13.09.2018 - 14:08 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Erinnerungen an das Gasthaus "Scherm"

19 Gaststätten schließen in den letzten Jahrzehnten in der Kreisstadt. Der „Scherm“ gehört auch dazu. Dabei ist dort immer viel los.

Viele ältere Neustädter können sich noch gut an die Traditionsgaststätte "Zum Scherm" erinnern. Heute ist dort ein freier Platz über der Tiefgarage.
von Hans PremProfil

Das langsame Sterben in der Gastronomie macht auch vor der Kreisstadt nicht Halt. Von ehemals über 30 Gastwirtschaften existieren gerade noch 12. Viele der geschlossenen Wirtshäuser sind aber noch gut im Gedächtnis der Neustädter vorhanden. Um einige ranken sich humorvolle Begebenheiten.

Vermutlich alle älteren Einwohner erinnern sich noch an den „Scherm“, eine gastronomische Institution am oberen Ende des Stadtplatzes. Hier kehrten sowohl die Honoratioren als auch die einfachen Bürger ein und ließen sich das Bier und die Speisen beim „Scherm Hans“ schmecken.

Eigentlich hieß dieser Arnold mit Familiennamen. Der Name Scherm geht auf den „Scherm-Schmied“ zurück, wie er im Volksmund genannt wurde. Der betrieb an gleicher Stelle vor Eröffnung der Gaststätte eine Schmiede. Diese ist in alten Registern wie folgt beschrieben: „Schmiede beim oberen Torturm, außerhalb der festen, gemauerten Stadt“. Von ihr hat der steile Abhang zur Waldnaab hin auch den Namen „Schmiedrangen“ erhalten.

Hans Arnold stand seine Ehefrau Margarete, die gute Seele der Gaststätte, zur Seite. Die „Scherm Gretl“ kochte hervorragend, was bestimmt noch viele damalige Abo-Esser des Landratsamts bestätigen können. Besonders begehrt waren die hausgemachte Sülze und die knusprig gebratenen Gockerl.

Beim Scherm war immer was los. Es gab verschiedene Stammtische, an denen Karten gespielt wurde. Die Herzlichkeit der Wirtsleute war damals schon legendär. So hatten die beiden nicht nur ein Herz für ihre menschlichen, sondern auch ihre tierischen Kunden. Der verstorbene Stadtrat Franz Gleixner feierte zum Beispiel mit seinem Labrador „Jeudi“ (französisch: Donnerstag) dessen Geburtstag beim Scherm. Der „Fuchsen Paul“ zog die Quetsche und von den Wirtleuten oder den Gästen bekam Jeudi eine Geburtstagstorte in Form einer dicken Wurst spendiert. Hans „Stuutz“ Völkl erinnert sich noch daran, dass Bürgerwehr, Marketenderinnen und der Faschingsverein nach dem Faschingszug beim Scherm einkehrten. „Dort trafen wir uns im sogenannten Spiegelsaal, weil in dem Raum halt ein Spiegel aufgehängt war“. Es sei immer eine große Gaudi gewesen. Die Wirtsleute hätten sich immer gefreut über den närrischen Besuch. Selbst an Weihnachten hatten der Scherm Hans und seine Gretl ein Herz für ihre einsamen Gäste und öffnetenam Heiligen Abend ihr Wirtshaus.

Nach dem Tod seiner Frau führte Hans Arnold das Wirtshaus noch bis 2008 alleine weiter. 2011 wurde das Anwesen abgerissen und wich dem Bau der Tiefgarage. Heute erinnern nur noch alte Fotos und die Erzählungen einiger Gäste an die Traditionsgaststätte.

So sah der "Scherm-Schmied", die Huf- und Wagenschmiede aus, die vor Eröffnung des Gasthauses dort betrieben wurde.

Zünftig: Selbst Hundegeburtstag, wie der von Franz Gleixners Labrador Jeudi im Jahre 2003, wird gefeiert. Der "Fuchsen Paul" zieht die Quetsche. Eingerahmt ist der Vierbeiner von Herrchen Franz und dessen Sohn Andy (von links).

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