24.05.2018 - 09:39 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Ein bayerischer Patriot

Wenzel Wiedenhofer ist ein echtes Neustädter Kind. Zur 800-Jahr-Feier der Stadt erinnert Stadtarchivarin Ursula Wiechert in einer Rückschau an den bedeutenden Kreisstädter.

Der Neustädter Wenzel Wiedenhofer.
von Externer BeitragProfil

(exb) 1818 erblickte im „Alten Schloss“ in Neustadt/WN Wenzeslaus Wiedenhofer das Licht der Welt. Er war das fünfte von zehn Kindern des Advokaten und Stadtsyndikus Thomas Wiedenhofer und seiner Ehefrau Anna. Mitglieder der Familie Wiedenhofer tauchen erstmals auf im 15. Jahrhundert als Lehensträger der Paulsdorfer auf dem Wiedenhof, einem bei Neustadt/WN gelegenen Einödhof. Ab dem 16. Jahrhundert bekleidet die Familie in der Stadt Neustadt immer wieder wichtige Funktionen. So als Stadtrichter, Stadtschreiber, Bürgermeister und als kaiserliche Notare.

Auch Wenzel Wiedenhofer, der nach seiner schulischen Ausbildung in Amberg ein Jurastudium in München abschließt, lässt sich als Advokat in seiner Heimatstadt nieder. Das Alte Schloss, das bis zum Jahre 1879 im Besitz der Familie verblieb, ist deswegen auch als „Advokatenhaus“ bekannt.

Überregionale Bedeutung erlangte Wiedenhofer durch sein politisches Engagement. Er kam 1849 in den bayrischen Landtag. Mit seinen 31 Jahren gehörte er zu den jüngsten Abgeordneten des Hauses. Bis 1869 er gehörte er dem Landtag als Abgeordneter, zunächst für den Wahlbezirk Kemnath, ab 1863 als Vertreter des Wahlbezirks Tirschenreuth, an.

Vom Beginn an brachte sich der wortgewandte und rechtskundige Abgeordnete Wiedenhofer in Gesetzgebungsprozesse ein. Als Verfechter einer gemeindlichen Selbstverwaltung stieß er die Debatte um eine neue Gemeindeordnung immer wieder an. Diese mündete in der Verabschiedung eines Distrikts- und Landratsgesetzes, das bis heute in der Verwaltung Bayerns erkennbar ist. Aus dem Distriktsrat entwickelte sich der heutige Kreistag und aus dem Kreisrat der Bezirkstag. Auch für die Beseitigung der Vorrechte von Adel und „Höchstbesteuerten“ trat Wiedenhofer ein.

Bei der Diskussion um die Forstgesetze sprach er, als Referent des Gesetzgebungsausschusses, zur Abgabe von Waldstreu an die Landwirtschaft. Geschickt widerlegte Wiedenhofer in seiner Rede die Angriffe der Antragsgegner, die die Abgabe von „Waldstreu“ an die Landwirtschaft als „ein Verlangen aus Gegenden mit rückständiger Landwirtschaft wie der in der Oberpfalz“ brandmarken wollten. Geschickt nahm der Abgeordnete Schlör, der zusammen mit dem Abgeordneten Vierling aus Weiden und Wiedenhofer dem „Club Langlois“ im Landtag angehörte, den Ball seines Vorredners auf. Zunächst lobt er dessen Fleiß und Sachkunde. Dann kam Schlör auf die Oberpfalz zu sprechen. Er leitete mit dem Hinweis, dass dieser Landstrich weitgehend dem Verkehr entzogen sei über auf ein Projekt, welches die drei Herren in den folgenden Jahren zusammengeschweißt hat: Die Erschließung der Oberpfalz durch den Anschluss an das entstehende Eisenbahnnetz.

Schlör, Vierling und Wiedenhofer waren eifrigste Befürworter der Erbauung der Ostbahnlinie Weiden-Wiesau-Eger. 1869 schied, nach 20 Jahren parlamentarischer Arbeit, Wenzeslaus Wiedenhofer aus dem Landtag aus.1870 gab er seine Advokatenstelle in Neustadt/WN auf und ließ sich auf eigenen Wunsch nach Amberg versetzen. Sein Elternhaus, das „Advokatenhaus“, verkaufte er 1879 der Stadt Neustadt/WN. Heute sind darin Teile des Landratsamts untergebracht. Wenzel Wiedenhofer starb am 29.4.1905 in seiner Wohnung in München. In seinem Testament verfügte er, dass er dem Lokalarmenfond Neustadt 100 Mark vermachte mit der Bestimmung, das Geld verzinslich anzulegen und den jährlich fälligen Zins an seinem Namenstag an die Armen zu verteilen.

Das Advokatenhaus in Neustadt ist die Geburtsstätte von Wenzel Wiedenhofer.

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