28.10.2018 - 11:06 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Disco, Dramen und Dialekt

Mit dem Programm „Da Billi Jean is ned mei Bua“ erobert das oberösterreichisch-schwäbische Musikkabarett-Duo Stefan Leonhardsberger und Martin Schmid die Herzen des Publikums in der Stadthalle. Es geht um heiße Flirts, Dramen und Dialekt.

Mit dem Programm "Da Billi Jean is ned mei Bua" schenkt das österreichisch-schwäbische Duo Stefan Leonhardsberger und Martin Schmid (von rechts) dem Publikum in der Stadthalle mit Mundartadaptionen der Hits von Poptitanen einen mitreißenden Liederabend, der beim Publikum bestens ankommt.
von Hans PremProfil

Gemeinsam mit Co-Autor Paul Klambauer veredelten die beiden Hits von Popgiganten wie Bruce Springsteen, David Bowie, Tina Turner, Michael Jackson oder Lady Gaga zu tragikomischen Einaktern. Sie haben die großen und kleinen Dramen des Alltags zum Thema. Mit österreichischen Dialektadaptionen und der außergewöhnlichen Bühnenperformance besonders von Leonhardsberger kommen sie bestens beim Stadthallenpublikum an.

Für die beiden Musiker war der Freitag eigentlich ein Tag, den man mit Pleiten, Pech und Pannen überschreiben könnte. Die Konzertbesucher wundern sich, dass sie nicht wie angekündigt bereits um 19 Uhr Einlass in den Saal finden, sondern bis kurz vor 20 Uhr im Foyer der Stadthalle warten müssen. Eine Autopanne hatte die Anreise der Künstler verzögert. Möglicherweise bedingt durch die Konkurrenz der Weidener Kunstnacht ist die Zuschauerzahl mehr als überschaubar. Doch die, die da waren, brauchen ihr Kommen wahrlich nicht bereuen. Nachdem Leonhardsberger die Zuhörer in den vorderen Reihen um sich versammelt hat, wird es ein fast kuscheliges Wohnzimmerkonzert.

Discobesuch mit Folgen

Da Schauspieler und Musiker Stefan Leonhardsberger ein glänzender Erzähler ist, hat das Duo die Lieder in eine Geschichte gepackt. Es geht um seinen Freund Tonic, den Player, den Schwarm aller Frauen, bei dem ein heißer Flirt nach einem Discobesuch nicht ohne Folgen bleibt. Er sieht sich einer Vaterschaftsklage ausgesetzt und bekommt vor Gericht bestätigt, dass Billi Jean sein leiblicher Sohn ist. Die Geschichte endet emotional tragisch. Als Tonic am Ende seine Lehrerin, die erste große Liebe, im Schlafanzug seines Vaters am Frühstückstisch sieht, zieht er aus und verschwindet in der großen weiten Welt.

Dazwischen erzählt das Duo mit den Hits der Chartstürmer augenzwinkernd präzise Alltagsbeobachtungen, verfällt Leonhardsberger dem österreichischen Hobby der Depression. Ein frustrierter Grieche löst in der Adaption des S.T.S.-Klassikers in „Irgendwann geh I dann furt“ ein One-Way-Ticket in die Welt. Es geht um die Abnutzung im Ehe-Alltag, Freundschaft oder gescheiterte Beziehungen.

Die nahtlos aneinander gereihten Lacher und Schenkelklopfer sind nicht nur ausgefeilte Mundarttexte, sondern auch die Art, wie Leonhardsberger mit viel Scharm, begeisternder Mimik und Gestik vor allem bei den Tanzeinlagen sowie einer großen Portion österreichischem Schmäh und Charme durch den Abend führt. Ruhiger Gegenpol ist sein Augsburger „Haberer“ Martin Schmid. Ein hervorragender Gitarrist, der mit seinen Arrangements den heißen Kern der Stücke freilegt.

Am Ende gibt es stehende Ovationen und zwei Zugaben. Die Kündtler hatten es verstanden, Charthits ohne Berührungsangst vor großen Namen neu zu interpretieren und dem Publikum ein abwechslungsreiches Programm zu bieten. Neben den humorvollen Erzählungen fanden auch nachdenkliche Momente Platz.

Mit dem Programm "Da Billi Jean is ned mei Bua" schenkt das österreichisch-schwäbische Duo Stefan Leonhardsberger und Martin Schmid (von rechts) dem Publikum in der Stadthalle mit Mundartadaptionen der Hits von Poptitanen einen mitreißenden Liederabend, der beim Publikum bestens ankommt.
Mit ihrem Programm "Da Billi Jean is ned mei Bua" schenkte das österreichisch-schwäbische Duo Stefan Leonhardsberger und Martin Schmid (von rechts) dem Publikum in der Stadthalle mit ihren Mundartadaptionen der Hits von Poptitanen einen mitreißenden Liederabend, der beim Publikum bestens ankam.

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