01.01.2020 - 11:55 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Beten und arbeiten und fair handeln

Der Neustädter Helmut Witt lebt seit 52 Jahren als Bruder Manuel im Kloster Münsterschwarzach. Mit seinem leiblichen Bruder Joachim hat er ein erfolgreiches Standbein der Abtei aufgebaut. Davon profitiert auch seine Heimatstadt.

Seit 52 Jahren lebt der Neustädter Bruder Manuel Witt (links) im Kloster Münsterschwarzach. Seinen eingeschlagenen Lebensweg hat der gelernte Schuster nie bereut. Rechts im Bild Bruder Stefan, ein Steuerberater, der den Neustädter zum Adventsmarkt des OWV begleitete und Produkte aus dem Fair-Handel anbot.
von Hans PremProfil

„Ora et labora“, bete und arbeite. Nach dieser Regel lebt der Benediktiner Manuel seit 52 Jahren in der Abtei Münsterschwarzach. Seine Heimatstadt Neustadt besuchte er wieder einmal, um im Adventsstandl des OWV die Produkte des Kloster eigenen Fair-Handels zu verkaufen.

Den hat Bruder Joachim – sein leiblicher Bruder – 1995 gegründet. Gemeinsam haben die beiden Neustädter viele Jahre eines der Standbeine des Klosters erfolgreich zu dem gemacht, was es heute ist: Importorganisation und Vertriebszentrum für Weltläden in ganz Deutschland. Hauptanliegen des Fair-Handels ist der Kontakt zu Produzenten in Missionsländern, gute Arbeitsbedingungen der Menschen und gerechte Bezahlung. Kaufmännisch geprägt waren die beiden Brüder durch das Elternhaus.

„Mein Bruder brachte mich ins Kloster Münsterschwarzach“, erinnert sich Manuel. Er wurde 1947 als Helmut Witt und Sohn eines Schuhmachermeisters in der Kreisstadt geboren. 1957 fuhr sein älterer Bruder in einem Pilgerzug nach Rom. Dort rief Papst Pius XII zur Ergreifung von Ordens- und Missionsberufen auf. „Er kam heim und sagte, er wolle ins Kloster gehen.“ Der Vater sei aus allen Wolken gefallen. Joachim hatte Schuhmacher gelernt und sollte den elterlichen Betrieb in der Unteren Vorstadt übernehmen. 2017 starb er.

Als Helmut 14 Jahre alt war, bewog ihn sein Bruder, ebenfalls nach Münsterschwarzach zu kommen und dort eine Ausbildung zum Schuhmacher zu absolvieren. Er war nun dafür vorgesehen, die Schusterei in der Heimat zu übernehmen. „Mir hat das Leben im Kloster so gefallen, dass ich ebenfalls dort geblieben bin.“ 1964 trat er ins Kloster ein, 1967 legte er die zeitliche und 1972 die ewige Profess ab.

Nach einer weiteren Ausbildung zum Industriekaufmann war Bruder Manuel in der Klosterverwaltung und in der Personalabteilung tätig. Heute beschäftigt das Kloster über 330 Mitarbeiter, davon über 80 Geistliche. „Unsere Gemeinschaft versorgt sich im Prinzip selbst. Das Meiste das wir brauchen, stellen wir selbst her.“

Gerne erinnert sich der 72-Jährige an seine Lehrzeit. Damals wurde jeder Missionar mit zehn Paar selbst gemachten Schuhen ausgestattet. 1984 ging er selbst in die Missionsarbeit. 35 Jahre lang war er auch für die Medien- und Pressearbeit im Kloster zuständig. Noch heute ist er eifriger Leser des Neuen Tags.

„Alles was ich brauche, habe ich im Kloster“. So fühlt sich Bruder Manuel auch seit vielen Jahren dort gut behütet und in der Gemeinschaft, in die sich jeder auch mit Arbeit einbringt, sehr wohl. Jeder habe seine Aufgabe, die auch mit dem Rentenalter nicht ende. "Vom 20-Jährigen bis zum 100-Jährigen bringt sich jeder nach seinen Möglichkeiten ein. Leider werden die Handwerksberufe immer weniger“, bedauert er.

Auch das tägliche Aufstehen um 5 Uhr und der durch die Ordensregeln bestimmte Tagesablauf mit sechsmaligem Chorgebet ist ihm von Anfang an ans Herz gewachsen. Die mehrfachen täglichen Chorgesänge erklingen in Münsterschwarzach öffentlich in der Kirche. Bruder Manuel liebt es zu arbeiten – auch noch mit 72, und sich daneben spirituell entfalten zu können. „Ich habe mein Leben so gewählt und bin froh darüber, denn ich konnte viel Positives tun“, gesteht er.

Auch die jüngere Schwester Hildegard folgte dem Beispiel der großen Brüder und ging in die Mission. Sie lebt und arbeitet in Litembo in Tansania. „Dass alle drei Kinder ins Kloster gehen, damit haben meine Eltern damals nicht gerechnet“, meint Manuel.

Seit 52 Jahren lebt der Neustädter Bruder Manuel Witt (links) im Kloster Münsterschwarzach. Seinen eingeschlagenen Lebensweg hat der gelernte Schuster nie bereut. Rechts im Bild Bruder Stefan, ein Steuerberater, der den Neustädter zum Adventsmarkt des OWV begleitete und Produkte aus dem Fair-Handel anbot.
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