19.02.2020 - 14:03 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Von Händel fürs Hendl

Der niederbayerische Kabarettist Martin Frank unterhält das Publikum in der ausverkauften Stadthalle prächtig.

Beste Unterhaltung bot der Senkrechtstarter unter den bayerischen Kabarettisten, Martin Frank, in der ausverkauften Stadthalle. Auf seinem verkorksten Weg durch die Welten von Stadt und Land hat er die Lacher auf seiner Seite.
von Hans PremProfil

"Es kommt wie's kommt" oder anders gesagt: Wo eine Tür zugeht, geht die nächste Tür auf und wenn nicht, schlägst du eine Scheibe ein. Diese Lebensweisheit hat der Papa schon Martin Frank mit auf den Weg gegeben. Höchst unterhaltsam und amüsant macht er, der Senkrechtstarter unter den bayerischen Kabarettisten, seinen eigenen verschlungenen Lebenslauf, das Wandeln und Suchen zwischen den Welten, zwischen Land und Stadt, bodenständiger Arbeit und brotloser Kunst, zum Hauptthema seines gleichnamigen Programms und kommt damit beim Publikum in der ausverkauften Stadthalle bestens an.

Bevor es richtig losgeht, steigt der Niederbayer zunächst einmal in ein "Warm-up" ein, um zu testen, ob er mit dem Publikum humortechnisch auf einer Wellenlänge liegt. Das tut er von Beginn an, bezieht seine Zuhörer immer wieder mit ein und dirigiert sie förmlich wie ein Orchester, das seine herrlichen Arien aufmerksam, ja bewundernd begleitet.

Frank befindet sich in einer Sinnkrise, weiß nicht, wo er eigentlich hingehört. Er, der als kleiner Bub schon gegen die Wand geschaukelt ist und niemals ohne den Kaba seiner "Dampfnudeloma" aus dem Haus geht, ist der Paradiesvogel unter den Hennen, viel zu kreativ, um als "Sesselpfurzer" in seinem Heimatort Hutthurm zu versauern. Versehen mit einer guten Stimme will er es am Mozarteum in Salzburg schaffen, will sich zum klassischen Sänger ausbilden lassen. Doch der Versuch scheitert kläglich, was wohl nicht zuletzt an seiner angeborenen niederbayerischen Emotionslosigkeit liegt. Außerdem wird ihm bei der Aufnahmeprüfung seine bayerische Improvisation beim Stierkampf aus "Carmen" zum Verhängnis, als er zum "dod'n Ratz und da groß'n Katz" abdriftet.

Ebenso stößt er an der Münchner Schauspielschule mit einer tierischen Nachgeburt in der Tupperdose auf Unverständnis. Dabei hatte ihn eine Dozentin angesichts eines kalbenden Rindviechs doch dazu aufgefordert: "Sei die Kuh, gebäre mit ihr und bring uns morgen diese Erfahrung mit". Das Vieh steht auf dem Land sowieso immer im Vordergrund. So ist er aufgewachsen im Bayerwald, ein Leben nicht zuletzt geprägt von Bauernweisheiten wie "Wenn da Doag ned gäiht, war d' Hefn z'bläid".

Beim Aufeinanderprallen der Welten von Stadt und Land verrät Frank seine Heimat nicht. Im Gegenteil: Die Menschen vom Land kommen deutlich besser weg als die Stadtneurotiker mit ihrer Besserwisserei, ihrem Small Talk und Photoshop-Angeberei und vor allem ihrer Rücksichtslosigkeit. Dann geht er wieder heim in seinen Bayerwald. Ohne Bachelor, mit gescheiterter Opernkariere, als arbeitsloser ausgebildeter Schauspieler und Single – und das mit 25. Die Krise ist umfassend: "Dumm, einsam, obdachlos". Herzlich willkommen in Hutthurm! Doch jeder sollte versuchen, seinen Traum zu leben, sich auch mal ins Ungewisse zu stürzen, so wie er in die Kleinkunst. Man müsse nur Menschen finden, die so einen Weg mit einem gehen. Das hat das Publikum an diesem Abend in der Stadthalle getan.

Frank agiert auf der Bühne ebenso selbstbewusst wie sympathisch, auch wenn er immer wieder Nervosität, ein klein wenig Verklemmtheit vorspielt und ab und zu nah am Wasser gebaut hat. Der Kabarettist überzeugt mit seinen vielen Talenten: Er ist ein exzellenter Komödiant, Schauspieler und klassischer Sänger. Seine Arien darf man getrost zu den Höhepunkten des Abends zählen.

Zur stürmisch geforderten Zugabe präsentiert Frank doch noch eine zündende Geschäftsidee: Patenschaften für "verreckte Henna" samt Beerdigung auf dem Misthaufen mit Prozession, Tränen und hochemotionaler Musik, dem "Largo" von Händel fürs Hendl.

Beste Unterhaltung bot der Senkrechtstarter unter den bayerischen Kabarettisten, Martin Frank, in der ausverkauften Stadthalle. Auf seinem verkorksten Weg durch die Welten von Stadt und Land hatte er die Lacher auf seiner Seite.
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