16.10.2018 - 16:42 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Bild aus dem Misthaufen

Künstlerische Kostbarkeit bei der Herbstausstellung der Neustädter Maler: Erstmals wird der Öffentlichkeit eine Mariendarstellung eines unbekannten Meisters präsentiert. Das Ölgemälde gibt Rätsel auf.

Das Bild, das die ehemalige Zoiglwirtin Doris Schmid unter einem Misthaufen gefunden hat, gibt Rätsel auf. Sie hofft, dass vielleicht jemand, der das Bild im Rahmen der Herbstausstellung betrachtet, weitere Hinweise auf die Herkunft geben kann.
von Hans PremProfil

Doris Schmid hatte gemeinsam mit ihrem verstorbenen Ehemann Josef 2001 das Stahl-Anwesen in der Freyung erworben und es liebevoll und mit großem Aufwand zur Zoiglstube „Zum Waldhauser“ umgebaut. 2002 floss der erste Gerstensaft aus dem Zapfhahn. In der dazu gehörenden Scheune lag noch viel Krempel. Da das Anwesen früher als Bauernhof betrieben wurde, war gleich rechts hinter dem Eingang noch ein alter Misthaufen. „Nachdem der Zoigl angelaufen war, wollte ich auch den alten Stodl aufräumen“, erinnert sich Doris Schmid, die Zoiglwirtin in Ruhestand. Also packte sie selbst an, holte Schaufel und Schubkarre und begann den Mist einzuschaufeln und wegzufahren.

Nach einigen Fuhren und etlichen Schaufeln stieß sie auf etwas Hartes. Bei genauerem Hinsehen stellte sie fest, dass unter dem Mist eine Holzplatte zum Vorschein kam, auf die ein Bild gemalt war. „Das Motiv ließ vermuten, dass das Gemälde schon sehr alt war“, erzählt die Störnsteinerin.

Darauf dargestellt ist die Mutter Gottes, Maria, das Jesuskind auf ihrem Schoss. Zu ihren Füßen kniet ein Knabe mit lockigem Haar, der heilige Johannes, der seinen Arm um ein Schaf legt. Links im Bild sieht man die Wiege Jesu und dahinter eine Person in einem Lehnstuhl sitzen. „Da der Mist wahrscheinlich sehr scharf war, ist an dieser Stelle die Farbe verschwunden, sodass man nicht erkennen kann, um welche Person es sich handelt“.

Das Bild strahlte für die Finderin beim Betrachten eine ganz besondere ruhige und heimelige Stimmung aus. Deshalb suchte sie nach einem Restaurator, um das Bild zu bestimmen und restaurieren zu lassen. Restaurator Rudolf Rappenecker in Regensburg nahm die Arbeit an. Vom Alter her stufte dieser die Entstehung des Werks um das Jahr 1800 ein. Er sah im Stil Anlehnungen an die Gotik. Gemalt ist das Bild auf Obstbaumholz, Apfel oder Birne. Es könnte einmal Teil eines Schranks oder vielleicht auch Altars gewesen sein.

Der Restaurator versuchte, die Symbolik und die dargestellten Personen zu entschlüsseln. Für ihn könnte die nicht mehr erkennbare Person Anna, die Mutter Gottes, oder auch Elisabeth, deren Base, sein. Rechts unten im Bild ist ein Kreuz mit Fahne, als Hinweis auf den Kreuzestod und die Auferstehung Jesu Christi dargestellt. Um den Berg im Hintergrund dürfte es sich um den Berg Golgota handeln, auf dem Jesus gekreuzigt wurde.

„Was mir so gut gefällt ist ein Löffel an einem Riemen, den Johannes hinten an seiner Kleidung trägt“, erklärt Schmid und deutet auf die Stelle im Gemälde. Der Restaurator reinigte das Bild, festigte gelockerte Farbteile und retuschierte Fehlstellen. Das fehlende Gesicht ersetzte er absichtlich nicht. Der Restaurator erklärte, dass es sich um ein super Bild handele, dass Gott sei Dank gerettet worden sei.

In Gesprächen mit Ernst Umann, dem Vorsitzenden des Neustädter Oberpfalzvereins und Organisator der Herbstausstellung mit Neustädter Malern, erzählte sie ihm während ihrer aktiven Zeit als Zoiglwirtin von dem Bild. Der fand, dass es unbedingt einmal ausgestellt werden sollte. Das geschieht nun bei der Herbstausstellung, die am Freitag, 19 Uhr, mit einer Vernissage im Alten Schloss eröffnet wird. Vielleicht findet sich ja ein Besucher, der mehr über dieses außergewöhnliche Kunstwerk weiß.

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