Neustadt an der Waldnaab
21.12.2018 - 16:57 Uhr

Glänzende Karriere

Einschnitt beim Kristallglashersteller Nachtmann: Nach 36 Jahren geht Geschäftsführer Alois Kaufmann in den Ruhestand. Doch der Manager möchte sich noch einen Traum erfüllen.

Alois Kaufmann, für viele "Mister Nachtmann", geht in den Ruhestand. Der 61-jährige Weidener hat den Glashersteller über Jahrzehnte auf Kurs gehalten. Bild: exb
Alois Kaufmann, für viele "Mister Nachtmann", geht in den Ruhestand. Der 61-jährige Weidener hat den Glashersteller über Jahrzehnte auf Kurs gehalten.

Am 1. März 1982 startete Kaufmann nach dem Studium seine Karriere bei F. X. Nachtmann in Neustadt als Assistent der Geschäftsleitung beim legendären Toni Frank. Eigentlich wollte er nur eine Ausbildung machen und sich dann in der Industrie eine andere Stelle suchen. "Aber das Produkt Glas hat so eine Faszination, dass ich geblieben bin", erinnert sich der 61-Jährige. Hinzu kamen das gute Verhältnis zur Firmenleitung und zur Belegschaft.

1990 erfolgte die Ernennung zum Prokuristen für den Bereich Finanzen, 1998 zum Geschäftsführer in den verschiedenen Nachtmann-Gesellschaften. 2004 übernahm die Riedl-Gruppe aus Kufstein Nachtmann. "Ein Glücksfall", sagt Kaufmann. Die Familie Riedl sei in allen Belangen - Markt, Design, Finanzen und internationale Vernetzung - einzigartig in der Branche. Georg und Sohn Maximilian seien Ausnahmeunternehmer. "Sie treiben unsere Unternehmensgruppe nach vorne." Hinzu komme das Know-how der kompetenten, treuen Mitarbeiter.

Als der Weidener bei Nachtmann anfing, zählte die Firma noch 1500 Mitarbeiter: 700 in Neustadt und 800 in Riedlhütte. Im Bayerischen Wald ist Nachtmann inzwischen nicht mehr präsent. Riedlhütte und die im Laufe der Zeit hinzugekommenen Fabriken in Spiegelau und Frauenau wurden geschlossen.

Zwei Wannen in Weiden

Heute unterhält der Glashersteller nur noch zwei Produktionsstandorte. Der größere ist Weiden mit zwei Wannen und 380 Beschäftigten. In Amberg (170 Beschäftigte) läuft eine Wanne. Beide Niederlassungen wurden in den vergangenen drei, vier Jahren mit Investitionen von über 20 Millionen Euro am Markt konkurrenzfähig gemacht. Hinzu kommt der Sitz der Verwaltung und des Vertriebs mit knapp 100 Leuten und funkelndem Musterzimmer in Neustadt. Riedl hat Buchhaltung und IT aus Tirol in die Oberpfalz verlegt. Laut Kaufmann gibt es keinerlei Pläne, hier etwas zu verändern.

Die Glas- sei genauso wie die Porzellanbranche von der Grenzöffnung getroffen worden, erzählt der scheidende Geschäftsführer. "Aber wir waren besser vorbereitet." Er berichtet vom Wandel der einstigen Glashütte hin zu einem Industriebetrieb mit Ingenieuren und Technikern. Entsprechend gewandelt habe sich auch das Produkt: weg vom geschliffenen, mundgeblasenen, schweren hin zum stylischen, eleganten Glas. "Nachtmann produziert schon lange kein Bleikristallglas mehr." Gefragt seien hochwertige Kristallgläser im schönen Design zum ansprechenden Preis und attraktiv verpackt.

Konkurrenten wie Tritschler, Hofbauer, Beyer & Co. oder Annahütte seien allesamt verschwunden. "Aber Nachtmann ist nach wie vor einer der Großen auf dem Markt und wird auch weiterhin weltweit mit die besten Produkte von höchster Qualität produzieren."

Kompetenz aufgeteilt

Kaufmanns Aufgabengebiet wird künftig aufgeteilt. Für Finanzen und Controlling ist Dr. Thomas Meier zuständig, der seit Anfang 2017 in der Firma ist. Um EDV und Personal kümmert sich Markus Droll. Er ist im August 2018 zu Nachtmann gestoßen. Vertriebschef ist weiterhin Richard Voit und technischer Geschäftsführer Armin Reichelt. Ihnen wird Kaufmann noch einige Zeit als Berater zur Verfügung stehen. Das sei auch der Wunsch der Familie Riedl.

Kaufmann freut sich auf den Ruhestand. Er will dann endlich viele Dinge tun, die er bisher nicht machen konnte. Aber eines steht für ihn fest: "Man kann das Leben nicht auf dem Golfplatz verbringen." Unterstützen will er Tochter Dr. Christina Rechl, Kieferorthopädin in Amberg. Hobbys sind neben Golf Ski fahren und Reisen. Weiter die Treue halten wird er dem Rotary Club Weiden und sich für soziale Projekte einsetzen.

Und da ist noch ein "versteckter Traum", den er sich erfüllen möchte: Ihm schwebt eine Ausbildung zum Sommelier vor. Zumindest was die richtigen Weingläser betrifft, könnte er aus dem Vollen schöpfen.

 
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