13.12.2018 - 13:19 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Baxi fährt künftig auch im Landkreis Neustadt/WN

Der Landkreis Neustadt/WN bekommt ein Baxi-System. Das wird ihn in den ersten fünf Jahren zwei Millionen Euro kosten. Der Kreistag stimmte mit großer Mehrheit für die Einführung. Nur eine Fraktion hält wenig davon.

Wie viele solcher Kleinbusse als Baxis nächstes Jahre zwischen Eslarn und Kirchenthumbach unterwegs sein werden, steht noch nicht fest. In der Diskussion sind für kleine Gebietsradien auch E-Baxis.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Im Frühjahr hatte das Landratsamt mit der Regionalbus Ostbayern (RBO) ermitteln lassen, wie sich die Bürger einen verbesserten ÖPNV vorstellen. Dazu gab es eine Fragebogenaktion in allen Haushalten und sechs öffentliche Workshops. Die Resonanz war mit 8,53 Prozent Rücklauf nicht berauschend, aber auch nicht schlechter als in anderen Gebieten. Zudem schrieb das Amt 500 Betriebe an und fragte, was den ÖPNV für die Mitarbeiter attraktiver machen könnte. Hier lag der Rücklauf bei immerhin 16 Prozent.

Die Auswertung ist abgeschlossen. Das Handlungskonzept stellte Ludger Jürgens von der RBO am Mittwoch dem Kreistag vor. Es sieht 34 227 zusätzliche Fahrten pro Jahr an sieben Wochentagen in allen Landkreisteilen vor. Dazu kommen 120 neue Haltestellen.

Der Landkreis wird dazu in zehn Sektoren eingeteilt. Bedient werden sollen sie von "Baxis", wie der Name sagt eine Kombination aus Bus und Taxi. Es handelt sich dabei um Anrufbusse, bei denen sich der Fahrgast mindestens eine Stunde im Voraus anmeldet. Er wird dann an der Baxi-Haltestelle abgeholt und später zu Hause abgesetzt. Ein Baxi sieht aus wie eine Art Großraumtaxi und ist meist ein Achtsitzer.

Dieses System soll den bisher bestehenden ÖPNV ergänzen. Der Vorteil: Besonders kleinere Orte werden besser an größere angebunden. Vor allem Senioren haben so die Möglichkeit, besser zum Arzt oder zum Einkaufen zu kommen. Überdies ist ein Baxi schneller, weil es nur dort hält, wo die Fahrgäste hin wollen und nicht wie der Linienbus alle Haltestellen abklappern muss.

Den Fahrplan bis zur Einführung skizzierte die zuständige Sachgebietsleiterin Andrea Höning: Zurzeit laufen Verhandlungen mit der Regierung wegen Fördergeld, im Januar gibt es Gespräche mit Bus-, Mietauto- und Taxifirmen, danach werden die Linien ausgeschrieben. Das dauert drei bis vier Monate. "Es wird also Sommer bis zur Umsetzung."

Die gesetzliche Vorgabe lautet, das Baxi in das Waben-Tarifsystem Nordoberpfalz (TON) zu integrieren. Die Fahrt innerhalb einer Wabe kostet für Erwachsene 2,50 Euro. Der Baxi-Zuschlag könnte laut Jürgens ein bis zwei Euro betragen.

Für Fraktionssprecher Klaus Bergmann und die Grünen ist das zu viel. "Da kostet die Fahrt von Wabe zu Wabe 5 Euro. Da steigt keiner in den Bus ein, da packe ich meine Kinder ins Auto." Wenn man zweimal umsteigen müsse, käme es noch teurer. Zudem stelle er sich Fahrten vor, die beispielsweise von Kaltenbrunn nach Neualbenreuth, zum Fahrenberg oder zur Silberhütte führen.

"Das System ist an den Bedarfen der Bürger orientiert, nicht an Freizeitfahrten. Es kann niemals eine Vollabdeckung geben", erklärte Landrat Andreas Meier dazu. "Wenn Sie in München mit der U-Bahn von A nach B wollen, müssen sie auch zwei- oder dreimal umsteigen", ergänzte Andrea Höning. Albert Nickl (CSU) warf Bergmann vor, das Haar in der Suppe zu suchen, ehe das erste Baxi fährt.

Die Grünen-Fraktion stimmte folglich als einzige gegen die Einführung. Glühende Verfechter finden sich dagegen bei der SPD. "Das ist ein Anfang. Der bisherige ÖPNV ist ein Kracher, da brauchen Sie einen ganzen Tag von Eschenbach nach Neustadt", betonte Fritz Betzl.

Solche Entfernungen sollen auch über Landkreisgrenzen hinweg per Baxi schneller überbrückbar sein. Nach der Einführung soll Neustadt mit Tirschenreuth und Schwandorf verzahnt werden. Die früher stärker geförderten Tirschenreuther fahren bereits seit drei Jahren Baxi, im Kreis Schwandorf soll es im Frühjahr so weit sein. Zudem seien die Linien so ausgerichtet, dass Anschlüsse zu Bahnverbindungen gewährleistet werden. Im westlichen Landkreis ist eine Verbindung nach Pegnitz in der Überlegung, weil das viele Bürger wünschen.

Das Ganze ist nicht billig. Der Landkreis muss etwa zwei Millionen Euro in die Hand nehmen. 65 Prozent Förderung übernimmt der Freistaat im ersten Jahr, dazu kommen fünf Prozent, weil Neustadt als "Raum mit besonderem Handlungsbedarf" gilt. Die 65 Prozent reduzieren sich Jahr für Jahr um zehn Prozent. Das Programm läuft fünf Jahre. Höning ist aber zuversichtlich, dass der Freistaat darüber hinaus Mittel fließen lässt - vorausgesetzt die Bürger nehmen das Baxi wirklich an.

Landrat Andreas Meier, ÖPNV-Sachgebietsleiterin Andrea Höning, Wirtschaftsförderin Barbara Mädl und Ludger Jürgens von der Regionalbus Ostbayern (von links) präsentieren das neue ÖPNV-Handlungskonzept für den Landkreis.
Die geplanten Baxi-Sektoren:

1. Floß-Flossenbürg-Georgenberg (11 zusätzliche Fahrten an Werktagen); 2.Vohenstauß-Waldthurn-Theisseil-Neustadt/WN (8 Zusatzfahrten); 3: Eslarn-Waidhaus-Pleystein-Vohenstrauß-Georgenberg (10 Zusatzfahrten); 4. Moosbach-Tännesberg-Leuchtenberg-Vohenstrauß (10 Zusatzfahrten); 5. Kohlberg-Luhe-Wildenau-Pirk (8 Zusatzfahrten); 6. Kohlberg-Etzenricht-Mantel-Weiherhammer (9 Zusatzfahrten); 7. Eschenbach-Speinshart-Schlammersdorf-Kirchenthumbach mit Ast nach Pegnitz (10 Zusatzfahrten); 8. Trabitz-Speinshart-Schlammersdorf-Vorbach-Neustadt/Kulm (10 Zusatzfahrten; 9. Eschenbach-Trabitz-Pressath-Schwarzenbach (8 Zusatzfahrten); 10. Windischeschenbach-Kirchendemenreuth-Parkstein-Altenstadt/WN-Neustadt/WN-Störnstein-Püchersreuth (9 Zusatzfahrten).

Kommentar:

Baxi hat Chancen verdient

Das Schwierigste wird der Umstieg im Kopf. „Auf dem Land ist man halt aufs Auto angewiesen“, lautet eine Redensart. Die hat ihre Berechtigung, allerdings nicht in jedem Fall. Beispiel Landkreis Tirschenreuth: Bei der Baxi-Einführung im März 2014 saßen im Schnitt 900 Menschen pro Monat in den Kleinbussen. Heuer sind es 3500. Die Vorteile sprechen sich also herum.
Umso rätselhafter also, dass ausgerechnet die Grünen im Neustädter Kreistag die Fahne der Bedenkenträger am höchsten hissten. Ihre Tirschenreuther Parteifreunde können sich heute dafür feiern lassen, das Baxi als Gegenpol zum Individualverkehr mit auf die Spur gesetzt zu haben.
Ob das Baxi auch im Kreis Neustadt beschleunigt, hängt davon ab, dass es viele ausprobieren. Die magere Rücklaufquote der Bürgerbefragung lässt darauf schließen, dass noch etliche Vorurteile gegen den ÖPNV im Umlauf sind. Das könnte sich in Zeiten, in denen die Bahn das günstige Oberpfalz-Ticket abschafft, ändern. Erst recht, sollte eines Tages ein dichtes Baxi-Netz zwischen Wondreb und Teublitz geknüpft sein.

Friedrich Peterhans

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