29.08.2018 - 15:48 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Hornissennester dürfen nicht selbst beseitigt werden

Viele Menschen fürchten sie, obwohl sie gar nicht gefährlich sind: Hornissen. In diesem Jahr gibt es witterungsbedingt viele Tiere. Experten aus Weiden und dem Landkreis Neustadt geben Tipps, wie mit ihnen und ihren Nestern umzugehen ist.

Der trockene und warme Sommer hat im Landkreis Neustadt/WN und im Raum Weiden dafür gesorgt, dass Hornissen stark vertreten sind. Töten, umsiedeln, stören oder ihre Nester entfernen darf man nur in Ausnahmefällen mit Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörden, denn die Tiere sind artenrechtlich geschützt. Für den Menschen sind sie ungefährlich, wenn sie in Ruhe gelassen werden.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

(jak) Martin Kraus von der Unteren Naturschutzbehörde im Landkreis Neustadt/WN bestätigt, was einige Gartenbesitzer bereits ahnen: "In diesem Jahr gibt es im Vergleich zu den Vorjahren relativ viele Hornissennester." Für das Überleben der Jungköniginnen sei der Winter günstig gewesen, ebenso begünstige die trockene und warme Witterung in diesem Sommer die Entwicklung von Hornissenvölkern. "Dennoch sind in diesem Jahr die Hornissennester nicht größer als üblich." Auch für die Stadt Weiden bestätigt die Untere Naturschutzbehörde schriftlich: "Offenbar hat der Hornissenbestand durch den langen und trockenen Sommer profitiert. Die Stadt erreichen derzeit etwa fünf Anfragen pro Woche Hornissen betreffend." Die meisten Bürger bemerkten erst jetzt im Hochsommer, dass sich ein Hornissenvolk in der Nähe angesiedelt hat, dabei beginnen die Tiere bereits Ende April / Anfang Mai mit dem Nestbau. Nicht eindeutig sei, "ob sich die Hitze besonders auf die Hornissen auswirkt", heißt es in der Antwort der Behörde. Den Tieren komme aber sicher die langanhaltende Trockenheit entgegen: "Die papierartigen Nester bleiben auch an weniger geschützten Stellen erhalten und die Hornissen finden unter den anderen Insekten jede Menge Beute, die sie im Flug erbeuten und an ihre Brut verfüttern können."

Für den Menschen sei das Gift einer Hornisse nicht gefährlicher als das einer Wespe, so Martin Kraus. "Selbst bei zahlreichen Stichen ist keine Vergiftung mit tödlichem Ausgang zu erwarten." Ein Stich sei zwar schmerzhaft und lästig, stelle in der Regel aber kein gesundheitliches Problem dar - es sei denn bei einem Stich in den Rachen oder bei einer allergischen Reaktion. Dann sei "sofort ärztliche Hilfe erforderlich", egal, ob es sich um einen Hornissen- oder Wespenstich handle.

Befindet sich ein Hornissennest in mehr als vier Metern Reichweite vom Menschen entfernt, seien Hornissen "nicht angriffslustig". "Wenn man Hornissen im Garten oder am Haus hat, muss man sich zunächst einmal gar nicht darum kümmern", schreibt auch die Stadt Weiden. Dennoch gibt es einige Tipps zu beachten:

  • Störungen, zum Beispiel das Stochern im Nest, das Spritzen mit Wasser oder Verschließen des Nests, sollten vermieden werden.
  • Die Flugbahn der Hornissen sollte freigehalten werden.
  • Starke Bewegungen und Erschütterungen des Nests oder des Bodens (zum Beispiel beim Rasenmähen) sind zu vermeiden.
  • Da Hornissen auch bei Dunkelheit jagen und von Lichtquellen angezogen werden, ist ein Insektenschutzgitter empfehlenswert. Alternativ sollten die Fenster geschlossen bleiben.
  • Die Tiere sollten nicht angehaucht werden.
  • Erwachsene Tiere interessieren sich im Gegensatz zu Wespen nicht für Süßes oder Fleisch, sondern fressen Pflanzensaft.
  • An die Brut eines großen Volkes werden pro Tag etwa 500 Gramm Insekten verfüttert, darunter auch viele schädliche oder für den Menschen lästige Tiere wie Stechmücken.

Befindet sich ein Nest an einem sehr ungünstigen Ort, gelten besondere Bestimmungen: "Hornissen sind artenschutzrechtlich besonders geschützt, so dass ein Nest nicht ohne Zustimmung der Unteren Naturschutzbehörde beseitigt werden darf", so Martin Kraus. Auch die Feuerwehren werden demnach nicht ohne Beteiligung der Behörde tätig. Entfernt werden dürften Nester außerdem "nur bei besonderen Gefahrenlagen, etwa, wenn Wohnräume von allergischen Personen betroffen sind".

Ein ehrenamtlicher Hornissenberater stimmt sich mit der Behörde ab und ist dann für eine Beurteilung der Situation vor Ort zuständig. Er klärt über Verhaltensregeln auf und bespricht Schutzmaßnahmen wie Insektenschutzgitter oder das Umlenken der Flugbahn. "Je nach Lage des Nestes kommt auch eine Umsetzung des Nestes in Betracht." In vielen Fällen könnten die Nester jedoch bis zu der Zeit mit Nachtfrösten an Ort und Stelle belassen werden. Wird es nachts richtig kalt, stirbt das Hornissenvolk samt alter Königin ab. "Die Entfernung des Nestes ist ab diesem Zeitpunkt unproblematisch, da die Jungköniginnen ausgeflogen sind", so Kraus. Diese gründen im folgenden Frühjahr an anderen geeigneten Stellen neue Völker.

So unterscheiden sich Honigbiene, Hummel, Wespe und Hornisse.

Info:

Hornissen sind gesetzlich geschützt. Sie dürfen nicht gestört, getötet, umgesiedelt, ihre Nester nicht zerstört werden. Als Nistplatz bevorzugen Hornissen Hohlräume. Die Königin beginnt im Frühjahr mit dem Bau des Nestes. Dazu benutzt sie Fasern von totem Holz, das sie mit Speichel zu einem Brei verarbeitet. Nach knapp einem Monat schlüpfen die ersten Arbeiterinnen, die das Nest weiterbauen und sich um die Brut kümmern, während die Königin weiter Eier legt. Im Spätsommer ist das Volk voll herangewachsen, bei gutem Nahrungsangebot auf bis zu mehrere hundert Tiere. Aus unbefruchteten Eiern entwickeln sich Männchen, aus befruchteten die zukünftigen Königinnen des Volkes, die nach dem Hochzeitsflug im Oktober an einem geschützten Ort überwintern. Der Rest des Volkes stirbt in der kalten Jahreszeit. Ein altes Nest kann anderen Insekten als Winterquartier dienen.

Da natürliche Nistplätze wie alte Baumbestände immer seltener werden, suchen Hornissen auch in der Umgebung des Menschen nach geeigneten Orten: Nischen in Dachböden und Schuppen, Holzverkleidungen an Fassaden, Nist- oder Rollladenkästen. Die Unteren Naturschutzbehörden im Landratsamt Neustadt/WN und bei der Stadt Weiden können Ausnahmegenehmigungen für die Beseitigung oder Umsiedelung von Hornissennestern erteilen und zum Thema beraten.

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