21.08.2020 - 14:19 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Flut von Spenden sichert Grabstein für Baby Louisa

Die Hilfsbereitschaft ist riesig. Viele Leser spenden, um der Familie Stamminger aus Neustadt/WN den Herzenswunsch zu erfüllen: einen Grabstein für Baby Louisa. Der ist schon nach kurzer Zeit finanziert.

Das Grab von Baby Louisa auf dem Friedhof in Neustadt/WN. Hier soll bald weiß strahlender Fels an das kleine Mädchen erinnern.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Das Schicksal der Familie Stamminger bewegt die Leser. Im März starb Louisa mit nur 17 Monaten an einem Hirntumor. Die Mutter ist selbst schwer krank, der Vater coronabedingt arbeitslos. Der Familie fehlt das Geld, um sich ihren größten Wunsch zu erfüllen: einen Grabstein für Louisa. Als wir die Reportage veröffentlichen, fluten die Leser zunächst unsere Mailordner mit Hilfsangeboten. Tags darauf strömen auch schon die Spenden auf das Konto, das die Kirchenstiftung St. Georg spontan eingerichtet hat.

Am Donnerstag, nach nur wenigen Tagen, informiert die Kirchenstiftung, dass sie das Konto schließt: Die Kosten für einen Grabstein seien "bei weitem abgedeckt", heißt es. Familie Stamminger wünscht sich einen weiß strahlenden Fels, der rund 3500 Euro kosten würde. Ein Steinmetz hat ihr das Angebot gemacht. Der Stein sei gebraucht und werde neu aufgearbeitet, koste dadurch auch nur die Hälfte.

"Ein Wahnsinn", staunt Ilona Stamminger über die Welle der Hilfsbereitschaft. "Das hätten wir ja nie gedacht." Über die genaue Spendensumme wissen sie und ihr Mann Timo noch nicht Bescheid, nur, dass das Ziel wohl längst erreicht ist. Viele hätten sich aber auch direkt bei der Familie gemeldet, per Telefon, Mail oder über Soziale Medien, um Hilfe anzubieten. Nicht nur zur Finanzierung des Grabsteins. So machte der Kirchenthumbacher Verein "Hilfe für Anja" das Angebot, eine Typisierungsaktion für Ilona Stamminger auf die Beine zu stellen. Die 35-Jährige weiß jedoch noch immer nicht, ob ihr eine Knochenmarkstransplantation wirklich helfen kann.

So geht es der Familie nach dem Tod von Louisa

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Für die zahlreichen Geldspenden dankt sie einstweilen herzlich. Hier einige der Hilfsangebote, die bei Oberpfalz-Medien eingegangen sind:

  • Ein Flosser spendet 1000 Euro. Und verspricht: "Sollte sich sonst niemand melden, bezahle ich den Grabstein auch komplett." Zwei weitere Familien unterbreiten dieses Angebot, beide wollen ausdrücklich anonym bleiben. Eine schreibt: "Weil wir das um der Familie willen machen wollen und nicht darum, um in der Zeitung zu stehen."
  • Eine Krebspatientin berichtet: "Erst gestern wurde bei einem CT keine Veränderung festgestellt." Aus Dankbarkeit wolle sie der Familie Stamminger mit 200 Euro helfen.
  • Kostenlos will ein Amberger Steinmetz der Familie einen "übertragenen Doppel-Grabstein
    samt Einfassung" überlassen. Es würden nur die Kosten für das Versetzen anfallen.

Die ersten Leser bieten Hilfe an

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  • Eine Schwandorferin: "Da ich Oma einer 20-monatigen Enkelin bin und sie mein Sonnenschein ist, kann ich mit der Familie Stamminger mitfühlen und würde gerne meine Hilfe anbieten. Was kann ich tun?"
  • Die Familie brauche nicht nur finanzielle Unterstützung, "sondern ganz dringend auch Hilfe für die Seele", meint eine ehrenamtliche Hospiz- und Trauerbegleiterin. Sie empfiehlt den Hospizdienst Weiden-Neustadt für die hilfreiche Begleitung.
  • Eine Mutter begründet ihre Spende so: "Habe selbst 2 Kinder verloren und weiß, was diese Familie durchmacht.
    Aber noch Arbeit zu verlieren und selbst krank zu sein, das ist unerträglich."
  • Eine Leserin spendet für den Grabstein. Sie will aber auch Sohn Pascal (16) etwas zukommen lassen, "damit er sich in den Ferien eine Kleinigkeit (Kino, Ausflug etc.) gönnen kann". Eine andere Leserin bietet Pascal Unterstützung beim Lernen an.

  • "Tief bewegt" erzählt eine Mutter: "Ich selbst musste auch mein kleines Mädchen mit knapp drei Jahren dem Herrgott überlassen. Im Gegensatz zur Mama Ilona geht es mir aber gut und ich konnte weiterhin für meine Familie als Mama da sein." Sie wolle einen "kleinen Beitrag" geben und übermittelt den Stammingers beste Wünsche: "Es ist bewundernswert, wie sie alle zusammenhalten."
  • "Ich habe erst vor wenigen Wochen meine liebe Mama mit fast 98 Jahren verloren", erzählt eine Leserin. "Nachdem ich den Bericht gerade im Onetz gelesen hatte, sah ich gedanklich meine Mama vor mir, die immer für Andere da war und half, wo sie konnte. Sie hätte auch hier geholfen." An ihrer Stelle spendet die Tochter.

  • Eine Mutter aus dem westlichen Landkreis Neustadt: "Ich bin selbst an einem bösartigem Hirntumor erkrankt und befinde mich aktuell in Therapie. Krankenhausaufenthalte, Angst um die eigene Familie und die ständige Ungewissheit sind mir leider bestens bekannt. Aber ich und meine Familie werden die Hoffnung nicht aufgeben. An dem Wunsch zu helfen, ist unsere eigene Tochter nicht unbeteiligt. Sie trägt auch den Namen Louisa."
Kommentar:

Danke!

Nicht immer braucht ein Kommentar viele Worte. In diesem Fall reicht im Grunde ein einziges: Danke! In einer Zeit, da viele zunehmend mit eigenen Sorgen kämpfen, erfährt das schwere Schicksal der Neustädter Familie Stamminger eine überwältigende Anteilnahme. Leser aus allen Ecken der nördlichen Oberpfalz helfen mit großen und kleinen Spenden und bieten der Familie sogar darüber hinaus Hilfe an. Erstaunlich viele haben selbst Schicksalsschläge hinter sich. Es hält sie nicht davon ab, anderen unter die Arme zu greifen. Da fehlen einem Worte? Dieses hier auf keinen Fall: Danke!

Ralph Gammanick

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