Neustadt an der Waldnaab
24.10.2018 - 14:43 Uhr

Für jeden Engel eine Rose

Am Ende will der Beifall kein Ende nehmen. Die Festgäste klatschen so lange, bis Chefärztin Dr. Stephanie Kuchlbauer auch dem letzten Engel eine Rose überreicht hat.

Rund 120 Gäste feiern mit der Palliativstation Neustadt zehnten Geburtstag. Bild: Wolfgang Steinbacher
Rund 120 Gäste feiern mit der Palliativstation Neustadt zehnten Geburtstag.

Auch wenn es in der Palliativstation Tag für Tag alles andere als humorvoll zugeht, die Verantwortlichen haben den Spagat geschafft, den zehnten Geburtstag der segensreichen Einrichtung, wie Landrat Andreas Meier am Dienstagabend anerkennend hervorhob, unterhaltsam zu gestalten. Es wurde viel geschmunzelt und sogar gelacht. Chefärztin Kuchlbauer hieß die rund 120 Geladenen auf dem Felixberg willkommen, ohne einen einzigen namentlich zu erwähnen: "Ich will keinen vergessen." Ihr Dank galt pauschal allen, die irgendwie mit der Palliativstation zu tun haben.

Die Medizinerin erinnerte an die Anfäge vor zehn Jahren. "Sterbehilfe" oder "Sterbehügel" waren nur einige Schlagwörter, die das ganze Team aushalten musste. Schon in den 90er Jahren sei klugen Köpfen aufgefallen, dass sich die Ärzte um heilbar Kranke kümmerten. Was aber sei mit den Todkranken? Kuchlbauer würdigte die Vorreiter auf Seiten der Politik, aber auch bei den Kliniken Nordoberpfalz AG, die die Konzepte erarbeitet und die erforderlichen Gelder akquiriert hätten. Sie erwähnte auch den Förderverein und die vielen Spender. Sie alle hätten ebenfalls mit dazu beigetragen, dass Kranke in ihrer letzten Lebensphase adäquat versorgt werden könnten.

Landrat Meier gratulierte auch im Namen von Oberbürgermeister Kurt Seggewiß und Ärztlichem Direktor Dr. Thomas H. Egginger. Die Palliativmedizin stelle eigentlich einen Paradigmenwechsel dar. Krankheit und Tod seien Themen, die wir gerne wegschieben. Dabei stehe es einer Gesellschaft gut zu Gesicht, sich um Menschen zu kümmern, die nicht mehr die Idealvorstellungen erfüllten, die die Werbung vorgaukle.

Der Landkreischef hob die breite Unterstützung hervor, die die Palliativstation genieße. Dass es keine negativen Wortmeldungen zu einer Einrichtung gebe, das komme ganz selten vor. Und auch die vielen Spenden wertete Meier als Zeichen für die große Wertschätzung. Auch wenn die Einrichtung nach Weiden ziehe, gehe kein Geld verloren. Die Nachfolgenutzung als Hospiz sei eine gute Lösung. Großes Lob zollte der Sprecher dem Palliativteam, das sich mit Hingabe und Liebe um die Patienten kümmere.

Nach den Worten von Stationsleiterin Beate Spickenreuther wolle man den Geburtstag lustig feiern. Das Programm "Niat doudernst" - Erfrischend-Besinnliches für Ohr und Seele mit Hubert Treml und Franz Schuier sei ganz toll und passe zur Palliativstation.

Pfarrer Christoph Seidl, Beauftragter für die Krankenhausseelsorge in der Diözese, verstand es treffend, mit einfühlsamen Worten auf die lustigen, aber auch nachdenklichen Lieder der beiden Musiker hinzuführen. Humorvoll heiße nicht, den Tod lächerlich zu machen. Aber mit Humor gehe einiges leichter, auch in einer Palliativstation, auf der viel geweint werde, sagte der Priester. Hier mache man die Erfahrung, dass am Lebensende die ganz kleinen Dinge wichtig werden. Glück sei nicht erstrebenswertes Ziel, sondern gebe es geschenkt, wenn du etwas Sinnvolles getan hast.

Wichtigste Therapie in der Einrichtung, so fuhr der Seelsorger fort, sei Personal, das die Schwerkranken begleite und an ihrer Seite stehe. Dann würden die Pfleger und Ärzte auch einmal hören: "Sie sind ein Engel. Gut, dass es Sie gibt." "Hier sitzen ganz viele Engel", sagte Seidl mit Blick auf das Palliativ-Team. Für das war dann auch das letzte Lied "Engel auf da Stiang".

Franz Schuier und Hubert Treml (von links) gestalten mit lustigen, aber auch nachdenklichen Liedern die Geburtstagsfeier in der Palliativstation. Bild: Wolfgang Steinbacher
Franz Schuier und Hubert Treml (von links) gestalten mit lustigen, aber auch nachdenklichen Liedern die Geburtstagsfeier in der Palliativstation.

"Sterbehilfe" oder "Sterbehügel" waren nur einige Schlagwörter, die das ganze Team aushalten musste.

Chefärztin Dr. Stephanie Kuchlbauer

 
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