Kinder, aber auch für Senioren, könnten sie von ihren "familiären Aufgaben" entlastet, und viele von der Teil- in die Vollzeit geholt werden. Dewald empfiehlt die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer, eine intensive Aus- und Weiterbildung, aber auch flexiblerer Arbeitszeitgestaltung, "finanzielle Anreize" sowie die "Ausrichtung der Arbeitsprozesse auf die Bedürfnisse von Eltern."

Studienabbrecher zurückholen

Übrigens: Die Stellenbesetzung bei - schlecht verdienenden - Ungelernten ist schwieriger als bei Hochschulabsolventen. Als Problem für die Einstellung sehen viele Unternehmer "zu hohe Gehaltsforderungen" oder die fehlende Bereitschaft zu einem Ortswechsel. Fast ebenso viele räumen aber auch eine fehlende Attraktivität, Bekanntheit des eigenen Unternehmens ein .

Erstaunlich ist: Handel und Hand werk stellen nur gemeinsam so viele Ausbildungsplätze wie Industrie. Duales Studium ist auf dem Vormarsch. Zugleich aber "versickern" etwa Studienabbrecher im Nirgendwo. Sie sollen in die Region zurückgeholt und ebenso wie Studenten für eine Lehre gewonnen werden.

Die "Standortzufriedenheit" der Unternehmen liegt mit der Note von 2,34 auf einem guten Niveau, vergleichbar mit dem Landkreis Wunsiedel, Nürnberg-Land und nur 0,13 Noten schlechter als im Landkreis München. Besonders gut bewertet werden die Lebensqualität (2.03), örtliche Verkehrsanbindung/Straßen (2, 31), Schulangebote (2,34). Defizite sehen die Unternehmen in der Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitskräften (3,61), der Nähe zu Forschungseinrichtungen (3,57) und öffentlicher Nahverkehr bei Bus-/Bahn mit (3,53). Mit der Breitband-Initiative nimmt sich der Landkreis eines wichtigen Problems an, das bei vielen Betrieben noch für Unmut sorgt. Inzwischen, so versichert Meier, seien alle Kommunen in Förderprogrammen verankert. Allerdings bilde der nötige Tiefbau für die Glasfaser-Verlegung einen "Flaschenhals".

Wirtschaftsförderung gefragt

Die nicht anonymisierten Umfrageergebnisse geben der Wirtschaftsförderung der Landkreises auch Hausaufgaben aus. Die Betriebe wünschen sich eine bessere Vernetzung und Unterstützung bei Förderanträgen. 64 Prozent von ihnen wollen neue Mitarbeiter einstellen, ein gutes Fünftel den Standort erweitern oder eine Filiale gründen. Aber: 17 Prozent möchten den Standort verlagern, zehn Prozent der Beschäftigten abbauen und acht sogar einen Standort schließen. Die Hälfte will neue Dienstleistungen, Produkte und Prozesse einführen, ein gutes Fünftel plant die Betriebsübergabe.

Die expandierenden Firmen melden für die nächsten drei Jahre einen Gewerbeflächenbedarf von 84 172 Quadratmeter an. "Das ist zu bewältigen", sagt dazu Meier. Der kurzfristige Bedarf liegt bei 5,4 Hektar. Bericht folgt

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Sonja Schuhmacher

In Weiden und im Landkreis fehlen offenbar qualifizierte Arbeitskräfte, auch der öffentliche Nahverkehr lässt nach Meinung von Unternehmern zu wünschen übrig. Trotzdem hält die Stadt Weiden hartnäckig an ihrem Plan fest, „für Arbeitsplätze“ 70 Hektar artenreichen Wald umzulegen - das verstehe wer will. Statt für dieses (klima-)schädliche Vorhaben hunderttausende Euro zu verschwenden, wäre es doch sinnvoller in den ÖPNV und in die Lebensqualität zu investieren, damit Arbeitnehmer gerne hier leben.

16.11.2019