18.10.2018 - 11:12 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

"Ascherl-Wirtshaus": Ochsenfiesl als Streitschlichter

Kantine, Lebensmittelladen und Ort der Ruhe nach harter Arbeit: All das verkörperte die Gastwirtschaft "Zur Glashütte". Vor allem für Glasmacher war das Lokal ein wichtiger Anlaufpunkt - bei Tag und auch bei Nacht.

Die Wirtschaft "Zur Glashütte" vereinte auf der Bauerhütte Gastwirtschaft, Kantine und Lebensmittelladen unter einem Dach. Oft gab es im Saallettl gesellschaftliche Veranstaltungen der Glasmacher.
von Hans PremProfil

Wer schwer arbeitet, muss auch essen und trinken. Das war das Motto des Glasfabrikanten Julius Bauer. 1894 erwarb er vom "Sonnen Wirtshaus" die Tafernengerechtigkeit und übertrug sie auf seine Glashütte, die Bauerhütte. Zunächst wurde in der Arbeiterwohnung von Barbara Walbert zu kalten Speisen Bier ausgeschenkt.

Der Magistrat der Stadt stellte damals jedoch den Betrieb der "Marketenderei" ein, weil die Räume nicht den Erfordernissen entsprachen. 1905 wurde deswegen neben der Bauerhütte ein neues Wirtshaus gebaut, das auch die Firma Tritschler (Hermannhütte) mit versorgte. Gastwirt wurde Georg Ascherl. Er stammte aus der Gemeinde Wassersuppen im böhmischen Kreis Taus.

Junge Frau mit fester Hand

Nach dessen Tod übernahm seine noch junge Witwe Anna den gastwirtschaftlichen Betrieb. Das durstige Volk der Glasmacher brauchte so manches Mal eine feste Hand. Anna musste als Gastwirtin in ihrer Wirtschaft immer wieder Streit schlichten. Nach mündlichen Überlieferungen gebrauchte sie, wenn nötig, auch den "Ochsenfiesl", um SAuseinandersetzungen zu schlichten.

Die Glasmacher arbeiteten damals in drei Schichten. So gab es im "Ascherl-Wirtshaus" warmes Essen zu jeder Tages- und Nachtzeit. Es herrschte ein reges Kommen und Gehen. Die Ersten kamen schon vor Sonnenaufgang, die Letzten gingen spät in der Nacht. Bar bezahlen brauchte man nicht.

In der Wirtschaft konnten die Gäste alles anschreiben - nicht nur die Zeche, sondern auch Eier, Mehl, Zucker, Fleisch, Wurst oder Brot. In der Gastwirtschaft war alles erhältlich, was eine Familie zum Leben brauchte. Abgerechnet wurde am Zahltag über das Lohnbüro der Glashütte.

Da die schwere Arbeit am Ofen durstig machte, blieb bei manchen Arbeitern am Monatsende nicht viel übrig in der Lohntüte. Der eine oder andere hatte den ganzen Monat über fast alles verzecht. Zum Wirtshaus gehörte auch der "Saalettl". Ein Saal, in dem häufig gesellschaftliche Veranstaltungen mit Musik stattfanden. Als sich die Firma Schrenk & Co damals auflöste, wurde die Gaststätte geschlossen. Viele Hütterer trauerten sowohl der Gastwirtschaft als auch der resoluten Wirtin nach.

Georg Ascherl war Pächter der Wirtschaft "Zur Glashütte". Nach seinem Tod führte seine Witwe Anna den Betrieb weiter.
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