27.08.2019 - 16:18 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Einwohnerstatistik: Landkreis Neustadt/WN schrumpft weiter

Der Blick auf die Einwohnerzahlen offenbart: Der Landkreis Neustadt/WN wird erneut kleiner. Doch die die aktuellen Zahlen des Bayerischen Landesamtes für Statistik zeigen auch, dass etliche Kommunen wachsen – am stärksten die Städte.

Der Landkreis Neustadt/WN schrumpft um 134 Einwohner - ein moderater Rückgang, der sich inzwischen verstetigt hat.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

Mit mehr als 13 Millionen Menschen verzeichnet Bayern dank vieler Zuzügler einen Rekordhöchststand an Einwohnern. Dies trifft jedoch nicht auf alle Regionen des Freistaates zu. Konträr zur landesweiten Entwicklung sinken die Zahlen im Landkreis Neustadt/WN seit Jahren. Das belegt der jährlich erscheinende Bericht des Bayerischen Landesamtes für Statistik und Datenverarbeitung.

Demzufolge lebten zum Stichtag 31. Dezember 2018 zwischen Eslarn und Kirchenthumbach 94.352 Bewohner – 134 weniger als noch im Vorjahr. Mit einem Minus von 0,14 Prozent verdreifachte sich somit der Rückgang, denn von 2016 auf 2017 lag dieser bei nur 42 Menschen oder marginalen 0,04 Prozent. Verglichen mit dem Jahr 2016 sind die aktuellen Zahlen jedoch moderat: Damals betrug das Minus mit 0,6 Prozent sogar satte 550 Personen. Das entspricht der Hälfte der Einwohner von Speinshart. In der Gesamtschau der vergangenen vier Jahre setzt sich der Negativtrend somit auch in der Gegenwart fort, jedoch auf einem inzwischen niedrigeren Niveau.

Größtes Plus in Eschenbach

In etlichen Gemeinden konnte die Entwicklung sogar umgedreht werden. Denn bei dem 38 Kommunen umfassenden Kreis herrscht bei Bevölkerungswachstum und -rückgang Parität: Während 19 Gemeinden Einwohner verloren, wuchsen genauso viele (siehe Grafik). Das größte Plus von allen schreibt Eschenbach. Mit einem Zuwachs von 65 Einwohnern schafft die Landstadt erstmals seit 2010 den Sprung über die 4000er-Marke. Knapp dahinter folgen Grafenwöhr (+61), Irchenrieth (+51) sowie Parkstein (+38) und Trabitz (+24).

Was sind die Gründe? Für den Anstieg in Eschenbach macht der in Urlaubsvertretung amtierende dritte Bürgermeister Klaus Lehl die "hervorragende medizinische Versorgung" mit vielen unterschiedlichen Ärzten verantwortlich. Zudem sei die Firma Lippert gerade dabei, sich von Pressath nach Eschenbach zu verlagern. "Das sind vorgehaltene Arbeitsplätze für Eschenbach, und ich denke, dass wohl einige Mitarbeiter mitkommen." Auch mit Deutschen verheiratete Amerikaner, die sich nach ihrem Armeedienst hier ein Haus kaufen würden, machten sich bemerkbar, so Lehl.

Verkehr und Senioren

Im Falle Grafenwöhrs müssen neben amtlich gemeldeten Zivilamerikanern laut Bürgermeister Edgar Knobloch die beiden hier ansässigen Seniorenheime berücksichtigt werden. "Die beiden Heime führen dazu, dass die Situation bei uns nicht direkt mit anderen Gemeinden vergleichbar ist. Da gibt es gelegentlich viele Heim-Zuzüge auf einen Schlag. In Kombination mit einer geringen Sterberate kann dies plötzlich einen spürbaren Anstieg ausmachen." Knobloch befürchtet jedoch, dass es in Grafenwöhr nicht immer einen Anstieg gibt: "Wir haben eine Wellenbewegung bei der Einwohnerentwicklung. Ich rechne damit, dass es leider auch mal wieder abwärts geht."

Mit Blick auf das seit Jahren anhaltende Wachstum von Irchenrieth macht Bürgermeister Josef Hammer besonders die "aktive Baulanderschließung" seiner Gemeinde verantwortlich. "Die Grunstückspreise sind bei uns sehr niedrig, und wir haben mit der Lage an der Autobahn sowie der B22 eine hervorragende Verkehrsanbindung." Auch der 2012 neu errichtete Norma-Einkaufsmarkt für die lokale Versorgung sei ein wichtiges Argument für viele Zuzügler.

Neue kleinste Gemeinde

Auf der anderen Seite führt Neustadt die Liste der Kommunen mit Bevölkerungsrückgang an. Mit einem Minus von 86 Bewohnern ist die Kreisstadt Negativ-Spitzenreiter. Eine passende Erklärung hierfür hat Zweiter Bürgermeister Heinrich Maier aber nicht: "Wir haben immer schon eine hohe Fluktuation. Wegen dem Minus bin ich nicht beunruhigt. Das Leben in Neustadt läuft normal weiter. Aber bei 86 Einwohnern weniger macht man natürlich schon die Augen auf, das ist klar." Die nächstgrößeren Verluste haben nach Neustadt Moosbach (-63), Pleystein und Windischeschenbach (jeweils -54) zu verzeichnen. Gefolgt von Flossenbürg (-43) und Mantel (-36). Windischeschenbach, das 2016 wieder über die 5.000er-Marke sprang, liegt nun mit 4960 Einwohnern erneut unter der magischen Marke.

Größte Stadt im Landkreis bleibt mit einem Plus von 21 Leuten Vohenstrauß (7398), erst danach kommen Grafenwöhr (6363) und Neustadt (5727). Am unteren Ende der Liste hingegen gibt es eine Veränderung: Schlammersdorf schrumpfte in den vergangen Jahren kontinuierlich und ist mit 857 Einwohnern inzwischen die kleinste Kommune im Landkreis – vor Kirchendemenreuth (869), das bisher den letzten Platz belegte, und Bechtsrieth (1047).

Wegen dem Minus bin ich nicht beunruhigt. Das Leben in Neustadt läuft normal weiter.

Heinrich Maier, amtierender Bürgermeister von Neustadt zum Verlust von 86 Einwohnern

Heinrich Maier, amtierender Bürgermeister von Neustadt zum Verlust von 86 Einwohnern

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