13.07.2018 - 11:14 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

"Franz Gleißners 6 Meßen sind schwer zum Spielen"

An der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert komponierte der in Neustadt geborene Franz Gleißner damals weit verbreitete Messen, dann gerieten sie in Vergessenheit. Jetzt gibt es eine Wiederuraufführung.

Chor und Orchester der Stadtpfarrkirche Neustadt a. d. Waldnaab
von Harald BäumlerProfil

(hbl) Im Festgottesdienst zur 800-Jahr-Feier am Sonntag, 15. Juli, um 10 Uhr in St. Georg erinnern Chor und Orchester mit der Wiederaufführung der "VI Missae Breves op. 1" an Franz Gleißner (1761-1818). Er zählt zu den großen Söhnen der Stadt. Schon früh wurde die musikalische Begabung erkannt, was zur gründlichen musikalischen Ausbildung führte. 1791 kam er in die kurfürstliche Hofkapelle in München, zwei Jahre später veröffentlichte er seine "VI Missae Breves op. 1" bei dem Augsburger Verleger Lotter. "Andacht und Rührung des Herzens waren mein Augenmerk", schreibt Gleißner im Vorwort des Druckes.

Die Messen verbreiteten sich rasch, noch heute gibt es Drucke in 27 Bibliotheken in Europa. Auffällig ist, dass nur noch wenige bayerische Pfarreien darunter sind. Zwar wurden die Messen noch bis 1845 angeboten, aber schon 1901 hatte sich der musikalische Geschmack so gründlich geändert, dass die damals führende Musikzeitschrift "Musica Sacra" aus dem Geist des Caecilianismus heraus ein vernichtendes Urteil über Gleißner und seine Zeitgenossen fällte: "In musikalischer Beziehung [die beiden Haydn und Mozart sind immer mit Respekt zu nennen], noch mehr aber in liturgischer Hinsicht sind die sämtlichen genannten Werke positiv unbrauchbar, meistens lächerlich und skandalös."

Im umfangreichen Neustädter Kirchenchorbestand sind keine Originalnoten aus der Zeit vor 1900 vorhanden. Erst ab 1956 begann die Wiederentdeckung. Der Festgottesdienst zur 800 -Jahr-Feier ist der richtige Zeitpunkt, des 200. Todestages Gleißners zu gedenken.

Pater Benedikt Mario Röder hat 2013 die Originaldrucke der Missa I aus den "VI Missae Breves op. 1" unter einer dicken Staubschicht auf der Empore der Klosterkirche Speinshart entdeckt und dem Gleißner-Forscher Karl-Heinz Malzer übergeben. In mühevoller Kleinarbeit hat sie der Altenstädter für die Aufführung neu editiert und herausgegeben.

Die Notiz eines unbekannten Speinsharter Instrumentalisten auf dem Notenblatt der Violine 1 spricht Bände: "Franz Gleissners 6 Meßen sind schwer zum Spielen. Speinshart den 6t Nober [November] 1853".

Kirchenchor und -orchester von St. Georg haben daher seit Anfang des Jahres die Wiederuraufführung in zahlreichen Proben intensiv vorbereitet. Die Vokalsoli übernehmen Annette Scherb (Sopran), Betty Fröhlich (Alt), Florian Neubauer (Tenor) und Peter Fröhlich (Bass). Es singen und musizieren unter der Leitung von Harald Bäumler Kirchenchor und -orchester der Stadtpfarrkirche sowie Andreas Bäumler (Trompete) und Klara Bäumler an der Orgel.




Die Notiz des Musikers aus Speinshart
Hochkonzentrierte Sängerinnen und Sänger
Titelblatt der Erstausgabe aus dem Jahr 1793
Probe im Pfarrheim
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