01.06.2021 - 16:07 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Fronleichnam künftig ohne den Bürgermeister von Neustadt/WN

Der Neustädter Bürgermeister Sebastian Dippold steht hier und kann nicht anders. Als Lutheraner sieht er sich nicht imstande, an Fronleichnam teilzunehmen. Einen Bezug zur weltlichen Gemeinde erkennt er ebenfalls nicht.

Eine Fronleichnamsprozession wie hier 2017 wird es heuer in Neustadt wegen der Corona-Pandemie zwar nicht geben. An künftigen Umzügen will sich Bürgermeister Sebastian Dippold aber auch nicht mehr beteiligen.
von Thorsten Schreiber Kontakt Profil

Das Statement des Neustädter Bürgermeisters ist deutlich: Am Dienstag informiert Sebastian Dippold (SPD) um 11.15 Uhr in einer E-Mail, die auch Oberpfalz-Medien vorliegt, die Stadträte darüber, dass er am Donnerstag, 3. Juni, bei der Messe zu Fronleichnam nicht in der Stadtpfarrkirche St. Georg sein wird. "Auch werde ich in Zukunft an Prozessionen zu Fronleichnam nicht teilnehmen", schreibt er weiter.

Kirche und Staat trennen

Es sei ihm zwar bewusst, dass "es im katholischen Bayern eine lange Tradition" gebe, dass Bürgermeister bei den Feierlichkeiten präsent seien. "Woher diese kommt beziehungsweise woher diese genau bei uns in Neustadt kommt, das konnte mir niemand sagen." Ein Streit zwischen einem früheren Bürgermeister und einem ehemaligen Pfarrer scheine die Ursache zu sein, dass es eine Abordnung der Stadt gebe. "Im Gegensatz zum Sebastianiamt oder dem Volkstrauertag sehe ich bei Fronleichnam keinerlei Bezug zur weltlichen Gemeinde; nennen konnte mir auch niemand einen. Eine offizielle Vertretung ist daher schlicht unbegründet, ja widerstrebt der gelebten und geforderten Trennung von Staat und Kirche. Anders gesagt: Wieso stellt die Stadt dann zu anderen Hochfesten keine Abordnung? Wieso gehen wir an anderen Hochfesten nicht in die evangelische Kirche?", fragt Dippold. "Ich bin wahrscheinlich der erste Bürgermeister in Bayern, der das hinterfragt", vermutet der Rathauschef.

Als Protestant könne er zudem nicht die Hintergründe für den Feiertag teilen, meint er als Privatmann. "Für uns Protestanten ist der Leib Christi nur beim Abendmahl präsent und sonst nicht. Als Lutheraner bin ich daher fast geneigt zu sagen: 'Hier stehe ich. Ich kann nicht anders.'“ Dippold ist zwar auch im evangelischen Kirchenvorstand, aber eine Teilnahme an Fronleichnam würde ihm "ökumenisch nichts geben".

Nicht der richtige Weg

Zweite Bürgermeisterin Tanja Kippes (CSU) ist "sehr erstaunt, dass nicht im Vorfeld darüber gesprochen wurde". Dippolds Ansichten als Privatperson könne sie nachvollziehen, aber er sei ja als Stadtoberhaupt für alle Neustädter und damit auch für die katholischen gewählt worden. Kippes ist außerdem Pfarrgemeinderätin, daher ist ihr "dieses Hochfest sehr wichtig, um den Glauben nach außen zu tragen - auch aus ökumenischer Sicht". Man müsse miteinander ins Gespräch kommen. Dippolds Weg sei jedoch vermutlich nicht der richtige, um evangelische und katholische Christen "unter einen Hut zu bekommen". Sie werde am Donnerstag auf jeden Fall am Gottesdienst teilnehmen.

Pfarrer Josef Häring hatte noch nicht von der Angelegenheit gehört, sagt er auf Anfrage von Oberpfalz-Medien. Wenn es ein Problem geben sollte, wolle er es zunächst intern mit Mitgliedern seiner Kirchengremien besprechen. Ebenso wolle er das Gespräch mit dem Bürgermeister suchen. "Das ist ein Grundprinzip von mir."

Morddrohung gegen Bürgermeister Sebastian Dippold

Weiden in der Oberpfalz
Sebastian Dippold.
Hintergrund:

Fronleichnam

  • Hochfest des Leibs und Bluts Jesu Christi in der katholischen Kirche
  • steht in engem Zusammenhang zum letzten Abendmahl am Gründonnerstag
  • immer am zweiten Donnerstag nach Pfingsten
  • Katholiken zeigen damit öffentlich, dass Gott in Brot und Wein mitten unter ihnen ist
  • Messe am Donnerstag beginnt um 8.30 Uhr in Stadtpfarrkirche St. Georg

 

 

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