09.07.2019 - 14:40 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Faschingszug hat Nachspiel vor Gericht: Fahrt durch Volltrunkene

Der Stadtplatz Neustadt nach dem Faschingszug. Betrunkene torkeln herum. Ein Polizist versucht, einen Mann aufzuheben, der auf der Straße liegt. Helfer beseitigen Scherben mit Schubkarren. Da kommt es um 23.15 Uhr zu einem Zwischenfall.

„Alkohol in Strömen“ floss nach Aussage eines Polizeibeamten bei und nach dem Faschingszug in Neustadt.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Ein 23-jähriger Neustädter fährt durch das Chaos. Laut Polizei mit "nicht angepasster Geschwindigkeit". Der Fahrer habe andere gefährdet. Er kassiert dafür einen Bußgeldbescheid für eine Ordnungswidrigkeit in Höhe von 165 Euro. Gegen diesen hat der 23-Jährige Widerspruch eingelegt. Am Montag kommt es daher zur Verhandlung am Amtsgericht Weiden.

Reichsbürger-Hinweis

Und weil es Hinweise gibt, dass der junge Mann der Reichsbürgerszene nahe steht, ist die obligatorische Sicherheitsverfügung erlassen worden. Sprich: Vor dem Sitzungssaal am Amtsgericht gibt es ein zweite Taschenkontrolle. Ohne Ausweis kommt keiner rein - und dieser wird von den Wachtmeistern kopiert. Übertrieben? Ganz richtig tickt der Angeklagte nicht. In seinem Facebook-Account bezeichnet der Mechaniker den Holocaust als "die größte Lüge, die es gibt".

Vor Richter Hermann Sax bestreitet der Neustädter, mit zu hoher Geschwindigkeit unterwegs gewesen zu sein: "Ich habe meine Geschwindigkeit eingehalten: 50 innerorts." Er bestreitet auch, dass er nicht geblinkt hätte. Als Zeugen benennt er seine Lebensgefährtin und deren elfjährige Tochter, die mit im Auto saßen.

Beim Polizisten hört sich das anders an. Der Mercedes des Angeklagten sei an einer Polizeistreife an der Tirschenreuther Straße/Ecke Brenner-Schäffer-Straße mit quietschenden Reifen vorbeigeprescht. Ein Wagen des Einsatzzuges blieb daraufhin an dem Unbekannten dran, der einfach nicht angehalten habe - trotz rot leuchtender Aufforderung "Halt Polizei" und Blinklicht. Die Fahrt ging einen Kilometer den Stadtberg hinunter bis in die Untere Vorstadt.

"Der Alkohol war in Strömen geflossen", schildert der Polizeioberkommissar (53) die Situation nach dem Faschingszug. Die Reinigungsarbeiten waren in vollem Gange. Betrunkene waren "in großer Zahl" unterwegs. "Reiner Zufall, dass ihm keiner ins Auto gelaufen ist." Vor der Raiffeisenbank lag ein Mann halb auf der Straße, halb auf dem Gehweg. Der Polizist, der ihn aufheben wollte, schwenkte die Taschenlampe, um zu signalisieren, dass Vorsicht geboten sei. "Er ist vorbeigerauscht. 50 hat nicht gereicht." Am Landratsamt "sprangen die Leute auseinander".

Bei der Bäckerei Arnold ging die Fahrt nach rechts in Richtung Mühlberg weiter. "Wir sind langsam von einer Amokfahrt ausgegangen", erinnert sich der Beamte - als der Mercedes-Fahrer nach der Mühlberg-Brücke plötzlich eine Vollbremsung einlegte. Im Angesicht der Polizeibeamten habe der Angeklagte alle Scheiben hochgefahren, alle Türen verriegelt und ins Handschuhfach gegriffen. "Ich hatte meine Dienstwaffe schon in der Hand", sagt der Polizist. Es folgte eine längere Diskussion mit dem jungen Mann. "Wir hätten kein Recht, ihn zu kontrollieren." Der Leiter der Polizeiinspektion Neustadt, Hermann Weiß, wurde dazu geholt. Erst dem Chef sei es dann - unter Vorzeige seines Dienstausweises - gelungen, den 23-Jährigen zur Kontrolle zu überreden. Die ganze Zeit im Auto: die Freundin und das Kind.

"Bedroht gefühlt"

"Ich habe mich bedroht gefühlt", rechtfertigt der Angeklagte seine Verweigerung bei der Kontrolle. Seine Partnerin (36) macht ihm den Zeugen: Man habe erst gar nicht begriffen, dass es sich bei dem Verfolgerfahrzeug - das "sehr rasant" aufgefahren sei und unablässig aufgeblendet habe - um die Polizei handelte. Nach dem Stopp sei man "erschrocken", weil die Polizei mit Taschenlampen an die Scheibe klopfte. "Nach der Legitimierung sind wir ausgestiegen." Ihr Freund sei durch die Stadt nicht zu schnell gefahren: "Überall waren Passanten. Man konnte nur langsam durchfahren."

Das Amtsgericht bleibt dabei: Es handelte sich um eine Ordnungswidrigkeit. Die Höhe der Geldbuße wird von 165 auf 80 Euro reduziert. Am Ende bleibt sich's wohl gleich: Der Angeklagte muss die Kosten des Verfahrens tragen.

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